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eSports-Akadmie in Singapur - Die Kaderschmiede der künftigen Sport-Stars

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Sie hocken jeden Tag für Stunden vor dem Computer und spielen. Nerds trainieren da aber nicht in Singapurs eSport-Akademie, sondern Sportler der Zukunft.

Besprechung bei der eSports Akademie
Besprechung bei der eSports Akademie
Quelle: ZDF

Seine Augen starren auf den Bildschirm. Schnell und geschickt navigiert er seine Spielfigur durch das "Vainglory"-Game. Seine Finger kleben dabei auf dem Display seines Tablets, die Suche seines Alter ego nach dem Schatz spiegelt sich in den Gläsern seiner Brille. Amos Ker ist Gamer mit Leib und Seele. Dabei bedient der 17-jährige Schüler aus Singapur fast keine Klischees. Er ist weder dick noch pickelig, noch ernährt er sich täglich von Pizza. Ein Nerd sieht anders aus. In seinem blau-weißen Trikot, das mit der Nationalflagge seines Heimatlandes verziert ist, wirkt der schmächtige, für einen Asiaten hochgewachsene Teenager eher wie ein junger Fußballer. Amos Ker hat ein großes Ziel: Er will Weltmeister werden.

"Quartervois" hat große Ziele

Amos Ker
Amos Ker hochkonzentriert beim Zocken
Quelle: ZDF

Der Gamer sitzt mit seinen drei Teamkollegen im 13. Stock der Nationalbibliothek. Draußen herrschen tropische 31 Grad, drinnen fröstelt man. Im stark klimatisierten Raum 1301 hat die eSports-Akademie ihren Sitz. Der Blick aus den Fenstern geht hinüber auf Singapurs imposante Skyline. Abends steht ein wichtiges Turnier für Amos an. "Dafür ist meine volle Konzentration gefordert." Mit seinem Team "Impunity" hat er vergangenes Jahr den vierten Platz bei der WM in Singapur belegt. Sein bis dato größter Erfolg. Doch Amos Ker will mehr.

Der 17-Jährige ist im eSport-Business ein alter Hase. Fans kennen Amos besser unter seinem Spielernamen "Quartervois". Für seinen WM-Traum trainiert Amos mehrere Stunden täglich. Doch das Klischee von durchzockten Nächten mit Augenringen vor flimmernden Bildschirmen gilt für ihn nicht. "Zu wenig Schlaf verkürzt die Reaktionszeit“" sagt er lapidar. Zudem müsse er leider auch noch an die Schule denken. Aber, und dabei guckt er treuherzig seinem Gegenüber in die Augen, seine Schulnoten seien mehr als okay.

Die 5,5 Millionen Einwohner Singapurs sind in Computerspiele geradezu vernarrt. Es heißt, dass fast die Hälfte der Bevölkerung spielt. Selbst in Bus und Bahn daddeln Omas und Opas auf ihren Smartphones „Candy Crush“. Aus dieser Spieleuphorie resultiert nun die erste eSports-Akademie Singapurs, die vor knapp einem Jahr eröffnet hat.

Spitzen-e-Sportler werden gehegt und gepflegt

Der futuristische Glasbau in der Nähe des berühmten Raffles-Hotels ist bislang nur als Nationalbibliothek bekannt. Doch seitdem Amos Ker und andere Spitzen-eSportler dort ein- und ausgehen, hat das öffentliche Interesse zugenommen. In der Akademie kümmern sich Psychologen und Ernährungsberater um die Gamer. "Wenn es bei Turnieren um mehrere Millionen Dollar geht, spielen die Faktoren Präzision, Kontrolle und Erfahrung eine wichtige Rolle", sagt Dennis Ooi, Pressesprecher der Akademie. Das Kursspektrum reiche von Spielstrategie über Livestreaming bis hin zu Workshops zum Kommentieren von Spielen. Allerdings ginge es der Akademie nicht nur darum, professionelle Spieler auszubilden, sagt er. "Das Glück, sein Hobby zum Beruf zu machen,  haben nur wenige."

Deshalb fokussiert sich die eSports-Akademie darauf, ihren Spielern andere Perspektiven im elektronischen Sport aufzuzeigen. Dazu zählen der Entertainment-Bereich, die Gameentwicklung oder das Organisieren von Turnieren. Der Stundenplan der zum Teil wochenlangen Kurse wird individuell auf die Fähigkeiten der Schüler angepasst - ob sie Fortgeschrittene oder Anfänger sind, auf welches Spiel sie sich konzentrieren. "Wenn du Anwalt werden willst, weißt du, wo du diese Ausbildung bekommst", sagt Dennis Ooi. "Wir bieten diese Anlaufstelle für Gamer." So hätten Teams, die noch keine Sponsoren haben, bei ihnen die Möglichkeit zu trainieren.

Deutschland bemerkt den Trend

Dennoch: Dem eSport haft noch immer ein zweifelhaftes Image an: Das sei gar kein richtiger Sport, sondern vielmehr nur ein Kinderspiel. Computer spielen halt, mit Betonung aus "spielen". An der Akademie tropft das ab - immerhin sei man als Medaillensportart bei den Asian Games ab dem Jahr 2022 anerkannt, bekäme der eSport bereits die große, internationale Bühne. Spieler Amos Ker sieht es aus praktischer Sicht so: "Im Sport geht es um Reaktionszeit, Fähigkeiten und Übung. Und das ist auch alles wichtig im eSport. Bei uns sind Reaktionszeit und schnelles Denken sogar noch wichtiger."

Auch in Deutschland nimmt der professionelle eSport Konturen an. Einige Fußball-Bundesligisten wie Schalke 04, VfL Wolfsburg, 1. FC Köln, RB Leipzig, Bayer Leverkusen und VfB Stuttgart haben den elektronischen Sport bereits für sich entdeckt. Die Vereine holten sich eSpieler ins Haus, um beim Fußball-Computerspiel "FIFA 18" digital an der Spitze im Fußball mitzumischen. Hertha BSC hat als erster Profiverein sogar Ende des vergangenen Jahres eine eigene Akademie gegründet. Die Berliner wollen sich selbst um ihren Nachwuchs kümmern - und so Spitze im eSport in Deutschland werden.

Amos Ker will sein Hobby zum Beruf machen. "Ich spiele nicht nur zum Spaß", sagt er bestimmt, "ich spiele für meine Karriere." Amos` Eltern waren dagegen anfangs nicht so begeistert wie ihr Sohn: "Mama und Papa haben anfangs gedacht, dass ich spinne. Doch seit ich bei der WM den vierten Platz gewonnen habe, merken sie, dass ich es ernst meine. Mittlerweile haben sie sich mit meinem Berufswunsch arrangiert." Amos ist sich sicher: In ein paar Jahren wird er finanziell ausgesorgt haben. Allein für einen WM-Titel gibt es eine sechsstellige Summe. Das dürfte auch für Amos Eltern ein Argument sein.

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