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Nachwuchs gesucht - Ehrenamt in der Klemme

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Heute wird weltweit an das Ehrenamt erinnert. Ohne freiwilliges Engagement würde eine Gesellschaft nicht funktionieren - aber manches Ehrenamt steckt auch in der Klemme.

Heute ist Internationaler Tag des Ehrenamtes. Freiwilliges Engagement bildet die Basis für das Funktionieren einer Gesellschaft, doch es mangelt vielerorts an Nachwuchs, wie unser Reporter Markus Wolsiffer zu berichten weiß.

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"Wenn ich etwas mache, dann auch richtig. Deshalb bin ich immer dabei geblieben. Es ist einfach die Gemeinschaft!", sagt Dieter Schall, während er mit seiner Freiwilligen Feuerwehr mal wieder unterwegs ist. Dieses Mal am Samstag, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Aber Übung ist Übung und deshalb wäre er der Letzte, der sich darüber beschwert. Hier im Dörfchen Eckenroth in Rheinland-Pfalz ist er einer von neun Aktiven, die immer da sind, wenn sie gebraucht werden. Sie lieben und leben ihr Ehrenamt, aber sie haben auch ein echtes Problem: Der Nachwuchs fehlt. In ganz Deutschland und vor allem auf dem Land fällt es den Wehren zunehmend schwer, neue Mitglieder zu gewinnen.

Der Landkreis Bad Kreuznach, zu dem Eckenroth gehört, hat in den vergangenen 20 Jahren etwa 30 Prozent seiner aktiven Mitglieder in den Wehren verloren. Die Gründe sind vielfältig. Die Jungen zieht es eher in die Städte, wo es mehr Arbeit gibt, aber auch viel mehr Freizeitmöglichkeiten. Gleichzeitig nimmt die Bereitschaft ab, sich längerfristig zu binden. "Wir beobachten, dass viele Menschen nicht mehr so bereit sind, ein Ehrenamt zu übernehmen. Das trifft genauso Sport- und Musikvereine, bei der Feuerwehr ist es aber besonders gravierend, weil die Ehrenämtler für Sicherheit sorgen und Menschenleben retten," sagt Eckenroths Ortsbürgermeister Frank Seckler.

Der Arbeitgeber muss mitspielen

Dieter Schall, Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr in Eckenroth.
Dieter Schall, Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr in Eckenroth. Quelle: ZDF

Er selbst pendelt zur Arbeit und weiß, dass auch der Arbeitgeber mitspielen muss, wenn sein Mitarbeiter bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert ist. Einfach alles stehen und liegen lassen, wenn der Alarm ertönt - das findet nicht jeder Chef toll. Aber anders geht es oftmals nicht. In Rheinland-Pfalz gibt es nur sechs Berufsfeuerwehren, der Rest sind alles Freiwillige, die in Stadt und Land für Sicherheit sorgen. In acht Minuten müssen sie am Einsatzort sein - so will es das Gesetz. Bei der Personaldecke wird das immer schwieriger.

In Eckenroth sind sie am Rande ihrer Einsatzfähigkeit, vielen Dörfern geht es ähnlich. Hinzu kommt: Wer früher dem Wehrdienst entgehen wollte, der konnte sich stattdessen bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren. Die Zeiten sind vorbei und auch das spüren die Wehren. Eine schwierige Gemengelage.

Mehr Wertschätzung gefordert

In der zuständigen Kreisverwaltung kennt man die Nöte der Freiwilligen Feuerwehren. Landrätin Bettina Dickes fordert vor allem mehr Wertschätzung: "Feuerwehr darf und muss auch cool sein. Und es muss gesamtgesellschaftlich eine stärkere Würdigung geben." Die öffentliche Verwaltung müsse als Vorbild vorangehen und Mitarbeiter, die bei der Feuerwehr engagiert sind, auch aktiv unterstützen. Zudem müsse versucht werden, Neubürger für die Freiwillige Feuerwehr zu begeistern. Aber auch Ehrungen seien ein Thema: "Es ist wichtig, besonderes Engagement auch zu würdigen. Und vielleicht motiviert es den ein oder anderen, der bislang noch nicht dabei ist."

Dieter Schall und seine Freunde von der Freiwilligen Feuerwehr in Eckenroth kommt es nicht auf Ehrungen an, aber sie freuen sich, wenn ihr Engagement geschätzt wird. Und: Sie wollen nicht aufgeben. Sie werden alles versuchen, um die Freiwillige Feuerwehr vor Ort zu halten. Ihr Ehrenamt ist Ehrensache.

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