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Ehe für alle startet heute - Die Hochzeit von Bodo und Karl

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Abgewiesen, verpartnert, verheiratet: Zum dritten Mal in 38 Jahren Beziehung treten Karl Kreile und Bodo Mende 2017 vor Standesbeamte. Als erstes verheiratetes schwules Paar erfüllt sich für sie ein Generationentraum.

Seit Sonntag können homosexuelle Paare in Deutschland heiraten. Vor rund drei Monaten hatte der Bundestag mit großer Mehrheit die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe zwischen Mann und Frau beschlossen.

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Im Sommer 1979 war West-Berlin noch eingemauert, Helmut Schmidt Bundeskanzler und Gloria Gaynors Disco-Klassiker "I Will Survive" frisch in den Charts, da verliebten sich Karl Kreile und Bodo Mende auf einer Party in Berlin-Schöneberg ineinander. 2017 sitzen sie im Café "Romeo & Romeo" im Schöneberger Szenekiez und fallen sich ins Wort, wie es sich für ein altes Ehepaar gehört. Für den Staat werden sie erst am 1. Oktober eines sein. "Dass wir jetzt noch nach 38 Jahren zusammen heiraten...", fängt Kreile an, da wirft Mende ein: "Im hohen Alter von 60 und 59, das ist ein bisschen absurd für heterosexuelle Verhältnisse!"

Jahrzehnte auf die Ehe gewartet

Die beiden Berliner Beamten traten am Sonntagmorgen aus dem Rathaus Schöneberg - als erstes homosexuelles Paar in Deutschland. Ohne wenn und aber, keine "Ehe light", wie die 2001 eingeführte eingetragene Lebenspartnerschaft oft genannt wurde. Die Ehe ist jetzt für alle da, und Kreile und Mende haben wie viele andere gleichgeschlechtliche Paare Jahrzehnte auf sie gewartet.

Den ersten - vergeblichen - Gang vors Standesamt traten sie schon vor 25 Jahren an. Schwule und lesbische Paare deutschlandweit bestellten bei der "Aktion Standesamt" 1992 das Aufgebot - wohl wissend, dass es hoffnungslos war. Abgewiesen wurden alle, die Nachricht von der Aktion aber schaffte es an die Spitze der ARD-Tagesschau.

"Ich empfand mich als zurückgesetzt und gekränkt, dass man unsere Beziehung nicht als wert erachtet, so gesehen zu werden, wie die anderen Beziehungen auch", erzählt Kreile. "Es wurde so getan, als ob wir nur Individuen sein dürfen, Sex-Individuen, das war's", fügt Mende hinzu. "Dass wir soziale Beziehungen haben, das wurde tabuisiert, das war der Skandal eigentlich. Deshalb ist unsere Generation dadurch geprägt, diesen Skandal beenden zu wollen."

"Es war ein mühseliger, erbärmlicher Prozess"

Ein Jahrzehnt später kam der Durchbruch: Im Juli 2002 bestätigte das Bundesverfassungsgericht, dass das ein Jahr zuvor verabschiedete Lebenspartnerschaftsgesetz mit dem Grundgesetz vereinbar war. Kreile und Mende traten ein zweites Mal vor Standesbeamte, verließen das Rote Rathaus als Mann und Mann und schmissen "zur Hochzeit von Bodo und Karl" eine Riesenparty, wie viele andere auch. 2015 lebten laut Mikrozensus 43.000 "verpartnerte" Paare in Deutschland, fast die Hälfte aller 94.000 zusammenlebenden homosexuellen Paare.

Für sich und ihr Umfeld galten Mende und Kreile ab dem Tag als verheiratet, doch rechtlich eben nicht: Von Mietrecht bis Erbrecht und Steuerrecht, zur Adoption leiblicher Kinder kam die Angleichung an die Rechte heterosexueller Eheleute erst nach Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht. "Die Pflichten waren vom ersten Tag an wie bei Ehepaaren, aber die Rechte waren minimal. Jedes Zugeständnis der Politik war durchgeklagt und dauerte Jahre", sagt Kreile. "Also es war ein mühseliger, erbärmlicher Prozess, das muss man so sagen, den die Politik da veranstaltet hat."

Nun heiraten die beiden erneut - als erste in Deutschland. Als Ende Juni innerhalb weniger Tage ein scheinbar beiläufiger Satz Angela Merkels zur historischen Abstimmung im Bundestag führte, seien sie bei den Nachrichten vom Sofa aufgesprungen, erzählt Kreile. Würdevoll soll es nun zugehen, Anzüge, Schnittchen, "keine Gaga-Veranstaltung", sondern "staatlicher Hoheitsakt", betont Mende. Statt einer zweiten Riesenparty ist zweisame Ruhe im Grünen geplant. Keine drei Wochen nach Umwandlung ihrer Lebenspartnerschaft zur Ehe steht der fünfzehnte Hochzeitstag an.

Noch immer Anfeindungen auf der Straße

Viel ändern wird sich in ihrem Leben nicht: Kinder adoptieren, das bedeutendste Recht, das gleichgeschlechtlichen Paaren verwehrt blieb, wollen die beiden nicht. Aber überall in ihrem Umfeld machten sich jetzt schwule und lesbische Paare in ihren Dreißigern über das Kinderkriegen Gedanken, erzählen sie. Die neue Generation könne sich jetzt endlich anderen Problemen widmen und über die gleichen Dinge nachdenken wie heterosexuelle Mittdreißiger.

Nun sei die staatliche Diskriminierung vorbei - gesellschaftlich sei die gleiche Anerkennung noch lange nicht selbstverständlich, noch immer gebe es Anfeindungen auf der Straße, betont Mende. Aber: "Jetzt haben wir eine Situation erreicht, wo wir das erste Mal sagen können: Wir sind gleichberechtigt. Und an diejenigen, die uns angreifen, auf der Straße ganz alltäglich: Ihr habt unrecht."

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