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Zwischenbilanz der UN-Generalversammlung - "Seniler Greis" gegen "Raketenmann"

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Die erste Woche der UN-Generalversammlung ist vorbei, die globalen Krisen schwelen weiter, in Syrien und Jemen, Burundi und Südsudan, Venezuela und Myanmar. Schlagzeilen machte vor allem einer der 193 Regierungschefs in New York: Donald Trump.

UN-Generalsekretär Guterres hat bei einem Treffen mehrerer Karibik-Staaten dazu aufgerufen, den Klimawandel zu bekämpfen. 2017 ist laut US-Behörden das zweitheißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

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"Die Vereinten Nationen wurden nicht gegründet, um die Menschheit ins Himmelreich zu führen, sondern um sie vor der Hölle zu bewahren", sagte damals der ehemalige UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld. Da diskutierte die Welt noch nicht über eine globale Flüchtlingskrise oder den Klimawandel. Und es gab auch noch keinen Präsidenten Trump.

One-Man-Show bei der UN

Die diesjährige Generalversammlung in New York war vor allem eine "one man show". Alle Welt schaute auf den neuen US-Präsidenten - und der teilte in seiner ersten Rede vor den UN vor allem aus: gegen den "Raketenmann auf Selbstmordmission" in Nordkorea, gegen den Iran, gegen Kuba und Venezuela. Trumps Rede klang "wie eine Aneinanderreihung seiner Tweets", stöhnte ein Journalist des Fernsehsenders CNN. Die Kollegen von der Washington Post sprachen von einem "desaströsen, nationalistischen Flop". Es sei die "gruseligste UN-Rede aller Zeiten" gewesen.

Die Mehrheit der Republikaner feierte den Auftritt Trumps vor den Vereinten Nationen dagegen als "großartig". "Gott sei Dank hat unser Präsident keine Angst, der Welt die Wahrheit zu sagen." "Drohungen sind die einzige Sprache, die Schmalspur-Despoten verstehen", schrieb der Kommentator des konservativen "Washington Examiner". Und der "Schmalspur Despot" aus Nordkorea giftete zurück. Trump sei ein "geistig umnachteter Greis", seine Beschimpfungen nannte Kim "Hundegebell".

Den meisten Amerikanern macht soviel Kriegsrhetorik Angst. Laut einer aktuellen Umfrage vom Sonntag lehnen Zwei Dittel einen Präventivschlag gegen Nordkorea ab. Dreiviertel der Befragten würden lieber auf Wirtschaftssanktionen setzen, um Kim Jong Un zu zwingen, sein Atomprogramm zu stoppen.

Krieg der Worte

Dass es dazu kommt, ist angesichts des "Kriegs der Worte" eher unwahrscheinlich. Auch die UN können in dieser verfahrenen Situation wenig zur Lösung des Konflikts beitragen, meint Ian Bremmer, Politikwissenschaftler an der New York University. Im Konflikt Trumps mit seinem zweiten großen Widersacher, dem Iran, könne die UN dagegen noch eine wichtige Rolle spielen. "Selbst wenn der US-Präsident den Atomdeal aufkündigt, wie er es immer wieder androht, würde Teheran das Abkommen nicht verlassen, solange die UN an Bord bleibt“, vermutet Bremmer.

Die UN seien gut im Krisenmanagement, aber weniger gut darin, Krisen zu verhindern oder zu beenden. Aktuelles Beispiel: Die Flüchtlingskrise in Myanmar. Die UN gaben insgesamt sieben Millionen Dollar Soforthilfe frei, um hunderttausenden Rohingya zu helfen, die vor Gewaltausbrüchen in Myanmar flohen. "Jenseits der Schlagzeilen und der öffentlichen Wahrnehmung unterstützt das UN-Flüchtlingshilfswerk derzeit zwölf Länder, die mehr als 300.000 Flüchtlinge aufgenommen haben, darunter Kamerun, Äthiopien, Libanon, Pakistan und die Türkei", so Bremmer. "Und: Die UN bleiben in den Krisengebieten, lange nachdem die Fernsehkameras verschwunden sind."

Größte Herausforderung der Menschheit

Neben der Flüchtlingskrise bleibt die größte globale Herausforderung für die Vereinten Nationen der Klimawandel. Auch wenn der US-Präsident die globale Erwärmung weiter leugnet. In seiner Rede vor der Generalversammlung verlor er kein einziges Wort darüber.

Während die Diplomaten im spätsommerlichen New York tagten, wütete nach "Irma" bereits der zweite Hurrikan "Maria" in der Karibik. Der Premierminister der Karibikinsel Dominica, dem Sturm knapp entkommen, stand am Wochenende vor dem halbleeren Weltsaal der Vereinten Nationen. "Eden ist zerstört", sagte er. "Wer den Klimawandel weiter leugnet, schaut der Erde dabei zu, wie sie versinkt. Die großen Nationen reden, die kleinen Inseln leiden. Es ist nicht mehr viel Zeit zum Reden. Und nur noch wenig Zeit zu Handeln. Wir müssen etwas tun und zwar jetzt sofort."

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