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Fipronil-Skandal - Eier: Bauern wollen Schadenersatz

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Es war eine Frage der Zeit: Nachdem Supermärkte ihre Eier wegen Giftvorwürfen aus dem Verkauf genommen haben, wird jetzt auch vor Salaten mit Eiern gewarnt. Unterdessen wehrt sich Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt gegen Kritik an seinem Krisenmanagement. Und der Bauernverband fordert Schadenersatz.

Neben Betrieben in Holland sind auch in Niedersachsen Hühner-Höfe betroffen, die mit dem giftigen Schädlingsbekämpfungsmittel Fipronil gereinigt wurden. Belastete Hühnereier müssen vernichtet werden, für betroffene Landwirte ein großer Schaden.

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Mit Fipronil belastete Eier oder daraus erzeugte Produkte sind inzwischen in 14 Bundesländern gefunden worden. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd räumten am Freitag alle Eier aus den Regalen. Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk (CDU) kritisierte dies: "Aus Sicht unserer heimischen Landwirtschaft, die redlich einwandfreie Eier produziert, ist der Schritt wohl eher nicht nachvollziehbar", sagte Hauk der "Stuttgarter Zeitung". "Für den einen oder anderen Bauern könnte das die Existenz bedrohen." Hauk versicherte, dass bisher keine Rückstände des Insektizids Finopril in Eiern aus baden-württembergischer Produktion gefunden worden seien.

Der Beauftragte für agrarsoziale Fragen der Evangelischen Kirche in Deutschland, Clemens Dirscherl, nannte die Vernichtung von Eiern "Blödsinn und ethisch nicht vertretbar". Die derzeitigen Reaktionen seien "typisch für unsere egomanische Hysterie-Gesellschaft". Dirscherl rät den Verbrauchern: weiter Eier verzehren. "Das faktische Gefährdungspotenzial geht Richtung Null - das gefühlte scheint lebensbedrohlich."

Auch Produkte mit verarbeiteten Eiern zurückgerufen

Am Freitagabend wurden erstmals verarbeitete Produkte zurückgerufen: Das Unternehmen Neue Mayo Feinkost rief sechs Salatprodukte zurück, für die Fipronil-Eier verarbeitet worden sein sollen. Betroffen von dem Salate-Rückruf sind Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, wie es auf der Seite lebensmittelwarnung.de heißt. Das betroffene Unternehmen habe vorbildlich und verantwortungsbewusst gehandelt und sich selbst gemeldet, betonte Wolf Gehrmann vom Verbraucherschutzministerium in Kiel.

In der Affäre um die giftbelasteten Eier wehrt sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gegen Kritik an seinem Krisenmanagement. "Die Lebensmittelüberwachung ist Aufgabe der Bundesländer. Trotzdem hat sich mein Haus unverzüglich eingeschaltet und befindet sich seit Bekanntwerden der Betroffenheit Deutschlands im engen Austausch mit den Behörden der Länder", sagte Schmidt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Kritik kam von den Grünen

Die Experten seines Hauses und der nachgeordneten Behörden seien "seit Tagen nahezu rund um die Uhr im Einsatz, um weitere Kenntnisse über den Sachverhalt zu erlangen und um den Informationsaustausch zwischen den Behörden sicherzustellen", betonte der CSU-Politiker in der "Passauer Neuen Presse". Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatte ihm zuvor vorgeworfen, tagelang in der Versenkung zu verschwinden, während die Verbraucher verunsichert seien. Dazu sagte Schmidt, er persönlich halte es für nicht angezeigt, "mit diesem Thema Wahlkampf zu machen".

Zum Vorwurf, dass es nicht genügend Lebensmittelkontrolleure gebe, sagte Schmidt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Es waren doch gerade die amtlichen Kontrollen, die den Vorgang aufgedeckt haben. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Lebensmittelbetrug und kriminelle Energie nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden können."

Giftmischung vermutlich aus Belgien

Vor allem in den Niederlanden war in Legehennenbetrieben das für diesen Zweck verbotene Insektengift Fipronil eingesetzt worden, viele der dort produzierten Eier wurden nach Deutschland verkauft. Die giftige Substanz gelangte nach derzeitigem Stand der Ermittlungen über das Reinigungsmittel Dega-16 in die Ställe. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt.

Ex-Agrarministerin Renate Künast fordert eine bessere Abstimmung zwischen Bund und Ländern bei Lebensmitteltests. "Dann kann nämlich jedes Bundesland seine Testkapazitäten auf andere Produktgruppen konzentrieren. So kommt man schneller zu einem Ergebnis", sagte die Grünen-Politikerin. "Wenn es schnell gehen soll und umfassend sein soll, dann muss der Bundesminister dafür Sorge tragen, dass es ein abgestimmtes Vorgehen gibt."

Ihrem Nachfolger Schmidt wirft Künast vor, er habe sich nach Bekanntwerden des Problems erst einmal nicht gekümmert. "Obwohl sich das Land entgeistert gefragt hat: Was machen eigentlich Läusebekämpfungsmittel in meinem Ei?"

Bauern wollen Schadenersatz

Der Deutsche Bauernverband fordert Schadenersatz für alle Hühnerbetriebe, die von dem illegalen Fipronil-Einsatz betroffen sind. "Die betroffenen Landwirte dürfen nicht auf ihren Schäden sitzen bleiben und müssen entschädigt werden", sagte der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Ein weiteres Problem mit Eiern: Wegen des Verdachts auf Salmonellen rief das Regensburger Unternehmen Axvitalis in vier Bundesländern Eier aus Bodenhaltung zurück. Betroffen sind Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Hessen, wie es am Freitagabend auf der Seite lebensmittelwarnung.de hieß. Bei einer Untersuchung sei das Bakterium Salmonella Enteritidis nachgewiesen worden.

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