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DSW-Studie - Managergehälter: Verdienter Verdienst?

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Zu den Gehältern der Firmenvorstände liefern mittlerweile diverse Unternehmensberatungen und Verbände Zahlen - und lösen damit jedes Mal Erstaunen aus. Jetzt legt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ihre Untersuchung für 2016 vor.

Die Gehälter der DAX-Vorstände sind im vergangenen Jahr um ein Prozent gestiegen. Die Gehälter sind damit 50 Mal so hoch wie die eines Durchschnittverdieners. Das zeigte eine Studie der Aktionärs-Schutz-Vereinigung DSW.

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Hier geht es nicht mehr um die Wurst, hier geht es um ein Wurstimperium: Für geschätzte 13,7 Millionen Jahresgehalt kann es für SAP-Chef Bill McDermott nur heißen: Was kostet die Welt? Auch nach Steuern bleibt da ein hübsches Sümmchen übrig. Bei Volkswagen und Daimler sind die Chefs Matthias Müller und Dieter Zetsche mit 9,6 beziehungsweise 7,7 Millionen dabei.

Reinhard Schlieker
Reinhard Schlieker

Oftmals sind die Vergütungssysteme dermaßen kompliziert aufgebaut, dass das genaue Gehalt erst Jahre später ermittelt werden kann. Nämlich erst dann, wenn all die kursabhängigen Bestandteile endgültig feststehen und jeder Bonus gezahlt ist.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unternimmt also die verantwortungsvolle Aufgabe, ihren Mitgliedern, zu eröffnen, was diese den Vorständen bezahlen - die ja genau genommen ihre Top-Angestellten sind. Die vielen in der DSW organisierten Kleinaktionäre haben am Ende aber wenig zu sagen - über die Vergütungen entscheiden große Fondsgesellschaften oder auch Familieneigentümer, die an manchem Konzern die Stimmenmehrheit haben.

Belohnung für einen hohen Aktienkurs

Sehr stark unterscheiden sich die einzelnen Komponenten der Gehälter etwa für DAX-Vorstände: Von geringen veränderlichen Bestandteilen geht es bis hin zu hohen Grundvergütungen ohne besondere Belohnung etwa für einen hohen Aktienkurs. Beide Philosophien haben etwas für sich: Ein starker Anteil fester Vergütung bewirkt, dass die Manager nicht um jeden Preis versuchen, den Kurs des Unternehmens nach oben zu treiben. Im anderen Fall herrscht natürlich mehr Anreiz, gute Zahlen vorzulegen - nur, wie nachhaltig sind die? Oft erkennt man das erst, wenn der Chef längst weitergezogen ist.

Legendär waren einmal die Multimillionenbezüge von Porsche-Chef Wiedeking, die jedoch nur auf Finanztransaktionen und Börsenspekulation basierten. Gelernt hat die Deutsche Bank: Chef John Cryan liegt mit 3,8 Millionen Euro Einkommen im unteren Drittel der Tabelle, und variable Vergütungsbestandteile gibt es nicht. Allerdings fast durchgängig sehr freundliche Pensionszusagen für die Topmanager, das sollte man nicht vergessen.

Debatte um Gerechtigkeitsfrage

Bleibt die Frage: Ist das alles gerecht? Die Parteien und Gewerkschaften arbeiten sich daran ebenso ab wie der Industrieverband BDI. Forderungen nach Deckelung der Gehälter, wie etwa von Seiten der SPD, stoßen sofort auf verfassungsrechtliche Bedenken: Wo will man eine gut begründbare Grenze einziehen? Und geht es den Staat überhaupt etwas an, was die Leute verdienen?

Nebenbei bemerkt wurden schon einige der üppigsten Gehälter dort bezahlt, wo Staat und Gewerkschaften fest verankert sind - man denke mal nur an VW. Pragmatisch sieht es der Chef der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis. Nicht jedes hohe Gehalt deute gleich auf Ungerechtigkeit hin. Und wie etwa soll man mit Rockstars und Fußballern umgehen, die sicherlich teils mehr verdienen als die Konzernlenker? Gerechtigkeitsfragen sind manchmal wie Wespennester - wenn man sie ansticht, kommen die Probleme von allen Seiten angeflogen.

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