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Welternährungstag - Somaliland: Kampf ums Überleben

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Früher sind sie als Nomaden durch die Steppe gezogen. Nun hat ihnen die schwere Dürre die Existenz genommen: Die Menschen in Somaliland kämpfen seit Monaten ums Überleben. Das ostafrikanische Land braucht eine Zukunftsstrategie - doch momentan geht es darum, Leben zu retten.

ZDF-Reporter Torge Bode begleitet Hilfslieferungen nach Ostafrika.

Beitragslänge:
4 min
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Von der Hauptstadt Hargeysa in das Dorf Xargaga im Südosten von Somaliland braucht man mit dem Auto zwei Tage. Als wir dort ankommen, bildet sich sofort eine Traube von Menschen. Es sind vor allem Frauen in bunten Gewändern, die uns neugierig anschauen. Es braucht ein paar Minuten, bevor sie ihre Schüchternheit ablegen und uns schließlich anlächeln. Sie bilden einen Halbkreis und heißen uns in ihrer Landessprache Somali willkommen.

Die Begrüßungszeremonie dauert rund zehn Minuten. Dann dürfen wir uns im Dorf umsehen. In einer der zahlreichen Hütten sitzt Xaawa. Neben ihr liegt ihre kleine Tochter und schläft. Saada ist vier Jahre alt und hat hohes Fieber. Essen mag die Kleine auch nicht mehr, ein bisschen Ziegenmilch ist alles, was sie annimmt. "Ich mache mir große Sorgen. Saada ist doch eh schon so dünn, wenn sie jetzt auch noch das Essen verweigert ...  hoffentlich geht das Fieber bald runter", sagt Xaawa.

Existenznot durch Dürre

Die junge Mutter ist vor zehn Monaten in Xargaga angekommen. Ihre Heimat ist rund 50 Kilometer entfernt, dort in der Steppe lebte sie als Nomadin. Mit ihren Ziegen zog sie immer dorthin, wo es noch frisches Gras für die Tiere gab. Doch die Dürre hat alles Grün vernichtet. Vor zehn Monaten ist ihre letzte Ziege verendet. Sie sah keinen Ausweg mehr und machte sich auf den Weg nach Xargaga.

Hier leben mittlerweile rund 2.000 Menschen. Und fast alle teilen das Schicksal von Xaawa. In dem Dorf wird sichergestellt, dass sie wenigstens mit dem Nötigsten versorgt sind: Es gibt eine Wasserstelle - Medikamente und kalorienreiche Spezialnahrung für die Kinder werden einmal im Monat von Hilfsorganisationen angeliefert und verteilt.

Doch es gibt ein Problem, dass keine noch so gut gemeinte Hilfe von außen lösen kann: Zur Lebensweise der Nomaden gehört es, in Bewegung zu bleiben. Immer weiterzuziehen, dorthin, wo das Vieh etwas zu fressen findet. Hier sind sie zum Nichtstun verdammt - und darunter leiden die Menschen. Depressionen werden von Ärzten immer häufiger diagnostiziert.

Vorrat an Wasser begrenzt

Eine Gruppe von Männern führt uns zu dem Ort, der der Grund dafür ist, warum immer mehr Menschen nach Xargaga flüchten. Über einen staubigen Weg geht es hinaus in die Steppe. Hinter einem kleinen Hügel liegt ein Tümpel. Wenn es doch einmal für ein paar Stunden im Monat regnet, sammelt sich das Wasser hier. Es dient zum Trinken, Waschen, Kochen. Doch der Vorrat an Wasser ist begrenzt, erklärt uns Maxamuud: "So wie es aussieht, reicht das hier noch für ungefähr 20 Tage, höchstens 30. Dann wird auch dieser Tümpel ausgetrocknet sein. Wenn das passiert, bleibt uns nichts anderes übrig, als in seiner Nähe nach Wasser zu graben. Manchmal haben wir Glück, und wir finden noch ein paar Liter."

Xaawa, die junge Mutter, wirkt traurig. Natürlich ist sie dankbar. Dafür, dass hier in dem Dorf ihre kleine Tochter versorgt werden kann. Vor allem wenn sie krank ist, wie jetzt gerade. Aber eigentlich möchte sie doch etwas ganz anderes: "Ich wünschte, ich könnte in mein altes Leben zurück, in meine alte Heimat. Aber das geht nicht. Mein Leben, mein Kapital, das waren meine Tiere. Selbst wenn ich woanders hingehen wollte, um neu anzufangen: ich habe doch kein Geld für eine neue Herde."

Versorgung mit dem Nötigsten

Was die Hilfsorganisation in den Dörfern wie Xargaga leisten, ist reine Katastrophenhilfe. Eine Versorgung mit dem Nötigsten, um Leben zu retten. Das ist notwendig, Entwicklungshilfe ist es aber nicht. Hier braucht es eine Strategie, die langfristig für die nächsten Jahrzehnte angelegt ist. Einen Plan, der den Nomaden vermittelt, wie sie und ihre Herden in Krisenzeiten überleben können und wie sie sich auf die dramatischen klimatischen Veränderungen einstellen müssen. Denn die seit mehr als zwei Jahren andauernde Dürre wird nicht die letzte Trockenperiode sein, die die Menschen in Ostafrika überstehen müssen.

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