Sie sind hier:

Deutsche Bank und DWS - Aufs Parkett gezittert

Datum:

Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank ist an die Börse gegangen. Während Beobachter auf den ersten Kurs warteten, rauschten die Aktien des Mutterhauses weiter in den Keller.

Das Logo der Deutschen Bank als verzerrtes Spiegelbild in einer Fassade in Frankfurt am Main
Das verzerrte Logo der Deutschen Bank.
Quelle: dpa

Es sollte ein Befreiungsschlag sein für die Deutsche Bank: Der Börsengang ihrer Vermögensverwaltung DWS. Allerdings haben sich im Vorfeld Investoren eher zurück gehalten. Einer der Gründe dafür sind die starken Schwankungen und Kursrutsche an den Aktienmärkten. Deswegen waren die Aktien der DWS vor dem Börsengang für 32,50 Euro an Investoren gegangen. Das anvisierte Höchstziel ging allerdings bis 36 Euro. Der Börsengang war also etwas abgespeckt.

"Wir werden denen helfen"

Das gilt damit natürlich auch für den Börsenwert der DWS: War man in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank von bis zu acht Milliarden Euro ausgegangen, wurden es nun rund 6,5 Milliarden. Durch den Verkauf der Aktien (22,5 Prozent) jedenfalls fließen der Bank 1,4 Milliarden Euro zu.

Geld, das die Bank gut gebrauchen kann. Denn die steckt weiter in Schwierigkeiten. Ob die auch zu Problemen bei der DWS führen, wird an diesem Morgen auf dem Börsenparkett der Chef der DWS, Nicolas Moreau, gefragt. "Die Bank steckt in einem Prozess des Wandels, sie hat Schwierigkeiten. Das behindert uns nicht. Im Gegenteil: Wir werden denen helfen." Selbstbewusstsein durch Selbstständigkeit.

Deutsche Bank schmiert weiter ab

Hilfe könnte die Deutsche Bank in diesen Tagen vor allem an der Börse gut gebrauchen. Denn während die Anwesenden Mitarbeiter und Gäste auf dem Frankfurter Börsenparkett auf den ersten Kurs der DWS warteten, zeigten die Bildschirme in den runden Händlerschranken ein großes Minuszeichen vor dem Aktienkurs der Deutschen Bank an: Die Aktien fallen weiter – und zwar auf den tiefsten Stand seit eineinhalb Jahren. Der Verlust allein in dieser Woche summiert sich auf über 14 Prozent.

Zweifel an der Strategie des Unternehmens und ein schlechter Jahresbeginn im Investmentbanking der Deutschbänker lassen Anleger die Reißleine ziehen. Offenbar sind sie mit ihrer Geduld am Ende, nachdem der Chef der Finanzchef des Hauses dem Investmentbanking einen schwachen Jahresstart attestiert hat. Noch bei der Präsentation der vorläufigen Bilanz im Februar hatte Konzernchef John Cryan für das laufende Geschäftsjahr wieder Gewinne in Aussicht gestellt – nach einem Verlust von knapp einer dreiviertel Milliarde Euro im vergangenen Geschäftsjahr.

Gegenwind für die Deutsche Bank

Allerdings stellen sich Beobachter die Frage, ob dieses Ziel noch realistisch ist angesichts des Gegenwindes für die Bank. "Man muss sich schon Gedanken machen, wo sie denn in Zukunft wieder so viel Geld verdienen will, dass sie zu alter Ertragsstärke zurückkommt", sagt etwa Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Aktionärsschützer haben am Donnerstag eine Studie veröffentlicht. In der wird der Bank die zweifelhafte Ehre zuteil, zu den Top 15 der größten Kapitalvernichter der vergangenen Jahre zu gehören.

Hohe Strafzahlungen in Milliardenhöhe – vor allem durch Vergehen im Bereich des Investmentbankings – hatten Investoren bereits 2016 an der Zukunftsfähigkeit der Bank zweifeln lassen. Das vergangene Geschäftsjahr wiederum hat nach Ansicht der Bank die Steuerreform in den USA verhagelt. Bei der Präsentation der Bilanz klagten die Vorstände auch über die schwierigen Marktbedingungen durch die anhaltenden Nullzinsen und über steigende Anforderungen der Regulierung. Allerdings treffen diese Umstände auch andere Banken. Und vor allem in den USA sprudeln bei den Großbanken schon seit längerem wieder die Gewinne – trotz der widrigen Umstände.

Kleine Dividende und hohe Boni

Wenig hilfreich in der aktuellen Situation ist auch die Diskussion über die Boni-Ausschüttung des Geldhauses. 2,3 Milliarden Euro sollen an die Mitarbeiter fließen – vor allem an Mitarbeiter im Bereich des Investmentbankings. Das sei nötig, um gute Leute zu halten oder anzulocken. "Man muss sich schon Sorgen machen", konstatiert Klaus Nieding. "Und die symbolische Dividende, die für Aktionäre ausgekehrt wird – sie beträgt nur knapp zehn Prozent der Boni-Zahlungen – ist schon ein harter Tobak."

Den Anleger offenbar immer weniger bereit sind zu schlucken. Vor diesem Hintergrund und der miesen Stimmung von Deutsche-Bank-Anlegern schließlich ist der Börsengang der Fondstochter letztlich doch gelungen: Der erste Preis der Aktien wurde bei 32,55 Euro festgestellt. Immerhin fünf Cent über dem Ausgabepreis der Papiere; während die Aktien der Konzernmutter als Schlusslicht im Dax zeitweise auf bis zu elf Euro abrutschten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.