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Duqm im Oman: Vom Nest zur Metropole

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Chinas neue Seidenstraße - Duqm im Oman: Vom Nest zur Metropole

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Der Oman hat mit der Hafenstadt Duqm einiges vor. Das verschlafene Fischerdorf soll zur Metropole von Wirtschaft und für Tourismus werden. Und China mischt finanziell kräftig mit.

Duqm im Oman
"Duqm ist das größte wirtschaftliche Projekt auf der arabischen Halbinsel und vielleicht auf der ganzen Welt", sagt ein Ingenieur. Bislang ist davon noch wenig zu sehen.
Quelle: ZDF

Wer sich Duqm nähert, sieht erst einmal: Nichts. Die Straße, die durch die Wüste in das Nichts führt, ist neu geteert. Wenn es nicht knapp 40 Grad im Schatten wären, wäre sie ein Paradies zum Rollerbladen oder Fahrrad fahren. Sie glitzert in der Mittagshitze und endet - eine Fata Morgana macht es möglich - anscheinend im Meer. Kaum Verkehr, nur ab und zu ein Pickup mit zwei Kamelen auf der Ladefläche, die ihre Köpfe synchron und scheu in Richtung der überholenden Autos recken.

Vom Nest zur Großstadt

Doch die Nationalstraße 32 endet nicht im Meer, sondern in Duqm, einem Ort mit knapp über 10.000 Einwohnern, ehemals verschlafenes Fischerdorf, 500 Kilometer südlich der omanischen Hauptstadt Muscat am Indischen Ozean gelegen. Es gibt ein paar Shops, Tankstellen und kleine Restaurants, in denen Majboos, Shuwa und Kahwa serviert werden. Und die Fischer leben vom Fang und Verkauf von Barracuda und Thunfisch.

Doch die omanische Regierung hat Großes mit Duqm vor. Sie hat eine Sonderwirtschaftszone eingerichtet mit dem Ziel, ein neues El Dorado für Business und Tourismus zu schaffen. Eine Konkurrenz zu Dschidda und Dubai. "Duqm ist das größte wirtschaftliche Projekt auf der arabischen Halbinsel und vielleicht auf der ganzen Welt", sagt Abdullah Al-Hekmani.

Noch mehr Reißbrett als Realität

Der Ingenieur der Verwaltungsbehörde "SEZAD", die verantwortlich für die wirtschaftlichen Investitionen, Infrastruktur und die urbane Entwicklung in Duqm ist, steht im weißen Gewand vor einem großen Stadtmodell im Empfangsgebäude und zeigt mit einem Laserpointer auf verschiedene geplante Projekte. Der Marker wandert entlang der Modellbauten, entlang von Touristenresort, Fabriken Wohnsiedlungen, Öl-Raffinerien, Schulen und Universitäten. "Auf insgesamt 2.000 Quadratkilometern soll gebaut werden", sagt Abdullah Al-Hekmani, "und wir haben schon einiges erreicht".

Karte: Ad Duqm, Oman
Der Oman liegt am Indischen Ozean und hat damit eine strategisch günstige Lage.
Quelle: ZDF

Der Internationale Flughafen hat bereits eröffnet, das Passagierterminal ging vor wenigen Wochen in Betrieb. Noch gibt es nur eine Flugverbindung mit Oman Air nach Muscat, aber auch das soll sich in Zukunft ändern. Der neue Hafen hat in Teilen eröffnet, das Trockendock zieht bereits pro Jahr 85 Schiffe zur Reparatur an. Ein Luxushotel steht am Meer, von weitem sieht es wie verloren aus in der Wüste.

Großprojekte der Chinesen

"Bislang haben wir ein Netz an Straßen gebaut, Unterkünfte für die Arbeiter geschaffen und die Energieversorgung sichergestellt", sagt Al-Hekmani. Zwar könne er nicht sagen, wann all diese Projekte, die so schön auf der Schautafel anzusehen sind, fertiggestellt werden. "Aber wir sehen ein riesiges Interesse an unserer Sonderwirtschaftszone." Der Masterplan von 2011 sieht für Duqm bereits 100.000 Einwohner im kommenden Jahr vor. Ist das noch zu schaffen? "Inshallah", sagt Al-Hekmani - "so Gott will".

Die neue Großstadt aus dem Boden zu stampfen ist eine Mammutaufgabe. Und Chinesen mischen dabei kräftig mit. Oman Wanfang, ein Konsortium chinesischer Firmen, plant auf einem Areal von 1.177 Hektar insgesamt zehn Projekte, darunter Lagerhäuser, Kohlekraftwerk, Fünf-Sterne-Hotels, eine Firma zur Herstellung von Solarmodulen, eine Montageanlage für Autos und ein Werk, das Röhren für die Petrochemie herstellt. Insgesamt elf Milliarden Euro will das Konsortium investieren. Das Projekt ist Teil der sogenannten "Belt and Road Initiative" von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Mit dieser "Neuen Seidenstraße" will China seine politische Macht und seinen wirtschaftlichen Einfluss im internationalen Handel ausbauen.

Die Vorarbeiten sind gemacht

Doch bislang ist vom chinesischen Investment in Duqm kaum etwas zu sehen. Li Sai, Marketingchef von Oman Wanfang, steht in der Wüste und guckt auf einen schwarzen Granitstein mit der Aufschrift "China Oman (Duqm) Industrial Park". Herr Li wirkt etwas verloren in der Einöde, unter seinen Füßen lediglich Geröll und Sand. "Hätte ich gewusst, dass wir heute Besuch bekommen, hätte ich noch schnell die Fahnen gehisst", sagt er.

Im Hintergrund heben Baggerfahrer Baugruben aus und stehen Container, in denen die Vorarbeiter aus China sich ein Zweibettzimmer teilen und die Arbeiter aus Bangladesch und Pakistan Sechserkabinen. Auch Hu Zhong Jian hat dort sein Zimmer. Er ist einer der Investoren und kommt ebenso wie das Konsortium aus der Region Ningxia Hui, die einen hohen muslimischen Bevölkerungsanteil hat. Er spricht fließend Arabisch, schließt einen Container auf und verteilt Bauhelme an die Arbeiter, die dann mit ihren chinesischen Vorarbeitern in Reih und Glied zur Baustelle marschieren.

Duqm für China strategisch wichtig

Der Anfang ist schwierig, aber in ein bis zwei Jahren sieht das hier schon ganz anders aus.
Investor Hu Zhong Jian

"Der Anfang ist schwierig", sagt er, "aber in ein bis zwei Jahren sieht das hier schon ganz anders aus." Duqm sei wichtig für China und strategisch günstig gelegen. "Wie Sie wissen, fördert unsere Regierung chinesische Firmen, im Zuge der 'Belt and Road Initiative' im Ausland zu investieren. Wir folgen damit der historischen Seidenstraße", sagt er.

Der Handel mit China hat in der Tat eine lange Tradition im Oman, er reicht zurück bis zur Geburt von Jesus Christus. Ausgangspunkte der historischen Handelsroute mit China waren Suhar im Norden und Salala im Süden des Oman. Und nun soll nach dem Willen der omanischen Regierung Duqm in der Mitte des Landes diese Tradition fortsetzen.

China: Keine Kolonialisierung

Der Investor ist sichtbar stolz, Teil der Neuen Seidenstraße zu sein. Er unterstütze die chinesische Politik, sagt er und lächelt. Ist denn die "Belt and Road Initiative" eher gut für China oder für die Welt? "Speziell für die Länder, die an der Neuen Seidenstraße liegen", antwortet er. "Wir schaffen neue Jobs und die Beziehungen zwischen den Ländern verbessern sich." Dann verabschiedet er sich, er müsse zum Freitagsgebet in die Al-Zawawi-Moschee, das gebe ihm ein bisschen Abwechslung von der Einsamkeit im Container-Wohnquartier.

500 Kilometer nördlich, in einer schmucklosen Wohnung in einer Seitenstraße in Muskat, sitzt Liao ZhenHua an einem großen Arbeitstisch. Der Vize-Chef von Oman Wanfang hat sich sein Büro im Erdgeschoss eingerichtet. Er trägt Streifenhemd, Sakko und Brille und ist freundlich. Welches Ziel will China mit der Neuen Seidenstraße erreichen? Den oft geäußerten Vorwurf der Kolonialisierung weise er von sich, sagt Liao ZhanHua. Der Westen müsse sich nicht fürchten, er wisse überhaupt nicht, woher diese Angst rührt. "Wir handeln hier mit lokalen Partnern und wir entwickeln unsere Projekte gemeinsam." Zwar gefalle es ihm im Oman, sagt er, ewig bleiben wolle er aber nicht. Er sei vor kurzem Vater geworden, da müsse er bald wieder nach Hause.

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