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E-Zigarette bald in Deutschland - Juul ist cool - und extrem gefährlich

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Rauchen ist out, "juulen" ist in. Millionen US-Teenager schwören auf Juul, eine E-Zigarette mit extrem hohem Nikotingehalt. Jetzt will der Hersteller nach Deutschland expandieren.

E-Zigarette Juul
E-Zigarette Juul
Quelle: reuters

"Das Ding ist unbezahlbar, einfach großartig, ich mag dieses leicht schwindelige Gefühl beim juulen", sagt Jack Solomon. Der 15-Jährige Schüler wohnt in einem Vorort von New York City. An seiner Schule zieht die Hälfte der Kids regelmäßig an E-Zigaretten. "Wenn ich meine Hausaufgaben mache, habe ich meinen Bleistift in der rechten und meine Juul in der linken Hand", sagt die 14-jährige Sylvia Lazar. "Ich brauche die Juul, wenn ich Stress habe, um runterzukommen", gibt ihre Freundin Margarida Ferreira zu. "Ich weiss, dass das nicht gut für mich ist, aber ich kann einfach nicht aufhören."

Verlängerter USB-Stick mit Nikotinkapsel

"Juuling" ist nicht nur an der Scarsdale Highschool in New York beliebt. Überall im Land inhalieren Schüler den Dampf der aromatisierten E-Zigaretten. Sie sehen aus wie ein verlängerter USB-Stick und werden mit Nikotinkapseln bestückt. Zieht man an dem Stick, verdampft Flüssigkeit, die wahlweise nach Mango, Mint oder Vanillecreme riecht und schmeckt. 50 Dollar kostet das Starterset. "Zigaretten rauchen ist für die meisten Jugendlichen megaout, aber Juul ist cool", meint Jack Waxman, ein Zwölftklässler.

Kein Wunder, dass das Geschäft mit den E-Zigaretten boomt. Marktführer in den USA ist die Firma Juul Labs, ein von zwei College Studenten gegründetes Startup, das innerhalb von zwei Jahren zu einem 15-Milliarden-Dollar-Unternehmen wuchs. Juul kontrolliert inzwischen Dreiviertel des E-Zigaretten Marktes in den USA.

Rekordverdächtige Mengen Nikotin

Das Problem: In einer einzigen Juul Kapsel steckt soviel Nikotin wie in einer ganzen Schachtel herkömmlicher Zigaretten. Die zuständige Behörde für Arzneimittelsicherheit FDA schlägt deshalb  Alarm. Laut einer FDA-Studie ist die Zahl der jugendlichen Konsumenten in den letzten zwölf Monaten um 1,5 Millionen angestiegen. Allein an Highschools hat die Zahl der "Juuler" innerhalb eines Jahres um 78 Prozent zugenommen; jeder fünfte Highschool-Teenager hat schonmal "gejuult".

Juul-E-Zigarette mit Packung
Sieht aus wie Computer-Stick und gilt ein wenig als "Apple" unter den E-Zigarretten: In einer einzigen Juul Kapsel steckt soviel Nikotin wie in einer ganzen Schachtel herkömmlicher Zigaretten.
Quelle: dpa

"Die Zahlen sind schockierend. Der Konsum von E-Zigaretten durch Kinder hat epidemische Ausmaße erreicht", so FDA-Chef Scott Gottlieb. Im September inspizierte die Behörde die Juul-Firmenzentrale in San Francisco, beschlagnahmte Dokumente und verkündete: Die aromatisierten Flüssigkeiten dürfen ab sofort nur noch in Läden verkauft werden, zu denen Jugendliche unter 18 keinen Zutritt haben. Außerdem soll es im Onlinehandel strengere Altersüberprüfungen geben.

Die Hersteller von Juul haben ebenfalls reagiert und ihre Social Media Aktivitäten auf Instagram und Facebook eingestellt. "Warnung: Dieses Produkt enthält Nikotin. Nikotin ist eine Chemikalie, die süchtig macht", steht neuerdings auf der Webseite von Juul Labs. "Unsere Produkte waren nie für Minderjährige gedacht", heißt es aus dem Hauptquartier in Kalifornien. Juul richtet sich an Erwachsene, die mit dem Rauchen herkömmlicher Tabakzigaretten aufhören wollen.

"Juulen" im Schulklo

Ob die Verbote und Einschränkungen tatsächlich dazu führen, dass Jugendliche aufhören zu "juulen", bezweifeln viele Eltern und Schulverwalter. An der New Yorker Highschool von Sylvia, Jack und Margarida, musste in diesem Jahr bereits zweimal die Feuerwehr anrücken, weil Jugendliche im Schulklo "gejuult" und den Feueralarm ausgelöst hatten. In einer Highschool in der Bronx schloss die Schulverwaltung mehrere Toiletten, um heimliches "Juuling" zu unterbinden.

Jack und seine Freunde sind inzwischen selbst nachdenklich geworden. In einem selbstgedrehten Video "Juulers against Juuling" weisen sie auf die Gefahren von "Juuling" hin - und fordern strengere Regeln für den Vertrieb aromatisierter E-Zigaretten. "Es ist eine Epidemie, die wir stoppen müssen."

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