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Preiskampf im Einzelhandel - Edeka macht Front gegen Nestlé

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Edeka hat seine Einzelhändler aufgefordert, Produkte von Nestlé nicht mehr zu bestellen. Damit könnten bald Maggi-Suppen und Wagner-Pizzen aus den Edeka-Regalen verschwinden.

Frau geht mit Einkaufswagen an einem EDEKA-Logo vorbei
Frau geht mit Einkaufswagen an einem EDEKA-Logo vorbei
Quelle: dpa

Der Boykott trifft 163 Produkte von Nestlé. Die Einkaufsgemeinschaft Edeka hat den Einzelhändlern in ihrer Einkaufsgemeinschaft eine Liste geschickt, auf der diese Waren stehen. Sie sollen in den kommenden Tagen nach und nach aus den Läden verschwinden. Das hatte die "Lebensmittel Zeitung" berichtet. Auf Anfrage von heute.de hat eine Edeka-Filiale in Frankfurt bestätigt, dass sie einen solchen Brief bekommen habe. Im Detail dazu äußern wollte man sich aber nicht. Auch in der Edeka-Zentrale in Hamburg hält man sich noch bedeckt: Zu dem Bericht wolle man sich offiziell nicht äußern.

Einkaufsverbund will bessere Preise bei Nestlé durchsetzen

Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber, dass ein solches Vorgehen durchaus sein könne, wenn Verhandlungen zwischen den Einzelhändlern und einem großen Markenkonzern wie Nestlé laufen. Der Vorstoß von Edeka findet vor dem Hintergrund statt, dass auch der europäische Einkaufsverbund Agecore , dem Edeka angehört, Front gegen Nestlé macht. Diesem europäischen Einkaufsverband gehören unter anderem auch die französische Intermarché-Gruppe und die schweizerische Coop an. "Wir haben einen Bestellstopp auf über 150 Artikel veranlasst", bestätigte Coop-Sprecher Urs Meier heute.de. Der Bestellstopp gelte seit vergangener Woche für alle gekühlten Thomy-Salatsaucen. Ab heute folgten bei Coop bestimmte Produkte der Marken Nescafé, Buitoni oder Cailler. "Wir verlangen faire Einkaufspreise zu partnerschaftlichen Konditionen", sagte Meier weiter.

Hinter dem Boykott könnte demnach der Versuch stecken, ein Ungleichgewicht zu korrigieren: So habe nämlich der Einkaufsverbund Cooperic, dem unter anderem die Lebensmittelkette Rewe angehört, schon seit längerem bessere Konditionen mit Nestlé ausgehandelt. Deswegen will das Edeka-Bündnis nun ebenfalls bessere Konditionen für seine Mitglieder durchsetzen. Der Einzelhandelsspezialist von der Wirtschaftshochschule WHU, Martin Fassnacht, hält ein solches Vorgehen von Edeka für realistisch: "Der Handel in Deutschland ist hart umkämpft. Die vier großen: Edeka, Lidl, Aldi und Rewe haben einen Marktanteil von rund 85 Prozent. Wenn der eine bessere Preise bekommt als ein anderer, würde mich ein solches Vorgehen nicht wundern".

"Auslistungen" sind keine Seltenheit

Denn neben der harten Konkurrenz, die sich die vier Großeinzelhandelsketten gegenseitig liefern, macht ihnen zunehmend auch der Internet-Handel zu schaffen, dort zittert die Branche unter anderem vor dem Handelsriesen Amazon. Denn der hat im vergangenen Jahr in den USA die Bio-Supermarktkette Whole Foods aufgekauft. Damit erweitert Amazon sein Online-Geschäft mit stationären Filialen - und stößt so in den Lebensmittelhandel vor.

Im Rahmen regelmäßiger Preisverhandlungen zwischen Händlern und Herstellern sind vorübergehende "Auslistungen" von Produkten keine Seltenheit. So fanden sich bei der Supermarktkette Real vor drei Jahren zeitweise keine Produkte mehr von Dr. Oetker, Nestlé oder Müller Milch. Ein Jahr zuvor suchten Kunden bei Lidl zwei Monate lang vergeblich Coca-Cola-Flaschen in den Regalen.

Verbraucher könnten profitieren

Für Nestlé kommt der Boykott zur Unzeit. Denn dem Konzern machen Umbaukosten und eine schwächere Nachfrage zu schaffen. Das hat die Bilanz gezeigt, die das Unternehmen in der vergangenen Woche vorgelegt hat. Der Gewinn ging um fast 16 Prozent zurück, die Umsätze haben auf dem Niveau des Vorjahres stagniert. Am wenigsten kann es Nestlé also gerbrauchen, die Preise gegenüber einer Einkaufsinitiative wie Agecore in Zukunft zu senken. Wahrscheinlich wird der Konzern angesichts des konzertierten Boykotts dieser Großkunden in wichtigen Ländern Europas aber nicht umhin kommen, genau das zu tun.

Verbraucher schließlich könnten letztlich profitieren. Sollten Edeka und Co. bessere Preise bei Nestlé durchsetzen, könnten die in der harten Konkurrenz in Deutschland schließlich auch bei den Kunden ankommen.

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