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Jugendliche aus Mittelamerika - Der lange Weg nach Norden

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"Dreamer" und "unbegleitete Minderjährige": Jugendliche fliehen aus Mittelamerika vor Gewalt, die einen mit Eltern, die anderen ohne. In Trumps USA sind sie nicht erwünscht.

Guatemala: Schwer bewaffnete Polizeieinheiten patrouillieren im Armenveiertel El Esfuerzo
Guatemala: Schwer bewaffnete Polizeieinheiten patrouillieren im Armenveiertel El Esfuerzo Quelle: imago

Eine zehn Zentimeter lange Narbe am Oberarm erinnert Franklin jeden Tag daran, warum er nicht nach Hause zurück kann.  Der Siebzehnjährige ist vor einem Jahr aus seiner Heimat Guatemala geflohen, weil die Bedrohung durch die Gangs einfach zu viel wurde. "Ich konnte nicht mal zur Schule gehen oder zum Fußballspielen, weil die Banden mich ständig belästigten. Sie wollten Geld oder mich dazu zwingen, mich ihnen anzuschließen. Wenn ich mich wehrte, haben sie mich verprügelt." So sehr, dass er eines Tages im Krankenhaus landete. Das war der Moment, in dem er keine andere Chance mehr sah, als zu fliehen.

Eine der gewälttätigsten Regionen der Welt

Von seinem kleinen, abgelegenen Bergdorf in Guatemala schaffte er es bis an die texanische Grenze. Dort stellte er sich den Behörden und bat um Schutz als "unaccompanied minor" - "unbegleiteter Minderjähriger". Jetzt hofft er, dass ihm die USA Asyl gewähren. Wie Franklin geht es Tausenden Jugendlichen aus Mittelamerika. Das sogenannte "Nördliche Dreieck" aus Guatemala, Honduras und El Salvador gehört zu den gewalttätigsten Regionen der Welt - nur in Kriegsgebieten kommen mehr Menschen gewaltsam ums Leben.

Trotz der restriktiven Migrationspolitik von US-Präsident Trump - die USA bleiben für viele Menschen aus Mittelamerika ein Traumziel. Wer nicht legal einreisen darf, der versucht bei Nacht und Nebel illegal über die Grenze zu kommen.

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Schuld daran sind kriminelle Gangs wie "Mara Salvatrucha" und "18th Street Gang". Sie bekämpfen sich gegenseitig und tyrannisieren die Bevölkerung. Es geht um die Kontrolle des Drogenhandels und anderer illegaler Geschäfte; Schutzgeld-Erpressung, Entführung und Mord gehören zum Alltag. Wer nicht spurt, wird beseitigt. Besonders gefährlich ist es für Jugendliche im Rekrutierungsalter. Für die gibt es oft nur zwei Optionen: Mitmachen oder fliehen. Zehntausende von ihnen machen sich deshalb jedes Jahr auf den Weg - mehr als 200.000 sind seit 2014 in die USA gekommen, wo sie sich Sicherheit und eine bessere Zukunft erhoffen.

Chancen stehen schlecht

Allerdings stehen ihre Chancen schlecht. Denn US-Präsident Donald Trump, der mit dem Versprechen, eine Mauer gegen Immigranten zu bauen, Wahlkampf machte, geht besonders scharf gegen Jugendliche wie Franklin vor. Er sieht in ihnen nicht Opfer, sondern Täter, die die Gewalt der Gangs mit sich nach Amerika bringen. Wie zum Beweis lud der Präsident zu seiner Rede an die Nation im Januar zwei Familien ein, deren Töchter von jugendlichen Immigranten ermordet worden waren. Justizminister Sessions spricht von "Wölfen im Schafpelz" und streicht Programme, die jugendlichen Gewaltopfern in der Vergangenheit halfen, Aufenthaltsstatus oder Asyl zu erlangen. Möglichst viele sollen direkt wieder abgeschoben werden.

Die Debatte um eine Reform des Immigrationsgesetzes spaltet seit Monaten den US-Kongress. Der Präsident will seine Mauer und hat bereits Prototypen an der Grenze zu Mexiko bauen lassen. Doch die Demokraten verweigern ihm die Finanzierung des 18-Milliarden-Projekts ohne ein Entgegenkommen bei den sogenannten "Dreamern". So werden Einwanderer bezeichnet, die, wie Franklin, als Minderjährige in die USA kamen, im Gegensatz zu ihm allerdings nicht alleine, sondern mit ihren Eltern.

Erfahren, was es heißt, unerwünscht zu sein

Speziell für diese relativ kleine Untergruppe von Immigranten, insgesamt etwa 800.000, schuf Präsident Barack Obama 2012 ein Sonderprogramm. Dies ermöglichte ihnen, legal in den USA zu studieren und zu arbeiten. Trump möchte auch das abschaffen und erklärte im September 2017 ein Moratorium. Im März verlieren die ersten Dreamer ihren Status, wenn die Politiker bis dahin keinen Kompromiss finden.

"Dreamer" und "unbegleitete Minderjährige" - bei beiden handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die vor Armut und Gewalt nach Amerika flohen, oft um ihr Leben. Doch während die einen zum Vorzeigekind einer Kampagne für eine humanere Immigrationspolitik wurden, erfahren die anderen gerade, was es heißt, unerwünscht zu sein, in Präsident Trumps Amerika.

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