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Mehr als 40 Tote durch E-Zigaretten in den USA

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Ursachenforschung dauert an - Mehr als 40 Tote durch E-Zigaretten in den USA

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Die Zahl der Todesfälle steigt, die Ursache ist weiterhin unklar: Die Krise um E-Zigaretten in den USA verschärft sich. In Deutschland ist das Risiko laut Experten geringer.

ILLUSTRATION: Ein Mann raucht am 03.11.2019 in Berlin eine E-Zigarette, hier ein sogenannter Selbstwickel-Verdampfer (gestellte Szene)
Nach dem Gebrauch von E-Zigaretten sind in den USA bereits mehr als 40 Menschen gestorben.
Quelle: picture alliance / dpa Themendienst

Steigende Fallzahlen und immer noch keine vollständig geklärte Ursache: Die Zahl der Toten nach dem Gebrauch von E-Zigaretten in den USA liege nun bei 42, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Donnerstag (Ortszeit) mit. Die Opfer stammten aus 24 US-Bundesstaaten. Die Zahl der Erkrankten sei auf nun 2.172 bestätigte Fälle gestiegen. Vor einer Woche hatte die CDC noch von 39 Toten und 2.051 Kranken berichtet.

Zahl der E-Zigaretten-Nutzer steigt an

Ein erkrankter 17-Jähriger in Michigan war Ärzten zufolge im vergangenen Monat nur mithilfe der Transplantation zweier Lungenflügel vor dem "sicheren Tod" gerettet worden. In Deutschland und auch europaweit ist bislang kein ähnlicher Anstieg von Lungenschädigungen bekannt. Die Beschwerden scheinen sich weiterhin auf Nutzer in Nordamerika zu beschränken.

Unterdessen sank die Zahl der Zigaretten-Raucher in den USA 2018 auf 13,7 Prozent der Erwachsenen, also etwa jeden Siebten - und damit auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen dieser Zahlen vor rund 50 Jahren. Zigaretten waren damit weiter das am weitesten verbreitete Tabak-Produkt, wie die CDC am Donnerstag mitteilte. Weitere 3,2 Prozent der Erwachsenen benutzten E-Zigaretten, ein Anstieg von 0,4 Prozent zwischen 2017 und 2018 - vor allem, weil deutlich mehr junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren E-Zigaretten gebrauchten.

Ursache für Lungenschäden nicht abschließend geklärt

Die CDC rät vom Rauchen und vom Gebrauch von E-Zigaretten ab. Die Ursache für die Lungenschäden nach dem Gebrauch von E-Zigaretten ist laut CDC immer noch nicht abschließend geklärt. Als eine mögliche Ursache war zuletzt ein aus Vitamin E gewonnenes Öl, ein Vitamin-E-Acetat, ausgemacht worden.

"Es handelt sich um das erste Mal, dass wir eine mögliche besorgniserregende Chemikalie in Proben von Patienten mit diesen Lungenkrankheiten entdeckt haben", hatte die Behörde mitgeteilt. Es müsse aber noch weiter geforscht werden. Vitamin E kommt natürlicherweise in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Ölen oder Nüssen vor. Wegen seiner molekularen Struktur kann der Stoff beim Einatmen gefährlich werden.

Forschung begrenzt und zum Teil widersprüchlich

In Deutschland sind die Zusammensetzungen der Wirkstoffe von E-Zigaretten generell strenger reguliert als in den USA. Das sogenannte Alpha-Tocopherylacetat - wie auch andere Vitamine und THC - dürfen den Liquids von E-Zigaretten nicht zugefügt werden. THC (Tetrahydrocannabinol) steckt in Cannabis und ist hauptsächlich für die berauschende Wirkung verantwortlich.

Zu den möglichen toxischen Wirkungen von Alpha-Tocopherylacetat (Vitamin E-Acetat) sei bisher wenig bekannt, sagte Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). "Auch aktuell liegen nur wenige und zum Teil widersprüchliche toxikologische Daten zur inhalativen Aufnahme von Alpha-Tocopherylacetat vor", so Henkler-Stephani. Aufgrund ihrer strukturellen Eigenschaften könnte sich die Substanz auf dem Flüssigkeitsfilm der Lungenbläschen sowie in den Membranen der Lungenepithelzellen anreichern. "Bei entsprechend hohen Gehalten könnten Beeinträchtigungen des Gasaustausches sowie Gewebeschädigungen und Entzündungsreaktionen auftreten."

Fälle wie in den USA in Deutschland eher unwahrscheinlich

"Vitamin-E-Acetat ähnelt in Konsistenz und Färbung den THC-Ölen und kann sogar höherwertige Konsumeigenschaften vortäuschen." Die Substanz scheine vorwiegend zur Streckung, also Produktmanipulation verwendet worden zu sein, "möglicherweise, um auf Lieferengpässe und Preissteigerungen für Cannabis zu reagieren".

Dass Alpha-Tocopherylacetat auch in Deutschland in Liquids enthalten ist, sei zumindest für reguläre und rechtskonforme Produkte sehr unwahrscheinlich. "Nikotinhaltige Liquids dürfen nach den tabakrechtlichen Bestimmungen keine Vitamine enthalten", erklärte Henkler-Stephani. "Für einzelne E-Liquids wurde Vitamin E trotzdem als Inhaltsstoff gemeldet." Ob die Produkte tatsächlich im Handel sind oder bereits beanstandet wurden, sei aber unklar. "Nach Kenntnisstand des BfR gab es in der EU bisher keine Notifizierung von Vitamin-E-Acetat-haltigen Liquids."

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