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Hamburg-Horn - Ehemalige Kirche wird Moschee

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Auf dem Dach prangt der Schriftzug "Allah" statt des Kreuzes: Fünf Millionen hat der Umbau der Kapernaum-Kirche in die Al-Nour-Moschee in Hamburg gekostet. Heute wird sie eröffnet.

Daniel Abdin ist ein Mann mit Visionen und mit einem langen Atem. Der 55-Jährige ist so etwas wie der Vater der Al-Nour-Moschee. Ihm ist es zu verdanken, dass jetzt mitten im Hamburger Stadtteil Horn eine Moschee steht, die der arabisch geprägten Al-Nour-Gemeinde ein neues Zuhause geben soll. Denn seit Jahren mussten sich die Gläubigen dieser muslimischen Glaubensgemeinschaft in einer Tiefgarage im Stadtteil St. Georg zusammendrängen. So sehr, dass zum Freitagsgebet in zwei "Schichten" gebetet werden musste.

Nun also die Al-Nour-Moschee in Horn, die bis zu ihrer Schließung 2002 eine Kirche war. Doch die Kapernaum-Kirche war eine zu viel in der evangelischen Gemeinde - zu wenig Gläubige, zu hohe Kosten. Jahrelang versuchte ein Investor, eine sinnvolle Nutzung zu vermitteln. Ohne Erfolg, bis der Moscheeverein um Daniel Abdin 2012 auf ein Inserat stieß. Und prompt Gefallen fand an dem roten Backsteinbau, an der Lage und sich vom zunehmenden Verfall des Gebäudes herausgefordert fühlte, den einst kirchlichen Ort als "Gotteshaus" wieder mit Leben zu füllen.

Längere Bauzeit und viel teurer als geplant

Doch die Renovierung und der Umbau zu einem islamischen Gebetsraum ging nicht so leicht und so schnell, wie es sich der Geschäftsmann und seine 2.500 Gemeindemitglieder erhofft hatten. Statt der ursprünglich veranschlagten 2,5 Millionen Euro kostet der Bau letztlich an die fünf Millionen. Einen gehörigen Batzen davon, über eine Million Euro, steuerte der Golfstaat Kuwait bei. Eine Spende, die an keinerlei Bedingungen geknüpft sei und gemeinnützig verwendet werden müsse, so heißt es dazu von Daniel Abdin, aber auch offiziell und generell vom Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD).

In der örtlichen Umgebung war die Moschee von Anfang an umstritten. Viele Anwohner sind skeptisch und warten ab, wie es läuft, wenn die Gläubigen zum Freitagsgebet kommen. Die Lautstärke und Parkplatzsituation sind für viele mit großen Fragezeichen verbunden. Und anfangs gab es auch viele Stimmen, die die Umwandlung eines christlichen in ein islamisches Gotteshaus ablehnten. Tatsächlich existiert seit 2007 eine kirchliche Verordnung, die die Umwandlung von Kirchen zu Moscheen untersagt. Die Kapernaum-Kirche allerdings wurde bereits lange vorher geschlossen und "entwidmet". Die eingeführten "Dialoge auf der Baustelle" haben Bürger und Interessierte angezogen und die Lage entspannt. Trotzdem gab es kürzlich rassistische Schmierereien, von denen sich Daniel Abdin aber nicht verunsichern lassen will. Er bekam daraufhin im Gegenteil sogar unzählige Solidaritätsbekundungen.

Interreligiöses Zusammenkommen

Susanne Juhl ist die örtliche Pastorin in Horn. Als sie 2001 in die Gemeinde kam, war es ihre erste Aufgabe, die Kirche "abzuwickeln". 17 Jahre später hat sie vor wenigen Wochen ein erstes interreligiöses Friedensgebet an neutralem Ort organisiert. Über 150 Menschen kamen zu der gemeinsamen Aktion der jüdischen, der islamischen und der evangelischen Gemeinde. Und es soll weitergehen. Die Al-Nour-Moschee soll ein transparenter Ort sein und gleichzeitig eine Brücke bilden zwischen den Religionen.

Zu zeigen, wie der Islam sich als friedliebende Religionsgemeinschaft versteht, ist das Anliegen von Daniel Abdin. Aus einer Tiefgarage heraus sei das schwer möglich, meint er. Dennoch soll die viel zentraler gelegene Moschee in St. Georg weiter betrieben werden, denn für viele Gläubige sei der Gebetsgang auch mit einem Einkauf in den dortigen arabischen Lebensmittelmärkten verbunden.

Nun also die Eröffnung der Moschee in dem Gebäude, auf dessen Dach das Kreuz gegen den arabischen Schriftzug "Allah" ausgetauscht wurde. Und am 3. Oktober, dem "Tag der offenen Moschee", sind alle Hamburger herzlich eingeladen, betont Daniel Abdin. "Aber eigentlich ist bei uns jeder Tag ein Tag der offenen Moschee."

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