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Antisemitische Texte beim Echo - Vorbei an allen Kontrollinstanzen

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Preise gehen zurück, der Ethikbeirat schrumpft: Die Kritik am Echo für die Rapper Farid Bang und Kollegah reißt nicht ab. Doch wie konnte es überhaupt zur Auszeichnung kommen?

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Ein "Echo" im Konzerthaus in Berlin
Quelle: dpa

Die Verleihung des Musikpreises Echo liegt schon einige Tage zurück, doch die Diskussion um zwei der Preisträger geht weiter. Beinahe täglich geben Künstler ihre gewonnenen Trophäen zurück, Marius Müller-Westernhagen gleich alle acht Auszeichnungen, die er je erhalten hat, darunter auch den Echo für sein Lebenswerk. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks hat den Preis sogar aus seiner Biografie gelöscht.

Anlass für die Echo-Proteste ist die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang, die auf ihrem Album "Jung Brutal Gutaussehend 3" unter anderem antisemitische Textzeilen rappen. Auch in vielen anderen Textzeilen wird die Menschenwürde eher mit Füßen getreten als hochgehalten. Von frauenverachtenden Handlungen bis zur Ausländerfeindlichkeit wird fast jedes Tabu mehrfach gebrochen.  

Wieso gewinnt ein Album mit antisemitischen Textzeilen?

Wie kann es sein, dass ein derartiges Album einen deutschen Musikpreis gewinnt? Die Antwort ist recht einfach: Weil es sich gut verkauft. Beim Echo werden stets die fünf meistverkauften Alben eines Jahres in den verschiedenen Kategorien nominiert. Und "Jung Brutal Gutaussehend 3" hatte bereits vor der Veröffentlichung Gold-Status erreicht. Das bedeutet, es wurden bereits über 100.000 Exemplare des Albums vorbestellt.

Doch der Preis, der von der Deutschen Phono-Akademie, dem Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie, vergeben wird, hat auch eine Satzung: Darin steht, dass Nominierungen und Preise mit "grundlegenden gesellschaftlichen Normen" vereinbar sein sollen. Gegen eine Nominierung sprechen demnach zum Beispiel: Äußerungen, die verrohend wirken, Gewalthandlungen propagieren oder der Indizierungen gemäß dem Jugendschutzgesetz unterliegen. Der Ethikbeirat des Musikpreises hätte also auch gegen die Nominierung oder die Auszeichnung des Albums stimmen können.

Plattenfirma stellt sich hinter die Künstler

Die Plattenfirma BMG stellt sich hinter das Werk der umstrittenen Musiker. "Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht", teilte die Tochter des Medienunternehmens Bertelsmann am Mittwoch in Gütersloh mit. Das Album sei vergangenes Jahr eines der meistverkauften in Deutschland gewesen und außerdem auch nicht indiziert.

Doch wie läuft überhaupt die Indexierung eines Albums? Formale Voraussetzung für eine Prüfung ist, dass das Medium bereits auf dem Markt ist. Einer Prüfung vor der Veröffentlichung steht das allgemeine Zensurverbot im Weg. Es soll also auf keinen Fall einen staatlichen Eingriff in das Schaffen eines Künstlers geben.

"Auf dem Index" - was bedeutet das?

Bundesprüfstelle wird erst spät aktiv

"Wir machen keine Marktbeobachtung", erklärt Martina Hannak, Leiterin der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die Behörde wird erst aktiv, wenn eine Antrag oder eine Anregung zu einem bestimmten Medium eingeht. So käme es auch zustande, dass das vieldiskutierte Album der Rapper Kollegah und Farid Bang bereits im Dezember erschienen ist, der Antrag auf eine Prüfung aber erst vorletzte Woche bei der Prüfstelle eingegangen ist.

Zum Ausgang der Prüfung gibt Martina Hannak keine Prognose ab. Die beiden Vorgängeralben "Jung Brutal Gutaussehend" Teil eins und auch Teil zwei sind jedoch auf dem Index der Behörde gelandet. Damals hieß es: "Das Gremium stufte Inhalte der CD als jugendgefährdend ein, weil sie verrohend wirken, zu Gewalttätigkeiten anreizen und Frauen und Homosexuelle diskriminieren."

Es ist nicht das erste Mal, dass der Echo in die Kritik gerät. Bereits in den letzten Jahren gab es immer wieder Proteste gegen Echo-Nominierungen, namentlich wegen der Band Frei.Wild, der eine Nähe zur rechten Szene vorgeworfen wird. Wie es nach dem jüngsten Skandal mit dem Musikpreis weitergeht, gilt als offen. Die Musikbranche hat aber bereits eine grundsätzliche Überarbeitung angekündigt.

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