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China elektrisiert die Autoindustrie

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Genfer Autosalon - China elektrisiert die Autoindustrie

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Der Genfer Autosalon beginnt am Donnerstag, eine der wichtigsten Automessen der Welt. Ein großes Thema: Elektromobilität. Vor allem ein Land legt sich mächtig ins Zeug.

Nissan Leaf bei der Autoshow in Detroit
Weltweit am drittstärksten nachgefragt: der Nissan Leaf.
Quelle: reuters

Die Zahlen auf einen Blick:

  • In China sind 2019 2,6 Millionen E-Autos auf der Straße,
  • in den USA sind es 1,1 Millionen Fahrzeuge,
  • auf Platz drei landet Norwegen mit 298.000.
  • In Deutschland sind derzeit etwa 142.000 E-Autos unterwegs.

China ist in vielerlei Hinsicht beachtenswert - auch in Sachen Elektromobilität. Denn nicht nur rollen dort die meisten elektrifizierten Autos auf den Straßen, das Land verzeichnet auch das stärkste Wachstum an E-Auto-Neuzulassungen weltweit. Im Reich der Mitte sind Anfang 2019 rund 2,6 Millionen Elektroautos unterwegs. Deren Anzahl hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt.

Wie groß der Anteil Chinas an der weltweiten elektrifizierten Flotte ist, macht ein Vergleich deutlich: Die Zahl der bereits zugelassenen Elektroautos ist insgesamt auf 5,6 Millionen Pkw gestiegen. Somit existiert knapp die Hälfte des weltweiten Bestandes in China.

Weltweit starkes Wachstum

Das haben Forscher vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) herausgefunden. Dazu haben sie unlängst Daten des Kraftfahrtbundesamtes und internationaler Behörden und Verbände untersucht. Gezählt haben sie Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit komplettem Elektroantrieb, mit Reichweitenverlängerern und Plug-In-Hybride, kurz: alle Fahrzeuge, die Strom tanken können.

"Wir verzeichnen bei der Nachfrage nach Elektroautos ein sehr starkes Wachstum weltweit. Zur Erreichung der Klimaziele im Verkehr ist dies auch zwingend erforderlich", sagt Andreas Püttner vom ZSW im Gespräch mit heute.de.

Eine Überraschung aus dem Norden

Hinter China sind Elektroautos in den USA am weitesten verbreitet - hier liegt der Gesamtbestand bei 1,1 Millionen Fahrzeugen. Das liegt unter anderem daran, dass die sportlichen Wagen des dort ansässigen Elektropioniers Tesla stark gefragt sind.

Besonders auffällig ist der dritte Platz - denn den besetzt das vergleichsweise kleine Land Norwegen. Dort fährt inzwischen jeder zweite neue Pkw elektrisch. Auch der Bestand an E-Fahrzeugen kann sich sehen lassen. In Norwegen existieren auf den Straßen mehr als doppelt so viele elektrisch betriebene Fahrzeuge wie in der Auto-Nation Deutschland. Hier sind es rund 142.000, in Norwegen knapp 298.000 Pkw.

Der politische Wille zählt

"Norwegen ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr weit vorne bei den Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen", sagt Andreas Püttner vom ZSW. "Dahinter steht ein großer politischer Wille, der sich in umfassenden Fördermaßnahmen nicht nur finanzieller Art zeigt". Auch hier macht ein Vergleich die Vorreiterrolle Norwegens deutlich.

Während in Norwegen jedes zweite neue Auto ganz oder teilweise elektrisch fährt, beträgt der Anteil an den Neuzulassungen in China rund fünf Prozent. In den USA sind es zwei Prozent und in Deutschland liegt der Wert noch darunter. Deutschland rangiert bei E-Auto-Neuzulassungen auf Platz vier, beim Bestand insgesamt sogar nur auf Platz acht.

Auf der Seite der Autohersteller hat sich im vergangenen Jahr der Elektropionier Tesla weltweit wieder den Spitzenplatz bei den Neuzulassungen von Elektroautos zurückgeholt: Auf rund 234.000 neue Autos hat es der Konzern gebracht. Vor allem das Model 3, mit dem Tesla im Massenmarkt die Konkurrenz angreifen will, hat die Verkaufszahlen nach oben getrieben. In wenigen Tagen will Tesla das Model Y vorstellen, einen Elektro-SUV.

BMW ist erfolgreichster deutscher E-Autobauer

In den beiden Jahren zuvor hatten dagegen vor Tesla zwei hierzulande eher unbekannte Autobauer die Nase vorn: Die chinesischen Konzerne BYD (Build Your Dreams) und BAIC (Bejing Automotive Industry Holding). Sie bieten ihre Autos bislang allerdings fast ausschließlich in China an. Auf Platz vier landet bei Neuzulassungen BAIC, die Shanghai Automotive Industry Corporation.

Als erfolgreichster deutscher Autobauer landet BMW auf Platz sechs der internationalen Hersteller, mit Neuzulassungen von knapp 87.000 Autos. VW schafft es mit knapp 54.000 auf Rang sieben.

60 Milliarden Euro für Elektromobilität aus Deutschland

Offenbar um den Anschluss an die internationalen Hersteller nicht zu verlieren, hat der hiesige Autoverband VDA im Vorfeld des Genfer Autosalons angekündigt, dass die deutsche Autoindustrie in den kommenden drei Jahren etwa 60 Milliarden Euro in Elektromobilität und Digitalisierung investieren zu wollen. Das Angebot deutscher Autobauer werde sich in diesem Zeitraum auf rund 100 E-Modelle verdreifachen.

Das ist auch notwendig, meinen Beobachter wie Jürgen Pieper, Autoanalyst vom Bankhaus Metzler: "In der traditionellen Technik war die deutsche Autoindustrie ganz an der Spitze. Davon hat sie lange Jahre auch erfolgreich gezehrt. Dass aber der Vorsprung, den man beim Verbrennungsmotor hatte, weg ist - das ist schon eine Belastung für die 2020er Jahre."

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