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E-Sport auf der Gamescom - Größer als Netflix

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Wettkämpfe am Computer sind mittlerweile ein Zuschauersport für Millionen. Von Mobilfunkprovidern bis zum DFB - jeder will vom Boom profitieren.

Gamer auf der Gamescom am 21.08.2019
Gamer auf der Gamescom
Quelle: Reuters

Vier Angreifer hat die Anti-Terror-Spezialeinheit bereits unschädlich gemacht - einer ist noch übrig. Doch der verschanzt sich hinter einer Ecke, zückt seine Waffe und stürzt plötzlich hervor. Erst trifft er einen, dann zwei, dann drei Gegner. Die Zuschauermenge jubelt. Es sind die Ausscheidungskämpfe der Deutschland-Meisterschaften der E-Sport-Liga ESL, die derzeit auf der Gamescom ausgetragen werden. Auf der Bühne sitzen zwei Teams, die am Computer gegeneinander spielen, das Publikum verfolgt das Geschehen auf riesigen Leinwänden.

Die organisierten Wettkämpfe in Computerspielen wie Counter-Strike gehören zum festen Inventar auf der Spielemesse. Geht man über die Messe, sieht man den E-Sport fast an jeder Ecke. An zahlreichen Ständen sind kleine Arenen aufgebaut, wo Teams von meist fünf Spielern zu Schaukämpfen antreten. Es gibt Autogrammstunden mit E-Sport-Profis. Gamescom-Besucher können sich für die Teilnahme eines professionellen E-Sport-Turniers in Mailand qualifizieren.

E-Sport-Arena auf der Gamescom
In der Event-Arena wird die ESL-Deutschlandmeisterschaft in "Counter-Strike" ausgetragen.
Quelle: ZDF/Torsten Kleinz

Zu groß für die Gamescom

"E-Sport ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen", erklärt Sebastian Weishaar vom Kölner ESL-Veranstalter Turtle Entertainment. So gerne die Spieler die neuesten Spiele-Neuheiten ausprobieren, so sehr sehen sie auch Profis dabei zu, wie sie FIFA, League of Legends oder Counter-Strike spielen. 6,5 Millionen Spieler sind alleine bei der ESL registriert, davon mehr als eine Million aus Deutschland.

Der E-Sport ist mittlerweile auch zu groß für die weltgrößte Spielemesse - die Haupt-Turniere füllen mittlerweile ganze Stadien mit über 15.000 Zuschauern. Zwar hat die Kölner Messe auch eine Halle für den E-Sport reserviert, aber hier finden gerade einmal 1.500 Zuschauer Platz. Viel mehr Zuschauer verfolgen die Spiele zu Hause. Nach Angaben von Google haben YouTube-Nutzer 2018 über 50 Milliarden Stunden Spiele-Videos angeschaut - das ist mehr Zeit als Netflix-Kunden sich Filme und Serien anschauen.

An dem E-Sport-Boom wollen sich immer mehr Firmen und andere Organisationen beteiligen. Der DFB-Interimspräsident Rainer Koch kündigte etwa am Montag in Köln eine elektronische Version des DFB-Pokals an, an dem sich jeder interessierte Spieler beteiligen kann. Mit dem Schritt will der organisierte Fußball einen Zugang zur Jugendkultur bekommen, den die klassischen Sportvereine nicht mehr unbedingt bieten können.

Gamer
Vodafone hat eine eigene E-Sport-Liga für Handyspiele gegründet, um für sein 5G-Netzwerk zu werben.
Quelle: ZDF/Torsten Kleinz

Nachwuchswerbung und Milliardengeschäft

Damit ist der organisierte Fußball nicht alleine. Auch der Software-Konzern SAP hat einen eigenen E-Sport-Stand auf der Gamescom aufgebaut. Der deutsche Hersteller von Geschäfts-Software sponsert schon länger ein E-Sport-Team und hat sogar eine eigene Software entwickelt, mit der E-Sport-Partien wie Geschäftsprozesse analysiert und optimiert werden können. "Unser Ziel ist es, junge Menschen auf uns aufmerksam zu machen und so neue Mitarbeiter zu gewinnen", erklärt SAP-Manager Milan Cerny das Engagement.

Andere Firmen haben ein direkteres Interesse an dem E-Sport - er ist ein Schlüssel zum Milliardenmarkt der Spiele. Google versucht mit dem neuen Dienst Stadia E-Sportler als Kunden zu gewinnen. Stadia ist einer der Pioniere im "Cloud Gaming": Statt sich eine Spielekonsole und Spiele zu kaufen, können die Kunden direkt im Internet spielen. Übertragen wird nur das Bild und die Steuersignale vom heimischen Controller - im Prinzip werden die Spiele zum interaktiven YouTube-Video. "Mit einem Klick kann man vom Zuschauer zum Spieler werden - und umgekehrt", preist Fuchs das Konzept des neuen Dienstes an.

Auch die Konkurrenz von Sony und Microsoft steht schon mit eigenen Cloud-Diensten in den Startlöchern. Wenn Google jedoch das Publikum der E-Sportler gewinnen kann, hat der Dienst einen entscheidenden Vorteil, bevor im kommenden Jahr die nächsten Versionen der klassischen Spielekonsolen Playstation und X-Box erscheinen werden.

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