Sie sind hier:

Erinnerung an Bandenkrieg 2017 - Dutzende Tote in Brasiliens Gefängnissen

Datum:

Neue Gewalt in brasilianischen Gefängnissen: Binnen weniger Tage wurden 55 getötete Insassen gefunden. Hintergrund sollen Bandenkriege sein, die Regierung hält sich bedeckt.

Womöglich ist ein Bandenkrieg der Grund dafür, dass seit dem Wochenende in mehreren Gefängnissen im nordbrasilianischen Manaus inzwischen 55 Menschen getötet wurden. Allein 40 Leichen wurden laut Behörden am Montag entdeckt - demnach wiesen alle Erstickungsmerkmale auf. Am Sonntag waren bei Kämpfen in der Haftanstalt Compaj in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, 15 Insassen getötet worden.

Brasiliens Regierung schickt Spezialkräfte

Die Taten sollen alle innerhalb der Zellen stattgefunden haben. Viele Opfer seien mit Handtüchern erstickt worden, hieß es. Andere sollen mit Zahnbürsten erstochen worden sein. Nach Angaben der Gefängnisbehörde von Amazonas wurden auch einige erwürgt. Es habe aber keine Rebellion gegeben, betonte die Regionalregierung.

Häftlinge sterben in Brasilien bei Gang-Konflikt
Angehörige von Inhaftierten stehen vor einem der betroffenen Gefängnisse und warten auf Nachrichten.
Quelle: Reuters

Die brasilianische Regierung schickte Spezialkräfte, die die Sicherheit in den Haftanstalten verstärken sollen. Binnen einer Stunde hätten diese laut Behörden die Lage wieder unter Kontrolle bringen können. Angehörige von Häftlingen hatten während der Unruhen über Schüsse auf Insassen berichtet. Diese seien von Polizeihubschraubern aus in die Zellen abgefeuert worden - die Behörden sprachen hingegen von Warnschüssen.

Erinnerung an Bandenkrieg vor zwei Jahren

Angeblich sollen rivalisierende Drogenbanden hinter der jüngsten Gewalt stecken - die brasilianischen Behörden haben das bislang jedoch nicht offiziell mitgeteilt.

Allerdings wecken die Todesfälle in den Gefängnissen von Manaus Erinnerungen an 2017, als mehr als 120 Häftlinge von Mitinsassen in Staaten im Norden Brasiliens teils brutal getötet wurden. Im Haftkomplex Anisio Jobim in Manaus - dem Schauplatz der Gewalt vom Sonntag - gab es damals 56 Tote.

Karte: Brasilien - Manaus - Brasilia - Rio de Janeiro
Quelle: ZDF

Zu den Taten war es bei wochenlangen Gewaltexzessen zwischen rivalisierenden Banden in der Region gekommen, die von Gefängnissen aus ihre Machenschaften weiterbetrieben. In der Folge verstärkten die Behörden die Bemühungen, inhaftierte Mitglieder verfeindeter Gangs voneinander fernzuhalten und Insassen häufig zu verlegen.

Viele Gefängnisse unter Kontrolle von Banden

Kriminelle Gangs haben viele brasilianische Gefängnisse unter ihrer Kontrolle, Konflikte breiten sich oft schnell aus. Der Einflussbereich der Banden geht auch häufig über die Haftanstalten hinaus. Erst im Januar musste Justizminister Sergio Moro eine Sondereinheit in den Staat Ceará im Nordosten schicken, um die Gewalt dort einzudämmen. Für die Unruhen machten lokale Behörden damals Anführer von Banden verantwortlich, die über schärfere Kontrollen in den Gefängnissen des Staates aufgebracht gewesen seien.

Nach den Vorfällen in Manaus muss das zuständige Ministerium nun erneut aktiv werden. "Ich habe gerade mit Minister Sérgio Moro gesprochen, der schon ein Interventionsteam in den Staat Amazonas schickt", teilte der Gouverneur des Staates, Wilson Lima, mit. "So kann er uns in diesem Moment der Krise und bei einem nationalen Problem helfen: dem Problem mit den Gefängnissen."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.