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Diskussion um Imam-Ausbildung - "Imam-Ausbildung in Deutschland noch am Anfang"

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In deutschen Moscheen predigen überwiegend Imame aus dem Ausland. Das Innenministerium will gegensteuern. Doch die Maßnahmen greifen zu kurz, sagen Kritiker.

Imam betet in Moschee
Die meisten Imame in Deutschland werden im Ausland ausgebildet. Die Politik will das ändern.
Quelle: dpa

Zwischen 2.000 und 2.500 Imame gibt es in Deutschland - und von denen kommen 80 bis 90 Prozent aus dem Ausland. Das geht aus einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung hervor. Der türkisch-islamische Dachverband Ditib stellt nach eigenen Angaben etwas weniger als die Hälfte der Imame in Deutschland. Viele kommen aber auch aus Nordafrika, Albanien, dem ehemaligen Jugoslawien, sowie Ägypten und dem Iran. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hält die Zahlen der Studie zwar für zu hochgegriffen, bezifffert sie aber immer noch auf ungefähr 80 Prozent.

Imame, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, werden meist auch dort ausgebildet und von dort finanziert. Die Probleme, die sich daraus ergeben, werden in Deutschland seit Jahren intensiv diskutiert. Es geht um politische Einflussnahme aus dem Ausland, sowie die Förderung eines problematischen Islamverständnisses. Außerdem kennen diese Geistlichen sich oft nur wenig mit der deutschen Gesellschaft und Kultur aus und können kein Deutsch. Eine breit angelegte Imam-Ausbildung in Deutschland könnte eine Lösung dieser Probleme sein, doch die scheint in weiter Ferne.

Nach dem Prinzip Trial and Error

Um die Ausbildung von muslimischen Geistlichen in Deutschland zu fördern, wurden seit 2010 zwar an sechs Standorten in Deutschland Institute für islamische Theologie eingerichtet. Von den Absolventen dieser Studiengänge würden aber laut der Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung nur eine Handvoll von den islamischen Verbänden tatsächlich zu Imamen ausgebildet.

"Die Imam-Ausbildung in Deutschland steht noch am Anfang und ist derzeit eher nach dem Prinzip 'Trial and Error' ausgerichtet. Eine systematischere Ausrichtung wäre wünschenswert", sagt Andreas Jacobs, Mitautor der Studie. Doch bisher scheiterte das am fehlenden Willen der Akteure und vor allem am Geld.

Dass es beim Thema Imam-Ausbildung in Deutschland Nachholbedarf gibt, hat auch Innenminister Horst Seehofer (CSU) erkannt. In einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schrieb er Ende November, dass es bei der Organisation der muslimischen Religionsgemeinschaften darum gehe, "dass sie den Anforderungen des Religionsverfassungsrechts für eine Kooperation mit dem Staat genügen".

Hier solle auch die ausländische Einflussnahme ersetzt werden und zwar so, "dass Deutschlands Muslime nicht nur Organisation und Finanzierung ihrer Gemeinden selbst in die Hand nehmen, sondern auch die Imam-Ausbildung an ihre Bedürfnisse anpassen". Wie das konkret finanziert werden solle, sagte er damals jedoch nicht.

Zwei Millionen Euro für Moscheen

Doch nun ist man einen Schritt weiter. Auf Nachfrage teilte das Bundesinnenministerium mit, dass das Förderprogramm "Moscheen für Integration" im Haushalt für 2019 aufgenommen worden sei. Im Kern will das Ministerium damit die Moscheegemeinden stärker in die Gesellschaft integrieren. Ziele seien beispielsweise eine bessere Kooperation mit der Kommunalverwaltung, die Stärkung der deutschen Sprache innerhalb der Gemeinden und eine Verminderung externer Abhängigkeiten. Dafür sind im Jahr 2019 zwei Millionen Euro eingeplant.

Das Förderprogramm hat mit der Imam-Ausbildung direkt nichts zu tun.
Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hält das prinzipiell für eine gute Idee. "Grundsätzlich begrüßen wir, dass Gesellschaft und Staat sich für Empowerment von Moscheegemeinden stark machen, nur hat das Förderprogramm mit der Imam-Ausbildung direkt nichts zu tun", sagte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Dass die Förderung nicht direkt in die Imam-Ausbildung in Deutschland fließen kann, liegt an der Trennung von Staat und Kirche. Im Innenministerium erhofft man sich durch das Programm trotzdem, dass sich muslimische Gemeinden stärker öffnen und damit ein Umdenken stattfindet.

Deutschpflicht für Imame

Ein weiterer Schritt ist eine geplante Deutschpflicht für Imame. Um in Deutschland arbeiten zu können, müssen Imame bislang keine Deutschkenntnisse vorweisen. Das soll sich ändern.

Ziel sei es, dass ausländische Geistliche mit der deutschen Sprache und der deutschen Kultur vertraut sind. Aus dem Innenministerium heißt es dazu: "Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn die aus dem Ausland einreisenden Geistlichen Kenntnisse der deutschen Sprache bereits bei Beginn ihrer Tätigkeit vorweisen." Hierzu sollen die Einreisevoraussetzungen geändert werden. Die Planungen dafür sind aber noch nicht abgeschlossen.

Von anderen Ländern lernen

Andreas Jacobs reicht das nicht. Es sei ein ganzes Maßnahmenbündel erforderlich. Dabei könnte sich die Bundesregierung auch am Nachbarland Frankreich orientieren. "Die Bundesregierung könnte präziser mit den Entsendeländern über die Modalitäten der Entsendung von ausländischen Imamen verhandeln." In Frankreich müssen Imame nicht nur nachweisen können, dass sie die Sprache sprechen und mit dem Land vertraut sind. Sie müssen sich auch zur Demokratie bekennen und offen legen wer sie finanziert. Jacobs nimmt aber auch die muslimischen Verbände in die Pflicht. Diese könnten sich den bereits existierenden Studiengängen weiter öffnen. So wäre eine stärkere Anbindung an die Praxis mithilfe von Praktika in Moscheen ein erster Schritt.

Ein Blick in andere europäische Länder könnte sich jedenfalls lohnen. Länder wie Frankreich hätten aufgrund ihrer kolonialen Vergangenheit oft mehr Erfahrung mit der Integration von muslimischen Gemeinden. Andreas Jacobs bringt deswegen eine regelmäßige europäische Islamkonferenz ins Gespräch. "Sinnvoll wäre, wenn sich Länder wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland über ihre verschiedenen Erfahrungswerte auszutauschen könnten." Das wäre auch bitter nötig, denn die Studie schließt mit einem ernüchternden Befund. Bislang sei kein tragfähiges und allgemein akzeptiertes Modell der Ausbildung und Beschäftigung von islamischen Geistlichen in Sicht.

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