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Die Wut der Indigenen auf das System

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Proteste in Ecuador - Die Wut der Indigenen auf das System

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Die Demonstrationen gegen Sparmaßnahmen der Regierung in Ecuador reißen nicht ab. Im Zentrum der Kritik steht auch die Weltbank. Besuch in einem Epizentrum der Protestebewegung.

Spuren des Protestes: Weltbank raus, steht hier zu lesen.
Spuren des Protestes in Guayaquil, Ecuador: "Weltbank raus" steht hier zu lesen.
Quelle: Tobias Käufer

Schnell huschen die Aktivisten von Häuserwand zu Häuserwand in der Hafenstadt Guayaquil. In den Händen halten sie eine Schablone und schwarze Sprühfarbe. Wo sie anhalten, steht ein paar Sekunden später ihre politische Botschaft: "Weltbank raus". Am Ende sind es ein paar Dutzend Parolen, die in der Innenstadt der zweitgrößten ecuadorianischen Stadt zu lesen sind. Die Aktion löst Beifall, aber auch Wut aus. Für die einen ist es ziviler Ungehorsam, für die anderen Vandalismus.

Wir beenden unsere Proteste erst, wenn die Weltbank raus aus Ecuador ist.
Jaime Vargas, CONAIE

Der Widerstand gegen die von Präsident Lenin Moreno erlassenen Sparmaßnahmen nimmt zu. Inzwischen ist es ein offener Machtkampf in Ecuador. Und die Weltbank ist zum Synonym jener neoliberalen Kräfte geworden, die in den Augen der Aktivisten das Land unterwerfen wollen. So sieht es auch Jaime Vargas, der Präsident des Indigenen-Dachverbandes CONAIE, die eine treibende Kraft hinter den Protesten sind. "Wir beenden unsere Proteste erst, wenn die Weltbank raus aus Ecuador ist."

Ecuadorianer haben erneut in mehreren Städten gegen die Regierung demonstriert. Sie protestieren gegen erhöhte Spritpreise, die auf eine Beendigung von Subventionen folgten.

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Subventionen auf Benzin sollen gestrichen werden

"Die Politiker haben seit Jahren falsche Entscheidungen getroffen und nun sollen wir bluten."
Alberto Quintano, Busfahrer

Im Kern geht es um Sparmaßnahmen, die Ecuadors Präsident Moreno durchsetzen will. Unter anderem die Streichung von Subventionen auf Benzin und Diesel. Diese Maßnahme trifft die Menschen in Duran, einer Vorstadt von Guayaquil, besonders heftig. Hier leben viele vom Mindestlohn. Nicht nur die Tickets für die Busfahrt in die Stadt werden teurer, denn die Preiserhöhung legt die ecuadorianische Wirtschaft auf alle Produkte um. "Das ist nicht gerecht", sagt der Busfahrer Alberto Quintano. "Die Politiker haben seit Jahren falsche Entscheidungen getroffen und nun sollen wir bluten."

Angehörige indigener Völker protestieren in Ecuador.
Angehörige indigener Völker protestieren in Ecuador.
Quelle: Dolores Ochoa/AP/dpa

In Duran tobten die Proteste in den letzten Tagen besonders heftig. Der Großteil der Demonstranten blieb friedlich, ein kleiner Teil aber randalierte. Sie zerstörten kleine Geschäfte, einen Geldautomaten, warfen Scheiben ein und sprühten Parolen an die Wand. Dabei ging mehr zu Bruch als nur Glas. Die Menschen, die zum großen Teil hinter den Protesten stehen, lehnen diese Gewalt ab. Auch Indigenen-Vertreter Vargas muss sich rechtfertigen, muss erklären warum ein kleiner Teil der von ihm mobilisierten Demonstranten gewalttätig wurde. Er mutmaßt, dass die Proteste von Seite der Regierung und von Anhängern des Ex-Präsidenten Rafael Correas unterwandert wären. Dieser versucht aus seiner Wahlheimat Belgien heraus, sich an die Spitze der Protestbewegung zu stellen. Vargas will nicht das irgendein politisches Lager die Proteste für sich nutzt: "Nein zu Moreno, nein zu Correa."

UN und katholische Kirche wollen vermitteln

Inzwischen hat es Tote gegeben. Sicherheitskräfte wie auch einzelne Demonstranten gehen brutal vor. Besonders in Quito kommt es zu Auseinandersetzungen. Demonstranten wurden zweitweise schwer verletzt, Polizisten werden attackiert, Journalisten angegriffen. Ein Klima, in dem Verständigung enorm schwierig ist. Die Regierung stellt klar: "Wir sind bereit zu verhandeln." Die UN und die katholische Kirche stehen bereit. Im Prinzip auch die indigenen Demonstranten, sofern die Regierung die umstrittenen Sparmaßnahmen zurücknimmt.

Nun schauen alle auf CONAIE-Präsident Jaime Vargas. Er kann die indigenen Massen lenken und weiß, dass von ihm vieles abhängt. Präsident Moreno steht wegen der Repression der Demonstrationen mit dem Rücken zur Wand. Erneute Proteste sind wahrscheinlich. Schwer vorstellbar, dass unter diesen Voraussetzungen eine schnelle Einigung möglich ist. Nach mindestens vier Toten ist in Ecuador mehr zu Bruch gegangen als ein paar Fensterscheiben.

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