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Aigner, Kohnen, Schulze - Drei Mal starker Frauen-Wahlkampf

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Sie sind alle stark und doch grundverschieden: Ilse Aigner (CSU), Natascha Kohnen (SPD) und Katharina Schulze (Grüne) kämpfen um die Wählergunst bei der bayerischen Landtagswahl.

Wahlplakate Bayern
Wahlplakate in Bayern
Quelle: dpa

Während Kohnen und Schulze als Spitzenkandidatinnen ins Rennen ziehen, will und muss Aigner als Bezirkschefin von Oberbayern punkten. Allen dreien ist gemein: verschränkte Arme als Symbol von Durchsetzungsfähigkeit auf ihren Wahlplakaten.

Ilse Aigner: Einst Seehofers Kronprinzessin, heute Söders Zugpferd

Archiv: Ilse Aigner (CSU), aufgenommen am 22.08.2018 in München
Ilse Aigner (CSU, Archivbild)
Quelle: dpa

"Ein starkes Team für Oberbayern und unser Land" steht auf dem CSU-Wahlplakat. Abgebildet sind Ilse Aigner und Markus Söder, zuversichtlich lachend, Rücken an Rücken. Dabei waren die beiden lange Zeit Rivalen als potentielle Nachfolger von Ministerpräsident Horst Seehofer. Bekanntlich hat Markus Söder diese Auseinandersetzung gewonnen und Ilse Aigner jüngst im Zeit-Magazin eingeräumt: "Dieses Spiel habe ich irgendwann nicht mehr mitgespielt, weil es mir zu blöd war. Ich war nicht bereit, den Kampf aufs Allerletzte durchzufechten."

Im Wahlkampf jedoch, bei dem die CSU auf ein historisches Tief zusteuert, ist Söder auf Aigner angewiesen wie auf keinen anderen Politiker seiner Partei. Denn Aigner ist nicht nur stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, sie ist vor allem anerkannte und gut vernetzte Vorsitzende des mitgliedstärksten CSU-Bezirksverbands Oberbayern. Der Franke Söder braucht die Stimmen aus Oberbayern und ist damit auf Ilse Aigner als Wahlkämpferin angewiesen - auf Gedeih und Verderb.

"Ilse Aigner ist einsatzstark und politisch sehr versiert, hat sich jedoch im Kampf um die Nachfolge von Horst Seehofer früh geschlagen gegeben, weil sie kein Machtmensch ist wie Markus Söder", beschreibt Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, die 53-jährige Staatsministerin. "Ilse Aigner punktet jedoch mit ihrer verbindlichen, sympathischen Art bei denjenigen, denen Söder zum Beispiel beim Kreuzerlass oder der Flüchtlingspolitik zu scharf daherkam." Das weiß Markus Söder, und so ist Ilse Aigner die starke Frau im Hintergrund. Das wiederum erinnert an den Machtkampf Merkel-Stoiber 2002. Wer damals letztendlich das Rennen gemacht hat, ist bekannt.

Natascha Kohnen: Mit Anstand gegen laute Zuspitzung

"Nicht jammern, sondern kämpfen", ist das Credo von SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen. Und kämpfen ist angesagt bei den bayerischen Genossen. 13 Prozent, so der jüngste ZDF-Umfragewert, wären ein Debakel. Dabei macht Kohnen einen engagierten Wahlkampf. 2017 hat sie sich nach dem farblosen Florian Pronold gegen fünf Mitbewerber als neue Landesvorsitzende durchgesetzt und ihr Amt mit Mut und Verve angetreten. Von sich selber sagt die 50-Jährige: "Ich bin ein Analyse-Typ, ein sachlicher Typ. Und ich werde mich auch nicht ändern und verbiegen."

Mindestens einmal ist ihr aber doch die Hutschnur geplatzt. Das war im Februar 2016, als sie im bayerischen Landtag wutentbrannt die Flüchtlingspolitik der CSU an den Pranger stellte: "Ich sag Ihnen eins: Seit drei Monaten gehen Sie dem ganzen Land und ganz Deutschland auf die Nerven mit Ihrem populistischen Rausgeplärre … weniger Populismus und mehr Humanität, das ist das, was Sie brauchen." Ein spontaner Auftritt, der zum Social-Media-Hit wurde.

Archiv: Natascha Kohnen, aufgenommen am 13.08.2018 in München
Natascha Kohnen (SPD), Archivbild)
Quelle: dpa

Angesichts eines immer rauher werdenden gesellschaftlichen Klimas plädiert Kohnen für mehr Anstand in der politischen Auseinandersetzung. "Natascha Kohnen ist eine unheimlich redliche Politikerin, die diese Redlichkeit auch bewusst im Wahlkampf einsetzt", sagt Politikwissenschaftlerin Münch. "In einer Zeit, in der es jedoch nur noch um Zuspitzung geht, wird solch ein Politikstil übertönt." Tatsächlich trifft Kohnen mit ihren Wahlkampfthemen, gebührenfreie Kitas und vor allem bezahlbares Wohnen, den Nerv vieler Menschen, gerade im oft teuren Bayern. Und doch dringt sie damit bisher in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig durch. Neben Platzhirsch CSU hat die SPD in Bayern traditionell einen schweren Stand, und die Dauerquerelen in der Großen Koalition sorgen auch nicht eben für Rückenwind. Kohnens Kompetenz, Sachlichkeit und Redlichkeit sind bisher offensichtlich nicht das richtige Rezept, um bei der derzeitigen politischen Stimmung Stimmen zu gewinnen.  

Katharina Schulze: Jung, klug, laut und unkonventionell

Archiv: Katharina Schulze, B'90/Grüne, aufgenommen am 04.09.2018  in Berlin
Katharina Schulze, B'90/Grüne (Archivbild)
Quelle: dpa

"Politik-Duracell-Hase" ist die Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen schon genannt worden. Vielen aus ihrer eigenen Partei gilt sie als das derzeit größte Talent, nicht nur in Bayern. Die 33-jährige Katharina Schulze, die erst 2013 in den Landtag einzog, wird mittlerweile parteiübergreifend geachtet, ausgestattet mit einer fast nicht enden wollenden Energie und dem klaren Willen zur Macht. "Ich bin nicht angetreten, um in Schönheit am Spielfeldrand zu sterben", betont sie immer wieder. Wo sie im Wahlkampf auftritt, nimmt sie die Leute mit ihrer authentischen, begeisternden Art mit - selbst bei Regen: "Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet’s auch".

Schulze demonstriert, dass Politik auch in schwierigen Situationen Spaß macht. "Ihre Auftritte und ihr Politikstil sind unverkrampft und zeugen gleichzeitig von viel Sachkenntnis. Dass sie unter anderem Innere Sicherheit und Heimat zu Wahlkampfthemen macht, ist clever, weil damit auch Wähler außerhalb des grünen Stammklientels angesprochen werden", erklärt Ursula Münch.

Als Oppositionspartei sowohl im Bund als auch in Bayern können die Grünen ohne politischen Druck im Wahlkampf auftreten. Zumal sie in Umfragen von der Schwäche der CSU und SPD profitieren und darin derzeit zur zweitstärksten Partei aufgestiegen sind. In dieser Gemengelage schließen beide grünen Spitzenkandidaten, Katharina Schulze und Christoph Hartmann, auch eine Koalition mit der CSU nicht aus. Eine Vorstellung, über die ihre Vorgänger*innen nicht einmal nachgedacht hätten. Hartmann und Schulze, die ein gutes Team bilden, schon. Zwar nicht um jeden Preis, aber "wir wissen, dass wir pragmatisch die Welt retten müssen", so Katharina Schulze.

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