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Drogenbericht - Mortler: Alkohol und Tabak nicht unterschätzen

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Alkohol und Tabak richten immer noch größeren gesellschaftlichen Schaden an als illegale Suchtstoffe. Das erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), bei der Vorstellung des Suchtberichts 2017. 121.000 Tabak- und 74.000 Alkohol-Tote gibt es demnach im Jahr.

Wenn über Drogen gesprochen wird, dann hört man heute meist von Party­ oder Designerdrogen, von Ketamin, Amphetamin oder Crystal Meth. Doch die gefährlichste Droge ist und bleibt Heroin.

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7,8 Millionen Menschen in Deutschland trinken Alkohol in gesundheitlich riskanter Menge, sagte Mortler. Tabak- und Alkoholkonsum seien tief in der Gesellschaft verwurzelt. Deswegen werde man dort "nicht mit Riesenschritten vorankommen", sagte sie. Die CSU-Politikerin kündigte allerdings noch für diese Wahlperiode einen sogenannten Alkohol-Atlas an, der nach dem Vorbild des Tabak-Atlas' Daten, Trends und gesetzgeberische Empfehlungen liefern soll. Damit werde sie sich "nicht viele Freunde und Freude machen", sagte Mortler.

Mortler: Kinder von Suchtkranken besser schützen

Als Herausforderungen für die kommende Wahlperiode nannte Mortler die Verbesserung der Situation von Kindern suchtkranker Eltern. Es könne nicht sein, dass von den drei Millionen betroffenen Kindern nur die wenigsten Unterstützung erhalten. Dieses Thema habe sie von allen in ihrem Zuständigkeitsbereich am meisten berührt, sagte Mortler. Bei 2,65 Millionen Kindern hat ein Elternteil ein Alkoholproblem.

Die Linke warf Mortler eine enttäuschende Bilanz in der zu Ende gehenden Legislaturperiode vor. "Seit ihrem Amtsantritt ist die Zahl der Toten durch illegale Drogen um 30 Prozent gestiegen", sagte Linken-Fraktionsvize Frank Tempel. "Die meisten Drogentoten kommen dabei aus ihrem Heimatland Bayern."

Zahl der Drogentoten gestiegen

Wie Mortler schon vor einigen Wochen mitgeteilt hatte, war 2016 die Zahl der Drogentoten in Deutschland zum vierten Mal in Folge gestiegen. Im vergangenen Jahr starben bundesweit 1.333 Menschen, weil sie illegale Substanzen wie Heroin, Kokain oder Crack konsumierten - neun Prozent mehr als im Vorjahr. Weshalb gerade Bayern die meisten
Drogentoten verzeichnete, ist Mortler zufolge unklar. Sie plädierte dafür, die Methodik der Diagnose bundesweit zu vereinheitlichen, um dann exaktere Aussagen über die Todesursache machen zu können.

Der Linken-Politiker Tempel verlangte einen Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik: "Wer abhängig ist, benötigt Hilfe und keine Strafe." Die Neuregelung zum medizinischen Cannabis habe sich als "Rohrkrepierer erwiesen. Jeder zweite Patient, dem Cannabis durch den Arzt verschrieben wird, bekommt keine Kostenerstattung." Mortler sagte dazu, das Gesetz funktioniere.

Als positiven Trend hob die Drogenbeauftragte hervor, dass der Tabak- und Alkoholkonsum bei Jugendlichen in den vergangenen 15 Jahren um zwei Drittel beziehungsweise um die Hälfte zurückgegangen sei.

Problem: Cannabiskonsum

Als weitere Herausforderung nannte Mortler den wieder gestiegen Cannabiskonsum. Laut Bericht konsumierten 2015 knapp neun Prozent der Männer und gut fünf Prozent der Frauen Cannabis - ein Anstieg um zwei beziehungsweise drei Prozent.

Die Bereitschaft von Jugendlichen und Heranwachsenden, Cannabis zu probieren, sei in den vergangenen Jahren gestiegen, erklärte Mortler. Dies sei "auch deshalb so problematisch, weil der Wirkstoffgehalt von Cannabis heute etwa fünfmal so hoch liegt wie noch vor 30 Jahren", warnte sie. Die gesundheitlichen Auswirkungen gerade auf junge Menschen seien dadurch massiv gewachsen. Die Politik werde in den kommenden Jahren "einen Millionenbetrag in die Hand nehmen müssen", um mehr Aufklärungsarbeit in den Schulen, in der betrieblichen Suchtprävention und überall dort, wo junge Leute seien, zu leisten.

Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2015 hatten insgesamt 7,3 Prozent der zwölf- bis 17-jährigen Jugendlichen und 15,3 Prozent der 18- bis 25-Jährigen binnen zwölf Monaten Cannabis konsumiert. Insgesamt ist Cannabis in Deutschland das meistkonsumierte Rauschgift.

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