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ZDF dunja hayali - Integriert und abgeschoben: Trifft es die Falschen?

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Wer wird abgeschoben und wer darf bleiben? Während Terroristen wie Anis Amri trotz Ausreisepflicht im Land bleiben konnten, gibt es auch Menschen wie Bivsi Rana. In Deutschland geboren, die Eltern aus Nepal. 15 Jahre alt, Schülerin in Duisburg, bestens integriert - und doch abgeschoben.

Nach ihrer Abschiebung ist Bivsi Rana mit ihrer Familie wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

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3 min
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Ich treffe Bivsi vor ihrer Schule. Das Duisburger Steinbart-Gymnasium liegt verlassen vor uns, und Bivsi erzählt mir ihre Geschichte. Die Geschichte eines 15-jährigen Mädchens, das quasi über Nacht ihre Heimat verlassen muss.

Den 29. Mai 2017 wird die Schülerin nie vergessen. Mitten aus dem Unterricht wird sie ins Rektorat gerufen. "Ich dachte, ich habe irgendwo eine schlechte Note geschrieben", erzählt sie mir und bricht in Tränen aus. Dort warten Mitarbeiter der Duisburger Ausländerbehörde. Sie teilen ihr mit, dass sie Deutschland verlassen muss - mehr oder weniger sofort. Sie muss nach Hause, mit ihren Eltern die Sachen packen. Dann geht es zum Flughafen. Das Flugzeug, mit dem die Familie abgeschoben wird, landet Stunden später in Katmandu, Nepal - einem Land, das Bivsi bislang nur aus Erzählungen ihrer Eltern und dem Erdkundeunterricht kannte.

Abschiebung war juristisch einwandfrei

In Deutschland werden zwar viele Asyl-Anträge abgelehnt, aber vergleichsweise wenige Menschen abgeschoben. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schätzt die Zahl der ausreisepflichtigen Asylbewerber dieses Jahr auf rund 485.000. Abgeschoben wurden 2016  gerade mal 25.375 Menschen. Politiker fast aller Parteien fordern, schneller und konsequenter abzuschieben.

Bivsis Abschiebung war juristisch einwandfrei. Ihre Eltern kamen vor rund 20 Jahren aus dem damaligen Bürgerkriegsland Nepal nach Deutschland. Ihr Antrag auf Asyl wurde abgelehnt. Später kam heraus, dass die Eltern - wohl aus Angst - auch falsche Angaben gemacht hatten. Bivsi weiß all das. Und doch fragt sie sich: Was hat das alles mit ihr zu tun?

"Meine Heimat ist doch Duisburg", sagt sie und nimmt mich mit zu ihrem Lieblingsort am Duisburger Hafen. Bivsi backt gerne. Doch in Nepal gibt es keine Backöfen, das ist das erste, das sie mir erzählt, als ich sie nach ihren Erfahrungen in Nepal frage. "Ich vermisste tatsächlich das Brot und die Brötchen, die ich von unserem Duisburger Bäcker kenne. In Nepal aber gab es immer nur Reis. Ich wollte selbst backen, aber ich bekam die Zutaten nicht."

Handy als Brücke nach Deutschland

Ihr Handy durfte sie natürlich mitnehmen. Es war ihre Verbindung nach Deutschland, zu ihren Freundinnen. Sie erzählt mir, wie unglaublich schön es für sie war, in Nepal von der großen Unterstützung zu erfahren, die sie von ihrer Klasse aber auch von wildfremden Menschen bekam. Eine Unterstützung, die dazu führte, dass Bivsi und ihre Familie mit einem Visum wieder zurück nach Deutschland konnten. Bivsi wird hier die Schule beenden können. Sie möchte Zahnmedizin studieren. Doch dafür muss sie in drei Jahren einen neuen Visums-Antrag stellen.

Ich frage mich: Werden die Falschen abgeschoben? Und denke dabei an Menschen wie den Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri. Menschen, die es schafften, ihrer Abschiebung zu verhindern und so viel Leid über so viele Familien gebracht haben.

Als ich mich von Bivsi verabschiede, frage ich sie nach dem Freundschaftsband, dass sie ums Armgelenk trägt. "Emma" kann ich lesen. Emma ist Bivsis beste Freundin. Ein Mädchen, das sich wie so viele andere Menschen für Bivsi eingesetzt hat und so dafür gesorgt hat, dass Bivsis Geschichte ein vorerst gutes Ende genommen hat.

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