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ZDFcheck19 - Klimakiller Elektroautos?

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Wie klimafreundlich sind Elektroautos? Zwei aktuelle Studien kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen. Warum ist das so? Und wer hat Recht?

Straßenszene in Berlin im Berufsverkehr
Straßenszene auf der Bismarckstrasse während des morgendlichen Berufsverkehrs.
Quelle: imago

Elektroautos sind besser fürs Klima als Autos mit Verbrennungsmotoren - das ist das Fazit einer ausführlichen Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) im Auftrag der Initiative Agora Verkehrswende. Das Gegenteil behaupten die Autoren einer Studie des ifo-Instituts: der CO2-Ausstoß eines Elektroautos liege über dem eines Diesels. Wie kommt es zu diesen gegensätzlichen Ergebnissen?

Die Berechnung einer umfassenden Klimabilanz von E-Autos ist ziemlich kompliziert. Denn viele verschiedene Aspekte müssen dabei berücksichtigt werden: Wird nur die Klimabilanz eines einzelnen Modells oder einen ganzen Fahrzeugklasse untersucht? Welche Daten über die Batterien liegen den Berechnungen zu Grunde? Werden alle Lebensphasen, von der Produktion über den eigentlichen Betrieb bis hin zum Recycling beachtet? Und mit welchem Strommix wird gerechnet? Zwar gehen beide Studien hinsichtlich vieler Parameter von ähnlichen Vorgaben aus. So wird in beiden Studien die Klimakosten der Auto- und Batterieproduktion mit einberechnet. In einem zentralen Punkt unterscheiden sich die beiden Studien aber.

Einzelne Modelle vs. Fahrzeugklassen

Die Autoren der ifo-Studie vergleichen zwei spezifische Modelle miteinander: den Mercedes C 220 d und den Tesla Model 3. Einen Benziner ziehen die Autoren nicht in ihren Vergleich mit ein. Und hier liegt der erste Kritikpunkt: ein umfassender Vergleich der Klimabilanzen verschiedener Antriebe sollten Benziner, die bei weitem häufigste Antriebsart in Deutschland, eigentlich mit einschließen.

Den Vergleich Mercedes contra Tesla entscheidet der Mercedes für sich: in den Berechnungen der Autoren stößt der Diesel 141 Gramm CO2 pro Kilometer aus, der Tesla hingegen 156-181 Gramm. "Damit verursacht dieser Elektromotor im günstigen Fall elf Prozent mehr Emissionen als der betrachtete Dieselmotor (141 Gramm), im ungünstigen Fall liegt der Ausstoß jedoch um mehr als ein Viertel (28 Prozent) darüber", schlussfolgern die Autoren. Die Spannbreite ergibt sich daraus, dass es keine eindeutigen Daten zur Klimabilanz von E-Auto-Batterien gibt. Es gibt verschiedene Berechnungen, die von 39 bis 275 Kilogramm CO2 pro Kilowattstunde reichen. Eine große Bandbreite also. Die Autoren gehen in ihren Berechnungen von 145 bis 195 Kilogramm CO2 aus.

Die Autoren der ifeu-Studie gehen bei ihrer Berechnung anders vor. Da der Energieverbrauch von Elektroautos selbst in der gleichen Fahrzeugklasse sehr unterschiedlich sein kann, errechnen sie einen sogenannten Basisfall. Anhand dieses Basisfalls lassen sich verschiedene Szenarien und Antriebsarten vergleichen. Ihr Ergebnis: "In allen untersuchten Fällen hat das Elektroauto einen Klimavorteil gegenüber den Verbrennern." Voraussetzung: Um klimafreundlicher als ein Benziner zu sein, muss das Elektroauto mindestens 60.000 Kilometer fahren. Um besser als der Diesel zu sein, muss die Fahrleistung bei mindestens 80.000 Kilometern liegen. Legt ein Elektroauto in seinem Leben weniger Kilometer zurück, ist die Klimabilanz schlechter.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung kommt zu einem ähnlichen Schluss: bei langer Nutzungsdauer sind Elektroautos klimafreundlicher.

Unterschiedliche Zukunftsszenarien

Der Streit um die Elektromobilität ist auch ein Streit um Prognosen und Szenarien. Denn während die ifo-Leute warnen, sehen die ifeu-Autoren Chancen: die Pessimisten fürchten, dass Elektroautos zu einem erhöhten Strombedarf führen werden, der nur durch mehr klimaschädliche Energiegewinnung gedeckt werden kann. Die Optimisten sehen in der Elektromobilität hingegen eine Chance, den Ausbau von Windkraft und Solarenergie weiter zu fördern. Auch lassen Steigerung der Effizienz von Batterien hoffen: je mehr in diesem Bereich investiert wird, desto schneller könnte sich auch die Klimabilanz von E-Autos verbessern.

Welche Szenarien Realität werden, hängt letztlich davon, welche politischen Entscheidungen in den nächsten Monaten und Jahren getroffen werden.

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