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Neue Fahrzeuge für kurze Wege - E-Scooter: Was rollt da auf uns zu?

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Weniger Staus, mehr Klimaschutz: Schon bald sollen E-Scooter auf deutschen Bürgersteigen, Radwegen und Straßen rollen. Wie gefährlich ist das? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben in Saarbrücken entschieden, dass neben Autos und Fahrrädern künftig auch E-Scooter einen Platz auf der Straße einnehmen sollen.

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Worum geht es?

Im Kern geht es um die Frage, wie sich die Menschen vor allem in den Ballungsgebieten künftig fortbewegen. Derzeit stehen die Städte unter Druck, die hohe Schadstoffbelastung zu senken. Die Bundesregierung ringt darum, die Emissionen nun endlich auch im Verkehrssektor zu verringern, um die Klimaziele einhalten zu können - und Autofahrer ächzen vielerorts unter mehr als hundert Stunden Zeitverlust pro Jahr durch Stau im Stadtverkehr.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) setzt auf die E-Scooter als Teil einer Strategie, verschiedene Verkehrsmittel besser zu verzahnen und damit Alternativen zum Auto zu schaffen. Die faltbaren Roller, die nur wenige Kilo wiegen, seien "ideal etwa für die letzte Meile von der U-, S-Bahn oder Bushaltestelle nach Hause oder zur Arbeit", argumentiert Scheuer.

Was will die Bundesregierung?

Bislang sind die elektrisch angetriebenen Tretroller in Deutschland auf öffentlichen Straßen verboten. Ändern soll dies die sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, die das Bundeskabinett kürzlich beschloss. Sie umfasst nun Fahrzeuge, die eine Lenk- oder Haltestange haben, also beispielsweise keine E-Boards - elektrisch betriebene Rollbretter ohne Lenker, die ebenfalls im Trend liegen. Die Fahrzeuge dürfen außerdem maximal eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h erreichen.

E-Roller, die weniger als 12 km/h schaffen, sollen schon für Jugendliche ab 12 Jahren erlaubt sein - schnellere Gefährte dann ab dem 14. Geburtstag. Bei weniger als 12 km/h dürfen die Gefährte innerorts nur Gehwege und gemeinsame Geh- und Radwege benutzen. Sind die nicht vorhanden, ist auch die Fahrbahn erlaubt - aber nicht außerhalb geschlossener Orte. Sind E-Roller schneller als 12 km/h, gehören sie auf Radwege und Radfahrstreifen. Fehlen sie, darf es innerorts und außerorts auch die Fahrbahn sein.

Bundesregierung macht Weg für E-Scooter frei

Auf Gehwegen gilt: Fußgänger haben klar Vorrang und dürfen "weder behindert noch gefährdet" werden. Dort und in Fußgängerzonen ist auch nur Schritttempo zulässig.

Ein Führerschein oder eine Helmpflicht sind in der Verordnung nicht vorgesehen. Vorgeschrieben werden sollen aber eine Haftpflichtversicherung samt Versicherungsaufkleber mit Anti-Fälschungs-Hologramm hinten am Fahrzeug. Zustimmen muss nun noch der Bundesrat, nach Angaben der Bundesregierung womöglich noch in diesem Frühjahr.

Wie sind die Reaktionen?

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt das "kluge Verzahnen von unterschiedlichen Mobilitätslösungen", auch die Verkehrsministerkonferenz in Saarbrücken stärkte Scheuer am Freitag den Rücken. Auf Unmut stößt aber der Plan, die Roller auch auf Gehwegen fahren zu lassen. Unfallforscher warnen vor mehr Zusammenstößen. Der Sozialverband VdK mahnt, gefährdet seien hier vor allem ältere und sehbehinderte Menschen. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub VCD hält es deshalb für erforderlich, dass es grundsätzlich mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer gibt. Denkbar sei, Platz vom fahrenden oder ruhenden Autoverkehr umzuwidmen, wie Anika Meenken vom VCD im Deutschlandfunk sagte.

Der Automobilclub ADAC findet es hingegen wenig sinnvoll, "die Verkehrsträger gegeneinander auszuspielen". Zugleich sei es aber wichtig, dass der Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel attraktiver werde. "Denn nach wie vor wird das Auto häufig auch für kurze Strecken genutzt."

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Die Sicherheitsdebatte gibt es in auch in den Ländern, in denen die E-Scooter bereits fest zum Straßenbild von Metropolen gehören. In den USA etwa mussten nach Angaben von Verbraucherschützern binnen eines Jahres mehr als 1.500 Menschen behandelt werden - unter anderem wegen Unterarmbrüchen.

Ein Thema sind dort aber auch die wirtschaftlichen Potenziale: Die Plattformen Bird und Lime, die die Roller per Smartphone-App als Leihfahrzeuge anbieten, gelten als zwei der seltenen "Einhörner" - also Start-ups, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden. Lime-Sicherheitschef Paul White hält die Sicherheitsbedenken für übertrieben. Denn durch die Tretroller gehe auch der Autoverkehr zurück und dieser sei "deutlich tödlicher".

In Paris, wo bis zum Jahresende 40.000 E-Scooter von Leihanbietern auf den Straßen erwartet werden, wurden unterdessen strenge Regeln erlassen. Das Fahren auf dem Gehweg soll dort künftig 135 Euro Strafe kosten.

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