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Can Dündar im ZDF heute journal - "Erdogan ist jetzt allein, einsam in der Welt"

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Der türkische Journalist Can Dündar hat Präsident Erdogan im ZDF scharf angegriffen. Im heute journal zeigt er sich auch enttäuscht, dass die Bundesregierung nicht kritischer sei.

Can Dündar
Can Dündar
Quelle: dpa

"Ehrlich gesagt hätte ich mutigere Signale erwartet", sagte Dündar im Interview im ZDF heute journal. "Ich habe bei Erdogan nicht festgestellt, dass er Reformen versprochen hätte." Das habe ja Deutschland von ihm erwartet. Doch: "Sogar seine Haltung zu mir hat deutlich gemacht, wie er die Pressefreiheit sieht." Erdogan hatte am Freitag öffentlich gesagt, Dündar gehöre eigentlich in der Türkei in Haft. Er sei wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen zu einer Haftstrafe verurteilt. Merkel, die das Vorgehen der Türkei gegen Dündar und seine Kollegen der Zeitung "Cumhuriyet" verurteilt hat, hielt dagegen.

"Erdogan ist jetzt allein, einsam in der Welt"

Dündar sagte dem ZDF, dass es derzeit eine gute Gelegenheit gebe, Menschenrechte in der Türkei anzumahnen: "Erdogan ist jetzt allein, einsam in der Welt, wegen seiner Politik. Und wirtschaftlich steckt er in großen Schwierigkeiten." Da brauche er Europa und Deutschland. Deutschland sei der größte Handelspartner. Dies sei für Erdogan überlebenswichtig. Gleichzeitig warf Dündar dem türkischen Präsidenten vor, die Türkei in einen Polizeistaat zu verwandeln und das Land autokratisch zu regieren. "Erdogan sagt immer: Eine Flagge, eine Nation, ein Staat - das ist sein Slogan und er hat hinzugefügt, eine einzige Partei in der Türkei und ein einziger Herrscher."

Ursprünglich war Can Dündar für die gemeinsame Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Erdogan akkreditiert, kam dann aber kurzfristig doch nicht. "Aus zwei Gründen: Erstens ich bin dafür, dass Journalisten berichten und nicht Objekt der Berichterstattung werden", so Dündar zum ZDF. Und: "Erdogan hat damit gedroht, die Pressekonferenz abzusagen und er hätte sich vor den Fragen geflüchtet. Das wollte ich nicht. Wichtiger waren die Fragen - nicht wer sie stellt."

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