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Touristenmagnet - Dubrovnik steckt im Dilemma

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Jedes Jahr kommen rund drei Millionen Touristen ins kroatische Dubrovnik. Auch wenn die Einnahmen lebenswichtig sind: Die Stadt ächzt mittlerweile unter dem gewaltigen Andrang.

"Das ist schrecklich! In dem Dreck", ärgert sich Dubravka und zeigt auf die Gruppe Jugendlicher, die auf der Stradun auf allen Vieren steht: Sie wollen eine menschliche Pyramide bauen für ein besonderes Foto. "Ständig stellen die Touristen hier irgendetwas an", klagt sie. "Neulich sind hier vier Männer splitternackt über den Platz gerannt! Die Polizei hinterher.  Das war verrückt und lustig, aber die Leute waren auch schockiert." Sie schüttelt den Kopf und biegt in eine kleine Seitengasse ein. Dubravka meidet inzwischen die Hauptstraße ihrer Stadt.

Dubrovnik ist stolz - und genervt

Dubravka lebt in Dubrovnik. Ihre Familie lebt hier schon so lange, dass sie sogar den Namen der Stadt trägt. Sie liebt diese Stadt und ihr schmales Haus in einer Gasse an der Stadtmauer, in dem die Familie ihres Mannes schon seit Generationen lebt. Sie lebt auch von den Touristen: Einen Raum vermietet sie als Appartement für 90 Euro die Nacht. Für ihr Haus hat man ihnen schon eine Million Euro geboten, aber: "Wir wollen hier nicht weg!", sagt Dubravka. Und ihr Mann ergänzt: "Ich will hier sterben!"

Abgewetzte Straßenfläche in der Altstadt von Dubrovnik
Das alte Pflaster ist spiegelglatt - abgetreten durch die Sohlen tausender Touristen täglich. Im Winter lässt die Stadtverwaltung die Flächen wieder aufrauen, um Unfälle bei Regen zu vermeiden.
Quelle: ZDF/Britta Hilpert

Man kann es verstehen. Die Stadt ist wunderschön mit ihren mittelalterlichen Bauten und Gassen, den barocken Kirchen, den Buchten und Stränden drum herum. Das Essen ist gut, das Klima warm. Deshalb kommen die vielen Touristen und einige außerdem, weil es einer der Drehorte für die beliebte Serie "Game of Thrones" ist. Dubravka ist stolz, dass jedes Jahr tausende Touristen nach Dubrovnik kommen, um ihre Heimat zu bewundern. Aber inzwischen ist sie auch genervt.

Drei Millionen Besucher im Jahr

1.600 Menschen leben heute noch im Stadtkern. An jedem Sommertag kommt ein Vielfaches an Touristen dazu, manchmal bis zu 10.000. Die UNESCO warnt: Bei dauerhaft mehr als 8.000 Besuchern könnte Dubrovnik seinen Status als Weltkulturerbe verlieren.

Abgewetzte Mauer in Dubrovniks Altstadt
Wer zehn Sekunden an einem Stein dieser Mauer lehnt, dem ist das Glück hold. Der dunkle Fleck zeigt: Abertausende haben es schon getan.
Quelle: ZDF/Britta Hilpert

Doch die stellvertretende Bürgermeisterin Jelka Tepšić möchte die Zahl von rund drei Millionen Besuchern im Jahr nicht reduzieren - nur besser verteilen. "Tourismus ist die Basis unserer Wirtschaft", sagt sie. Und so seien die Staus, die Menschenmassen, der Dreck, der Lärm zwar unangenehm für die Bürger, aber es gäbe hier keine Proteste wie in Barcelona, keine Graffittis, die "Touris raus!" fordern. Sie führt das auch darauf zurück, dass die Stadtverwaltung erste Erfolge erzielt.

Slots für Kreuzfahrt-Passagiere

Sie hat mit den Reisefirmen vereinbart, die Spitzen an den Donnerstagen und Samstagen abzutragen: Kreuzfahrtschiffe sollen vermehrt an anderen Wochentagen kommen. Wenn mehrere Schiffe in Dubrovnik festmachen, dann lassen sie nun ihre Passagiere nicht mehr alle zur gleichen Zeit an Land. Parkverbote in und um die Altstadt sowie ein Bus- und Shuttlesystem sollen außerdem die Belastungen der Straßen mindern.

Doch manches kann die Stadtverwaltung nicht - und manches will sie nicht tun: So würde sie gern die Umwandlung von Wohnraum in Tourismusquartiere bremsen. Das kann aber - rein rechtlich - nur die Zentralregierung in Split veranlassen. Und sie würde nie die Tore schließen, wenn zu viele Touristen kommen. Ein fatales Signal wäre das für eine Stadt, die vom Tourismus lebt. "In Dubrovnik ist jeder willkommen", betont Vize-Bürgermeisterin Tepšić.

Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Dubrovnik
Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Dubrovnik: Jedes von ihnen bringt etwa 2.000 Tagestouristen nach Dubrovnik - die Stadtverwaltung vergibt nun "Slots" wie am Flughafen, damit nicht alle auf einmal in die kleine Altstadt kommen.
Quelle: ZDF/Britta Hilpert

Die Stadt könnte noch mehr tun, meint Dubravka: Immerhin gibt es nun wieder einen Blumenladen und eine Schneiderin in der Altstadt - die Stadt subventioniert ihre Miete, sonst könnten sie die in Konkurrenz mit den Souvenirläden nicht bezahlen. "Aber es fehlt immer noch an Lebensmittelläden", klagt Dubravka, "wir haben gerade noch drei in der Altstadt und die sind oft gerammelt voll mit Touristen, die dort Wasser oder Snacks kaufen." Und oft kaufen die nicht mehr als das. 

"Kommen Sie im Oktober wieder"

Besonders die Tagestouristen stören Dubravka, die wenig Geld in der Stadt lassen, und auch ihr kleines Touristenappartement nicht mieten. "Die laufen hier durch und fahren dann weiter zur nächsten Attraktion - aber was haben sie dann wirklich hier erlebt und gesehen? Nichts!  Das ist doch lieblos!  Alles immer so schnell, schnell, da kann man unsere große kroatische Gastfreundschaft gar nicht erfahren!"

Dubravka wünscht sich einen anderen Tourismus, das wünscht sich die ganze Stadt und das wünschen sich wohl auch viele Touristen. Denn so schön Dubrovnik ist, jeder bemerkt auch, wie voll es im August ist. "Kommen Sie im Oktober wieder, das ist der beste Monat", rät Dubravka - wie viele andere in der Stadt auch. Ein Rat, den sich dann hoffentlich nicht wieder alle Touristen auf einmal zu Herzen nehmen.

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