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Auto der Zukunft - E-Mobilität - wohin geht die Reise?

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Zu teuer, zu wenig Reichweite, nicht genug Ladestationen. Das sind die Gründe, die einer Verbreitung von elektrisch betriebenen Autos im Wege stehen. Doch das soll sich ändern.

Archiv: Ein E-Auto steht am 18.05.2016 in Berlin an einer Stromtankstelle und wird aufgeladen
E-Auto beim Aufladen.
Quelle: dpa

Die Autofahrer sind zum überwiegenden Teil weiterhin skeptisch bei der Elektromobilität. Aber Umweltexperten sind sich einig: Im Verkehrssektor muss etwas passieren, um den CO2-Ausstoß zu senken, und um letztendlich die ab 2021 geltenden EU-Grenzwerte nicht zu überschreiten. Was ist die Lösung? Auf der CoFAT in Fürstenfeldbruck nahe München, der Konferenz über zukünftige Automobiltechnologien, kamen in dieser Woche viele Köpfe zusammen, die die Zukunft denken.

Übergang wird lange dauern

Maßgeblich an dieser Konferenz beteiligt ist Prof. Markus Lienkamp vom Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik an der TU München. Seit Jahren versucht er auch mit solchen Veranstaltungen, die Elektromobilität voranzutreiben. Aber auch er sieht die Schwierigkeiten. "Disruption" ist das derzeitige Zauberwort in der Automobiltechnologie. Das bedeutet: Innovationen, die bestehende Produkte verdrängen oder gar vollständig vom Markt verschwinden lassen. Doch beim Elektroauto glaubt das selbst Fahrzeugentwickler Lienkamp nicht. Er sieht diesen Prozess eher evolutionär.

Weltweit gibt es über eine Milliarde Fahrzeuge, die im Schnitt 20 Jahre halten. Die Änderung von Fahrzeugproduktionsanlagen erfordert erhebliche Investitionen. Auch deshalb sind die Hürden sehr hoch. Kein Autobauer möchte teure Produktionsanlagen, die noch Geld bringen, schnell ersetzen. Lienkamp zieht daraus das Fazit, dass sich die Technologie hin zur Elektromobilität nur allmählich ändern wird.

Doch die Anforderungen, denen Mobilität genügen muss, werden immer größer: weg vom Öl, zumindest lokal innerstädtisch emissionsfrei unterwegs sein, kein Ausstoß mehr von CO2, immer mehr nervende Staus.

Wasserstoff im Massenmarkt vorerst unrealistisch

Welche Energieform wird sich also beim Auto durchsetzen? Wasserstoff und Brennstoffzelle in einen Massenmarkt zu bringen, hält Lienkamp zumindest in den nächsten zehn Jahren nicht für realistisch, da der Energieeinsatz zur Erzeugung von Wasserstoff zu hoch sei. Das treffe auch auf synthetische Kraftstoffe zu, sogenannte Syn-Fuels. Mit 1,90 Euro pro Liter ohne Steuern seien sie einfach noch zu teuer.

Keiner möchte im Urlaub zwei Stunden vor der Ladestation an der Autobahnraststätte stehen.
Fahrzeugentwickler Markus Lienkamp

Also bleibe nur die Möglichkeit, Verbrennungsmotoren durch batteriegetriebene Elektrofahrzeuge zu ersetzen. Hier stellt sich dann noch die Frage, ob das mit einem rein elektrisch angetriebenen Fahrzeug geschieht oder mit einem sogenannten Plug-in-Hybrid. Uniprofessor Lienkamp hält rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge für die billigere Lösung, da man keine zwei Systeme mit hohem Gewicht ständig herumfahren müsse.

Doch es wird auf dem Markt beide Angebote geben. Lienkamp zeigt sich optimistisch. Die Reichweiten passten sich mit 400 bis 600 Kilometer langsam an. Er sieht aber auch die Defizite bei der Ladeinfrastruktur: "Keiner möchte im Urlaub zwei Stunden vor der Ladestation an der Autobahnraststätte stehen".

Liegt die Zukunft im Plug-in-Hybrid?

Viele Kunden liebäugelten deshalb auch mit einem Plug-in-Hybrid, weiß Gerd Schuster von BMW. Er stellt die Frage, ob 400 bis 600 Kilometer elektrische Reichweite überhaupt Sinn ergeben. 98 Prozent aller Autofahrten lägen unter 100 Kilometer am Tag. Große Batterien würden nicht genutzt. Man fahre sie aber mit viel Gewicht mit sich herum. Schuster, der bei BMW für Forschung und neue Technologien zuständig ist, plädiert für den Plug-in-Hybrid, zumal sich die Batteriereichweite dieser Autos in den nächsten Jahren nahezu verdoppeln werde. Heutzutage gibt es Plug-in-Modell mit knapp 60 Kilometer elektrischer Reichweite. Mit solch einem Fahrzeug erhalte sich der Autofahrer die Freiheit, spontan irgendwohin oder auch ohne Probleme in den Urlaub zu fahren.

In den Städten, die wahrscheinlich künftig immer mehr zu "Zero Emission"-Zonen würden, habe der Autofahrer die Möglichkeit, elektrisch zu fahren. Der BMW-Entwickler stellt sogar in Aussicht, dass es in Zukunft Plug-in-Fahrzeuge gebe, die automatisch in den Städten auf elektrisch umschalten.

Arbeitgeber soll Lademöglichkeiten bieten

Unternehmen ohne ein solches Angebot sind irgendwann out.
BMW-E-Auto-Experte Gerd Schuster

Ganz wichtig ist auch, dass Arbeitgeber die Möglichkeit schaffen, die Fahrzeuge ihrer Mitarbeiter während der Arbeitszeit wieder aufzuladen. Allein BMW werde für die Mitarbeiter einige Tausend Ladepunkte aufstellen. "Unternehmen ohne ein solches Angebot sind irgendwann out", prognostiziert Schuster. Das Laden sei eben die entscheidende Maßnahme für die Elektromobilität.

40 Prozent Marktanteil für E-Autos sollen bis 2030 erreicht werden. Diese Zahl ist gesetzt und auch politisch gewollt. Doch letztendlich wird der Autofahrer entscheiden. Angesichts von einer Milliarde Fahrzeugen auf der Welt wird es die Veränderung zum E-Auto so rasant nicht geben.

Auch das autonome Fahren wird noch einige Zeit auf sich warten lassen. Bis sich ein Auto ohne Zutun der Insassen durch den Verkehr bewegen kann, wird es noch 10 bis 15 Jahre dauern, sagen die Experten. Doch alle wollen dahin, weil man sich davon ein großes Geschäft verspricht. Weltweit werden für die Entwicklung gerade dreistellige Milliardenbeträge investiert. Eine teure Sache. Ein autonomes Fahrzeug braucht eine Menge Sensoren, Kameras und Software. Das Kartenmaterial für das Navigationsgerät muss zentimetergenau sein. Pro Auto sind derzeit Investitionen von 10.000 Euro notwendig. Immerhin, Singapur scheint Fakten schaffen zu wollen: Dort möchte man bis 2030 kein Auto mehr auf der Straße sehen, das mit einem Fahrer unterwegs ist.

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