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Luftfahrtgipfel - Droht neuer Chaos-Sommer auf den Flughäfen?

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Einen weiteren Chaossommer am Himmel soll es nicht geben. Das haben Politik und Wirtschaft versprochen. Wie groß sind die Chancen, dass das gelingt?

Archiv: Eine Frau steht am 10.12.2010 auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld vor einer Anzeigetafel
Passagiere sollen künftig nicht nur per Brief, sondern beispielsweise auch über eine Smartphone-App Entschädigungen für Flugverspätungen beantragen können
Quelle: dpa

25 Einzelmaßnahmen hatten Vertreter der Politik und der Luftfahrtbranche im Oktober aufgelistet, wie der Flugverkehr in diesem Sommer geordneter ablaufen könnte. Jetzt schon ist klar: Ohne Probleme wird es auch in diesem Sommer nicht an den Flughäfen und in der Luft ablaufen.

Software-Probleme bei der Flugsicherung

"Der Sommer wird besser, aber nicht gut", prophezeit Carsten Spohr, Chef der Deutschen Lufthansa. Der heutige Luftfahrtgipfel zu Beginn des Sommerflugplans werde zumindest die Aufmerksamkeit aller Beteiligten nochmals auf die Schwierigkeiten lenken. Jeweils zu einem Drittel seien die Flugverspätungen im vergangenen Sommer von der Flugsicherung, der Infrastruktur am Boden und den Fluggesellschaften verursacht worden, analysierte Spohr vor wenigen Tagen. Dass die Flugsicherung weiter große Schwierigkeiten hat, haben die letzten Tage gezeigt: Wegen Software-Problemen bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) wurde aus Sicherheitsgründen die Kapazität des Luftraums beschränkt. Das galt vor allem für das Center in Langen, das den unteren Luftraum im Südwesten Deutschlands überwacht.

Der wesentliche Flaschenhals sei für diesen Sommer aber in Karlsruhe zu erwarten, mutmaßt der Lufthansa-Chef. Denn von Karlsruhe aus wird der obere Luftraum gesteuert, der aber zu Stoßzeiten immer voll ist. Deshalb werden die Flugzeuge auch auf den unteren Luftraum umgeleitet, das aber kostet sie mehr Kerosin.

Zu wenig Personal

Ein Grund für die Misere ist zu wenig Personal, der DFS fehlen eigenen Angaben zufolge etwa 90 Lotsen. Da will man zwar jetzt nachhelfen und die Ausbildungskapazitäten erhöhen. Doch das löst das Problem kurzfristig nicht: Es dauere drei bis vier Jahre, bis die entsprechenden Fluglotsen ausgebildet und einsatzfähig seien, erklärt eine DFS-Sprecherin.

Die Politik könnte dafür sorgen, dass innerhalb der EU die nationalen Flugsicherungen enger zusammenarbeiten und die Planungszeiträume enger werden. Und sie sollten zudem auch den Sicherheitskontrollen am Boden bessere Bedingungen ermöglichen. Das fordern vor allem die Flughafenbetreiber ein. Da solle man sich am Ausland orientieren, sagt Stefan Schulte, Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport: "Dort haben überall die Flughafenbetreiber die Verantwortung bekommen, und Sie wissen, dass die Durchsatzzahlen dort doppelt so hoch sind wie die, die wir in Deutschland haben."

Sieben neue Kontrollspuren in Frankfurt am Main

Schulte möchte nämlich auch die privaten Sicherheitsbetreiber enger steuern können, dazu aber müsste das Luftsicherheitsgesetz geändert werden. Fraport will zumindest kräftig Personal einstellen und die Abläufe an den Sicherheitskontrollen erhöhen. Zudem gehen dort sieben neue Kontrollspuren mit effizienterer Technologie in Betrieb.

Schließlich hatten auch die Fluggesellschaften versprochen, ihre Flugpläne etwas zu entzerren. Da möchte Lufthansa mit gutem Beispiel vorangehen: Man werde das Wachstum weiter halbieren auf nun nur noch 1,9 Prozent, kündigte Spohr vor wenigen Tagen an. Es gehe jetzt um "qualitatives Wachstum". Außerdem will die Kranichlinie mehr Reserveflugzeuge vorhalten. Das planen auch Tui-fly und Condor. So wollen sie unvorhergesehenen Ereignissen  besser begegnen. Das sind nicht nur Gewitter. Wegen des Absturzes zweier Boeing 737 Max 8 dürfen Flugzeuge dieses Modells vorerst nicht mehr abheben. Auch das könnte zu Engpässen führen.

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