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Deutsche-Bank-Tochter - DWS geht an die Börse

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Vor einem Jahr hat die Deutsche Bank angekündigt, dass sie ihre Fondstochter DWS an die Börse bringen will. Heute ist es soweit. Was bringt das der Deutschen Bank und was der DWS?

Archiv: DWS in Frankfurt
DWS in Frankfurt (Archivbild) Quelle: reuters

Die Deutsche Bank trennt sich nicht vollständig von ihrer Tochter, sie bringt nur bis zu 25 Prozent der Aktien an den Markt. Außerdem haben die Banken, die die Emission begleiten, die Preisspanne für die Aktien auf 32 bis 33 Euro eingegrenzt. Sie sind nun zu einem Ausgabekurs von 32,50 Euro an den Markt gekommen und starteten knapp über Ausgabepreis in ihren ersten Handelstag. Der Deutschen Bank fließen damit rund 1,4 Milliarden Euro zu. Die Marktkapitalisierung, der Marktwert der DWS, liegt somit bei insgesamt 6,5 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte die Bank die Anteilsscheine zu einem Preis zwischen 30 und 36 Euro verkaufen wollen. Interne Berechnungen hatten für die Tochter einen Marktwert von acht Milliarden Euro ermittelt. Die neue Bescheidenheit dürfte damit zusammenhängen, dass man der DWS einen guten Marktstart ermöglichen wollte, damit der Kurs nicht in den ersten Börsentagen deutlich einbricht.

Deutsche Bank rechnet offenbar mit sinkenden Kursen

Ein allzu großes Risiko ist die Deutsche Bank ohnehin nicht eingegangen. Denn ein Drittel der Emission hatte sie schon vor dem Börsengang untergebracht. Fünf Prozent übernimmt der japanische Lebensversicherer Nippon Life, drei bis vier Prozent die französische Investmentfirma Tikehau. Das gab größere Sicherheit, denn die heftigen Schwankungen an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen dürften auch die Deutsche Bank ins Grübeln gebracht haben.

"Dass sie den Börsengang trotzdem jetzt durchzieht, deutet darauf hin, dass die Bank offenbar mit sinkenden Kursen in den nächsten Wochen oder Monaten rechnet", mutmaßt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. Zumindest erwarten auch Börsenbeobachter weiter unruhige Märkte wegen der zahlreichen geo- und handelspolitischen Unsicherheiten weltweit. Immerhin sichert die Bank sich jetzt einen Buchgewinn von etwa 200 Millionen Euro für das erste Quartal.

Mehr Eigenständigkeit für DWS

Die Kapitalzufuhr durch den Börsengang hätte das Institut jedoch nicht mehr unbedingt benötigt. "Von der Kapitalseite ist die Bank inzwischen gut aufgestellt", sagt Philipp Häßler, Analyst der Equinet-Bank. Denn nachdem sie die größten Brocken ihrer Rechtsstreitigkeiten inzwischen beigelegt hat, steht sie von der Kapitalausstattung wieder recht solide da. Vor allem die Androhung einer hohen Strafe von 14 Milliarden Dollar im Herbst 2016 hatte das Geldhaus an den Kapitalmärkten ins Schlingern gebracht. Die Summe drohte sie finanziell zu überfordern. Die Investoren begannen, das Vertrauen in das Geldhaus zu verlieren.

Die Mitarbeiter der Fondstochter dürften jedoch erleichtert sein, etwas mehr Eigenständigkeit zu erhalten. Denn sie hatten unter dem schlechten Ruf der Bank gelitten, Kunden wanderten ab, die strategischen Freiheiten der DWS wurden durch die Mutter beschnitten. Das führte auch dazu, dass wichtige Mitarbeiter das Haus verließen. Einer der bekanntesten war etwa Fondsmanager Henning Gebhardt, der zur Berenberg-Bank wechselte. Für die Mitarbeiter auch positiv: Die DWS unterliegt nun den nicht so engen Vorgaben zur Vergütung von Fondsanbietern und nicht mehr den für Banken. Die Gesellschaft könnte Aktienoptionen an ihre eigenen Mitarbeiter ausgeben.

DWS-Chef will Zukauf-Optionen offenhalten

DWS-Chef Nicolas Moreau erhofft sich zudem größere "operative Flexibilität": Zwar will die Fondsgesellschaft vorrangig aus eigener Kraft wachsen, aber man könne nun auch außerhalb Europas, etwa in Asien zukaufen. Analyst Häßler erinnert an das Beispiel Amundi: Die Tochter der französischen Bank Crédit Agricole ist seit Herbst 2015 an der Börse notiert und ist seither kräftig gewachsen. Mit 1,4 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen ist sie die Nummer Eins in Europa und doppelt so groß wie die DWS, die noch auf Rang fünf liegt. Allerdings ist die Deutsche-Bank-Tochter in Deutschland Marktführer mit einem Marktanteil von etwa einem Viertel bei den Publikumsfonds.

Insgesamt könnte sich die DWS etwas freier und unabhängiger vom Mutterhaus entwickeln, wenn auch die Deutsche Bank letztlich mit ihrem Anteil von 75 Prozent noch das Sagen hat. Auch die Investoren mögen Abspaltungen, weil sie dann deren eigenen Wert besser bemessen können.

Die Deutsche Bank trenne sich also in Teilen von einer ihrer "Kronjuwelen", sagt Analyst Häßler. Die Sparte, die einige Jahre als "Deutsche Asset Management" firmierte, hat zum Börsengang ihren alten Namen "DWS" wieder angenommen. Im vergangenen Jahr hat sie 725 Millionen Euro zum Ergebnis der Deutschen Bank beigesteuert. Das war mehr als die Hälfte des Vorsteuergewinns der gesamten Bank von 1,3 Milliarden Euro. Damit ist sie aktuell deren ertragreichste Sparte, denn das Investmentbank-Geschäft und auch das Privat- und Firmenkundengeschäft der Bank schwächeln.

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