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E-Autos im Winter - Wenn der Akku schlapp macht

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Ein Drittel weniger Reichweite, ein teures Auto, das bei Kälte kaum alltagstauglich ist: Kritiker finden gerade im Winter genug Gründe, das Elektroauto tot zu reden.

Schneebedecktes Elektro-Auto wird geladen
Elektroautos im Kampf mit Minus-Temperaturen Quelle: imago

Es ist weniger eine Frage von Elektro- oder Verbrennungsmotor - es ist eine Frage der Physik. Und der Physik ist es völlig egal, was die Räder eines Autos antreibt. Kurz gesagt: Ist es warm geht es leicht, ist es kalt geht es schwer. Verbrennungsmotoren nutzen im Idealfall 40 Prozent der erzeugten Energie um das Auto fortzubewegen. Die übrigen 60 Prozent gehen als Reibungsverluste und Wärme verloren - es sei denn, man möchte das Auto heizen, dann kann diese Abwärme natürlich wunderbar genutzt werden.

Der erste Tesla hatte überhaupt keine Heizung

Der Tesla Roadster, Pionier des Serien-produzierten Elektroautos, hatte 2008 noch gar keine Heizung. Statt "wärmer" und "kälter" boten die Regler lediglich die Wahl zwischen "kalt" und "sehr kalt". Dem verwunderten Mitteleuropäer antworteten Vertreter von Tesla: "Wir haben das Auto in Kalifornien entwickelt - da braucht man keine Heizung nur eine Klimaanlage."

Inzwischen haben Teslas natürlich Heizungen, das Model S und Model X sind konkurrenzfähige Luxuslimousinen für den Alltagsgebrauch solventer Kunden. Die berichten von sehr schnellen Heizphasen, schneller als in normalen Autos. E-Autos heizen bei Bedarf eben nicht nur den Innenraum, sondern - wenn nötig - auch den Akku. Ist der kalt, gehen nämlich Kilometer verloren. Es ist wieder einfache Physik: Nicht nur bewegliche Teile, wie Räder oder die Servolenkung, bewegen sich in der Kälte unter erschwerten Bedingungen, auch der Strom fließt in den Akkus - stark vereinfacht gesagt - schlechter. Wer sein Smartphone über Nacht ins Eisfach legt, kann den Kälte-Effekt im Akku leicht nachvollziehen. Da Elektromotoren keine überschüssige Abwärme produzieren wie Verbrennungsmotoren, müssen Elektroautos im Winter zusätzlich Energie aufwenden, um den Akku und den Innenraum zu heizen. Diese Energie fehlt dann in der Reichweite.

Diesel ohne Abgasreinigung

Der Winter fordert auch von Verbrennungsmotoren seinen Tribut. Kühle Temperaturen sorgen im Motor für zähflüssigere Öle, nichts dreht sich da noch so leicht wie im Sommer. Der Dieselmotor und vor allem seine Abgasreinigungssysteme leiden richtig, drohen sogar kaputt zu gehen. Mit diesem Argument erwirken Hersteller beim Kraftfahrtbundesamt Ausnahmeregelungen. Sind die abgenickt, darf die Abgasreinigung abgeschaltet werden, ganz legal, um Motor und Abgasstrang zu schonen. Das heißt: Sinken die Temperaturen, werden die Abgasanlagen, die die Stickstoffdioxide einfangen sollen, abgeschaltet. Die Schadstoffe gehen dann ungefiltert in die Luft, der Dieselfahrer merkt davon nichts.

Was er schon eher merkt, ist, dass sein Auto im Winter irgendwie mehr Sprit braucht. Denn gerade bei Kurzstrecken, bei denen der Motor nicht die ideale Betriebstemperatur erreicht, gilt beim Verbrenner wie beim Elektroauto: Ist es kalt, braucht es mehr Energie und fährt nicht so weit. Einen echten Vorteil haben Elektrofahrer, die ihr Auto zuhause oder beim Arbeitgeber laden können. Dann wird über die Steckdose nicht nur der Akku geladen, sondern auch das Auto geheizt. Viele Hersteller bieten Apps an, bei denen man die gewünschte Temperatur zur gewünschten Abfahrtszeit vorgeben kann.

Immer diese Reichweite

Das kennen Autofahrer mit Benzin oder Diesel auch, wenn Sie moderne Standheizungen haben. Nur braucht diese dann auch Sprit um das Auto vorzuheizen und der fehlt dann wo? Genau, bei der Reichweite.

Die inzwischen schon international bekannte "German Reichweitenangst" ist aber - mal ganz realistisch betrachtet - meist unbegründet. Der durchschnittliche Autofahrer fährt im Alltag schlicht nicht weit genug, um aktuell kaufbare Elektromodelle an die Leistungsgrenze ihres Akkus zu bringen. Wenn man entweder am Arbeitsplatz oder zu Hause eine ganz normale Steckdose hat, reicht auch die reduzierte Winterreichweite locker aus um die meisten Strecken zurückzulegen - warm, elektrisch und lokal emissionsfrei.

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