ZDFheute

"Angst, ins Behandlungszentrum zu gehen"

Sie sind hier:

Ebola in der DR Kongo - "Angst, ins Behandlungszentrum zu gehen"

Datum:

Ebola war in Beni in der DR Kongo eigentlich unter Kontrolle. Doch die Krankheit fordert ein Jahr nach dem Ausbruch immer noch viele Tote, berichtet Sara Philips von Medair.

Medizinische Mitarbeiter in Schutzkleidung in Beni, Demokratische Republik Kongo
Medizinische Mitarbeiter in Schutzkleidung in Beni, Demokratische Republik Kongo
Quelle: ap

heute.de: Wie ist die aktuelle Situation in der Demokratischen Republik (DR) Kongo in Bezug auf Ebola?

Sara Phillips: Im Laufe der vergangenen Monate hat sich eine deutliche Veränderung vollzogen. Im vergangenen Herbst begann die Epidemie in einer Region namens Mabalako, westlich von Beni, und dann zog sie nach Beni. Im letzten Monat blieb sie in einer Region südlich von Beni und dann verschob sich der Infektions-Schwerpunkt wieder zurück nach Beni. Dort sind jetzt 50 bis 60 Prozent der Betroffenen.

Das ist beunruhigend, weil wir Ebola in Beni schon einmal unter Kontrolle hatten und es ist schwer, das erneute Erstarken des Erregers und damit einhergehend viele der Probleme erneut zu erleben, die wir Ende des vergangenen Jahres bereits gesehen hatten.

Karte: Demokratische Republik Kongo
Karte: Demokratische Republik Kongo
Quelle: ZDF

heute.de: Was ist das Schlimmste für Sie?

Phillips: Eines der beunruhigendsten Dinge ist, dass es viele Todesfälle außerhalb von Gesundheitseinrichtungen gibt. Das bedeutet, dass die Verstorbenen seit geraumer Zeit unerkannt krank waren und Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn oder Kollegen Ebola ausgesetzt waren. Erst mit ihrem Tod wird entdeckt, dass sie Ebola hatten. So gab es beispielsweise gestern erst 16 neu bestätigte Fälle und acht davon waren bereits verstorben. Das ist ein sehr hoher Prozentsatz. So kommt es, dass 67 Prozent der Infizierten sterben.

heute.de: Gibt es einen effektiven Impfstoff?

Phillips: Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass wir tatsächlich eine funktionierende Behandlungsmöglichkeit für Ebola haben. Und wir wissen, wenn Menschen frühzeitig - also in den ersten drei Krankheitstagen - Hilfe suchen, dann kann die Sterblichkeitsrate tatsächlich weniger als 30 Prozent betragen. Deshalb fällt es auch so schwer mitzuerleben, wie die Krankheit fast ein Jahr nach dem eigentlichen Ausbruch noch so viele Opfer fordert.

Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass wir tatsächlich eine funktionierende Behandlungsmöglichkeit für Ebola haben.
Sara Phillips, Gesundheitskoordinatorin bei Medair

heute.de: Die Menschen haben Angst vor der Impfung. Warum?

Phillips: Wegen Gerüchten und Missverständnissen. Sie haben Angst, ins Behandlungszentrum zu gehen. Sie sagen: Die Menschen gehen hin und sterben. Dieser Angst begegnen wir mit positiven Botschaften: Wenn du früh Hilfe suchst, kannst du leben. Wir wollen, dass sie leben. Wir verstehen, dass Ebola eine beängstigende Krankheit ist. Aber es gibt gerade bei diesem Ausbruch so viel mehr Hoffnung als jemals zuvor. Deshalb ermutigen wir die Menschen, dass sie sich impfen lassen. Unser Ziel ist, die Übertragung zu stoppen.

heute.de: Wie machen Sie das?

Ein verstorbener Ebola-Patient ist das ansteckendste, was es gibt.
Sara Phillips, Gesundheitskoordinatorin bei Medair

Phillips: Eine Community-Cap-Umfrage in Beni hat gezeigt: Nur zwölf Prozent der Menschen wissen, dass man sich durch Bestattungsvorbereitungen eines Ebola-Toten mit der Krankheit infizieren kann. Ein verstorbener Ebola-Patient ist das ansteckendste, was es gibt. Deshalb hören wir den Menschen zu und passen uns an ihre Bedürfnisse an. Das ist wichtig, um mit den Menschen vor Ort auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Wenn ich Feedback aus der Gemeinschaft vor Ort erhalte, bin ich in der Lage, sofort Änderungen vorzunehmen. Nur so kommen wir an die Menschen heran, finden ihr Gehör und können ihnen letztendlich dabei helfen, sich selbst zu helfen.

heute.de: Warum sprechen die Menschen in der DR Kongo zum Teil von "Fake News" wenn es um Ebola geht?

Phillips: Es ist die gleiche Art und Weise, wie Gerüchte und Nachrichten verbreitet werden. Hier ist Social Media aktiv, hier sind Radiosender aktiv. Und Misstrauen hat - gerade was Ebola angeht - eine lange Historie in dieser Region. Deshalb müssen wir sehr vorsichtig sein, wie wir unsere Botschaft vermitteln. Erst heißt es, Vertrauen aufzubauen, damit wir dann unsere Informationen vermitteln können.

Aber nur wenige Menschen auf der Welt vertrauen auf das, was ein Fremder ihnen sagt. Und sie sollten das auch nicht. Man muss eine vertrauenswürdige Quelle sein. Also finden wir heraus, wer diese vertrauenswürdigen Menschen vor Ort sind. Ist es der örtliche Bürgermeister, ein Dorf-Ältester oder eine örtliche Krankenschwester? Mit diesen versuchen wir dann zusammenzuarbeiten. Wir kommen nicht als Lehrer zu diesen Menschen, sondern suchen den Dialog. Das braucht seine Zeit. Aber am Ende ist unser langsamer Weg der effizientere.

Das Interview führte Florence-Anne Kälble.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.