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Digitales Lernen - Das Feuermachen der Moderne

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Sprachen, Kochen, Heimwerken - gelernt wird digital. Die Messe Learntec stellt die neuen Angebote vor. Auch Unternehmen bilden ihre Mitarbeiter digital weiter - nicht ohne Risiken.

Mitarbeiter lernen am Computer
Mitarbeiter lernen am Computer Quelle: imago

Die Arbeitswelt verändert sich rasend schnell: neue Produkte, neue Technologien, neue Maschinen. Viele Arbeitnehmer müssen sich ihr ganzes Berufsleben weiterbilden. Unternehmen setzen dabei immer öfter auf E-Learning, also das Lernen mithilfe digitaler Technologien. Gut die Hälfte der deutschen Betriebe biete Lernvideos, Podcasts und internetbasierte Weiterbildungen an, stellt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fest.

Unabhängigkeit von Ort und Zeit

"Der größte Vorteil des digitalen Lernens ist, dass es sich leicht in den Arbeitsalltag integrieren und besser an den individuellen Mitarbeiter anpassen lässt", erklärt IW-Expertin Susanne Seyda. Unternehmen können ihren Angestellten neue Techniken durch Videos oder Internet-Seminare schnell vermitteln, ohne alle an einem Ort zusammenbringen zu müssen. Vor allem für Firmen mit Standorten in der ganzen Welt wäre das eine logistische und finanzielle Herausforderung. Lutz Goertz, der am mmb-Institut zum digitalen Lernen forscht, fordert daher: "Weiterbildung muss dezentral und zeitunabhängig stattfinden."

Für Peter Henning, Professor an der Hochschule Karlsruhe, hängt der E-Learning-Trend vor allem mit zwei Entwicklungen zusammen. Erstens wachse das weltweite Wissen immer schneller. Nur das Internet sei flexibel genug, um all dieses Wissen zugänglich zu machen. "Bibliotheken sind dafür zu langsam", erklärt Henning, der im Kongresskomitee der Learntec sitzt. Und zweitens hätten wir heute 24 Stunden am Tag einen Internetzugang. "Digitales Lernen ist zu einer kulturellen Fähigkeit wie früher das Feuermachen geworden", sagt der Professor.

Enormes Wachstum

Daher boomt die E-Learning-Branche. "Wir verzeichnen ein kontinuierliches Wachstum über die letzten Jahre", sagt Juliane Petrich vom Branchenverband Bitkom. Auf dem deutschen Markt wuchs der Umsatz 2016 laut einer mmb-Studie um acht Prozent. Zwei Drittel der Firmen erstellen und verkaufen digitale Lerninhalte entweder von der Stange oder maßgeschneidert.

Seit Kurzem dabei ist die Firma Neocosmo aus Saarbrücken. Das Start-up hat eine Plattform entwickelt, auf der im Internet vorhandene Videos, Texte und Blogeinträge mit eigenen Inhalten kombiniert werden können. So entsteht ein umfassendes Wissensmagazin, auf das alle Mitarbeiter Zugriff haben. Frank Milius, Gründer von Neocosmo, nennt dies die "Kuratierung von digitalen Inhalten", ähnlich wie in einem Kunstmuseum. Der Vorteil: Es muss nicht mehr jeder selber googeln.

Herausforderungen der digitalen Weiterbildung

Trotz der vielen Vorteile ist E-Learning nicht immer die beste Wahl. Weiterbildung in Unternehmen bedeutete bisher auch immer, dass sich die Mitarbeiter persönlich kennenlernen konnten. Wenn alle nur vor dem Computer lernen, fällt der soziale Teil weg. Deswegen setzen die meisten Unternehmen auf das integrierte Lernen: Präsenzphasen im Seminarraum wechseln sich mit Onlinephasen ab.

Auch Datenschutzfragen spielen eine Rolle. Viele E-Learning-Unternehmen bieten an, die Lernergebnisse ins Internet hochzuladen, wo die Daten ausgewertet werden. Und auch innerhalb eines Unternehmens können Lerndauer oder -ergebnisse entscheiden, wenn eine Stelle neu besetzen soll. Sünne Eichler, ebenfalls im Kongresskomitee der Learntec, erklärt das Dilemma: Einerseits brauche man die Lerndaten, um die Programme individuell an den Lerner anzupassen; andererseits wolle man nicht den "gläsernen Lerner" haben, der alle seine Daten frei zugänglich machen muss. In Zukunft müsse ein Modell gefunden werden, bei dem der Arbeitnehmer selber entscheidet, wie viel er seinem Chef preisgeben möchte.

Digitales Lernen

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