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Verbote, Strafen, Gebühren - E-Rollerfahrer in Paris kaum zu bremsen

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Paris fördert seit Jahren umweltfreundliche Verkehrsmittel. Doch vom Chaos mit Elektro-Tretrollern haben viele Franzosen die Nase voll. Die Hauptstadt greift nun stärker durch.

Die Bundesregierung plant die Freigabe von Elektrorollern im Straßenverkehr. In Paris heißen sie Trotinette und werden zum Problem für Fußgänger.

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Während Deutschland noch streitet, hat Paris entschieden: Elektroroller dürfen dort künftig nicht mehr auf Gehwegen fahren. Wer dennoch mit einem E-Roller über den Bürgersteig flitzt, muss 135 Euro Strafe zahlen. Bislang beeindruckt dies jedoch nur wenige. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber es kommt in Paris immer häufiger zu Zusammenstößen zwischen Rollerfahrern und Fußgängern.

"In Paris fahren die Leute völlig chaotisch"

"Ich fahre gerne mit dem Roller. Aber es ist schon ziemlich gefährlich", sagt Lellie. "Als Rollerfahrer kann man leicht hinfallen oder von einem Auto angefahren werden", erklärt die junge Französin. Und wo fährt sie am liebsten Roller? "Auf dem Bürgersteig natürlich", sagt sie und lächelt. Von dem drohenden Bußgeld hat sie offenbar noch nichts gehört.

Viele Pariser sind geteilter Meinung, sehen das Nützliche ebenso wie das Risiko. "Es ist ein tolles Transportmittel, elektrisch und ganz schön schnell", meint Clothilde Rolet. "Aber in Paris fahren die Leute völlig chaotisch. Keiner achtet auf die Verkehrsregeln, das ist super gefährlich", fügt sie hinzu.

Immer mehr E-Roller in der französischen Hauptstadt

Derzeit gibt es etwa 15.000 leihbare Elektroroller von neun verschiedenen Anbietern in Paris. Bis zum Jahresende sollen es 40.000 werden. Und sie werden auf die abenteuerlichsten Arten benutzt: gerne von Touristen, die schneller die App runterladen als sie ein Metroticket erwerben, aber auch von risikofreudigen Eltern, die sich ihren unbehelmten Nachwuchs zwischen Beine und Lenker klemmen.

Roller fahren in Paris derzeit überall, wo sie durchpassen, sei es in Busspuren, Fußgängerzonen oder auch gegen die Fahrtrichtung einer Einbahnstraße. Manche Rollerfahrer klingeln sich zudem nonchalant Fußgänger oder zu langsame Radfahrer aus dem Weg.

Eigentlich hatte die französische Regierung bereits Ende 2018 ein neues Mobilitätsgesetz verabschieden wollen. Darin war auch ein juristischer Rahmen für die Elektroroller vorgesehen. Doch dann kam die Gelbwestenkrise, die alle Reformprojekte verzögert hat.

Mehr Abgaben für Anbieter von Leihrollern

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo - die sonst alles dafür tut, umweltfreundliche Verkehrsmittel zu fördern - hat schließlich durchgegriffen. Vergangene Woche hat der Stadtrat eigene Regeln verabschiedet.

Anbieter von Leihrollern müssen pro Gefährt eine Abgabe in Höhe von bis zu 60 Euro zahlen. Wildes Parken, das Fußgänger oder Kinderwagen behindert, kostet künftig 35 Euro. Im Gegenzug will die Stadt 2.500 Parkplätze für die Roller bis Ende nächsten Jahres anlegen.

Keine Helmpflicht

Eine Helmpflicht für E-Rollerfahrer wurde nicht beschlossen. Und auch wenn die Anbieter der Leihfahrzeuge Helme dringend empfehlen, halten sich derzeit nur wenige Nutzer daran.

"Wir tun, was wir können, aber das Problem muss auf nationaler Ebene gelöst werden", sagte Emmanuel Grégoire, Verkehrsbeauftragter der Stadt, nach der Verabschiedung der Maßnahmen dem Sender BMF. "Wir verstärken die Kontrollen. Aber wenn die Regelverstöße anhalten, dann wird es irgendwann zu einem Verbot kommen."

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