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Trockenheit in Andalusien - Durstiges Bio-Gemüse lässt Almeria austrocknen

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31.000 Hektar Treibhauskulturen unter 300 Quadratkilometern Plastik: Die Gewächshäuser rund um Almeria versorgen Europa mit Bio-Gemüse. Doch in der Region wird das Wasser knapp.

Mehr als 31.000 Hektar Treibhauskulturen unter über 300 Quadratkilometern Plastik. Das ist das "Mar de Plastico", die Region um Almeria, etwa so groß wie die Fläche der Stadt München. Das weltgrößte Plastikmeer landwirtschaftlicher Intensivkulturen liefert seit gut 50 Jahren zuverlässig und zu jeder Jahreszeit Paprika, Tomaten, Gurken, oder auch Erdbeeren, Melonen oder Avocados. Beliefert werden hungrige Supermärkte, besonders im Norden Europas. Drei Millionen Tonnen Gemüse und Obst sind das mittlerweile jährlich, in einem Gesamtwert von gut zwei Milliarden Euro.

Inzwischen 90 Prozent Bio-Anbau

Jahrzehntelang galt die Intensivwirtschaft im "Gemüsegarten Europas" als Sinnbild ungehemmten Einsatzes von Pestiziden und Dünger und besonders verschwenderischen Verbrauchs von Wassers. In einer Region, die zu den trockensten Gegenden Europas zählt.

Massiver, teilweise sogar illegaler Pestizideinsatz und unbekümmerte Verwendung von Dünger – diese Zeiten sind in Almeria weitgehend vorbei. Stetes Anprangern von Umweltschutzorganisationen und die Berichterstattung der Medien über die Zustände unter den Plastikplanen und schließlich auch die EHEC-Epidemie von 2011, bei der fälschlicherweise Gurken aus der Region als Ursache der teilweise tödliche verlaufenden Darmerkrankung ausgemacht wurden, veränderte die Anbaumethoden rund um Almeria. Nach und nach stellten die Gemüse- und Obstproduzenten auf Bio um. Mit dem Ergebnis, dass mittlerweile im "Mar de Plastico" zu fast 90 Prozent biologisch produziert wird. Das Wasserproblem aber, hat sich eher verschärft.

Grundwasservorräte erschöpft

Denn der Bio-Hunger, besonders auch hierzulande, ist weiterhin ungestillt. Innerhalb der letzten zehn Jahre verdoppelte sich der Umsatz mit Bio-Lebensmittel in Deutschland; die hiesige Anbaufläche aber nahm gerade mal knapp über die Hälfte zu. Die Lücke wird aus dem Ausland bedient – gerne auch aus der Region um Almeria.

Dort aber sind die einst sprudelnden Grundwasservorräte quasi erschöpft, obwohl viele Bauern der Region schon seit geraumer Zeit auf ressourcenschonende Tröpfchen-Bewässerung umgestellt haben. Aber der Zuwachs an Plastik-Treibhäusern rund um Almeria – Resultat auch der steigender Bio-Nachfrage aus Deutschland – verbraucht mehr Wasser, als durch moderne Technik eingespart werden konnte.

Dazu kommt eine schon über mehrere Jahre andauernde Dürre in der Provinz Andalusien, die das Wasserproblem mittlerweile dramatisch verschlimmert. Berechnungen für das Jahr 2018 gehen von einem Wasserdefizit für die Region Almeria von fast 200 Kubikhektometern aus – das sind 200 Milliarden Liter.

Entsalztes Meerwasser wäre eine Lösung

Dabei gäbe es eigentlich genug Wasser: Meerwasser, das entsalzt wurde. Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Almeria feststellt, könnte entsalztes Wasser aufgrund gleichbleibender Qualität sogar dazu beitragen, die Qualität von Feldfrüchten zu verbessern. Und nahe Almeria stehen sogar zwei solche Anlagen. Allein, umfassend genutzt werden sie nicht. Denn Entsalzung ist ein Energiefresser und macht das Wasser teuer. 53 Eurocent kosten 1.000 Liter entsalztes Wasser; das traditionell von der Regierung subventionierte Grundwasser hingegen nur etwa 9 Eurocent für die gleiche Menge.

Doch trotz massiver Übernutzung der Grundwasserquellen rühren Landes- und Regionalregierung offensichtlich nicht an den Billigpreisen für die traditionellen Wasserquellen. Zu sehr war Almeria bislang einer der wichtigsten Arbeitgeber einer Region, die mit 32 Prozent die höchste Arbeitslosigkeit der EU aufweist.

Subventionen auf entsalztes Meerwasser, so wie sie jetzt die Studie der Universität Almeria vorschlägt, gibt es noch nicht. Bei 30 Eurocent, so die Wissenschaftler, könnte entsalztes Meerwasser aufgrund der dann höheren Qualität der Pflanzen, konkurrenzfähig werden. Oder die Bio-Verbraucher – auch hierzulande – wären bereit, für ihr Obst und Gemüse aus Almeria einfach ein wenig mehr zu bezahlen.

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