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Debatte um Gutenberg-Museum - Ein Bibelturm für Mainz?

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Die geplante Modernisierung des Gutenberg-Museums sorgt in Mainz für Streit. Ein Turm mit Bronzefassade soll die Gutenberg-Bibeln beherbergen - heute stimmen die Bürger ab.

Die geplante Modernisierung des Gutenberg-Museums sorgt seit Jahren für Streit. Ein Turm mit Bronzefassade soll neue Herberge für die Gutenberg-Bibeln werden. Eine teure Idee.

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Es ist ein wahrer Glaubenskrieg, der im sonst eher gemütlichen Mainz in diesen Tagen tobt: Eine heiße Debatte um die Erweiterung des Mainzer Gutenberg-Museums, das sich zwar Weltmuseum nennt, aber schon lange nicht mehr internationalen Standards genügt. Das sagt sogar die Direktorin Annette Ludwig.

Queen Elizabeth im Gutenberg-Museum

Wenn Staatsgäste nach Mainz kommen, so wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im März 2018, werden sie gerne ins Gutenberg-Museum geführt. Vor 40 Jahren kam auch Queen Elizabeth bei Ihrem Deutschlandbesuch dort vorbei. Viele Mainzer erinnern sich bis heute an diesen Tag und an die legendäre Einladung des damaligen Mainzer Oberbürgermeisters Jockel Fuchs an Ihre Majestät: "Let’s go down in die Druckerwerkstatt".

Doch seit diesem royalen Besuch hat sich nichts Wesentliches getan im Museum. Dieselben Vitrinen, dieselbe Ausstattung. Eine Gebäudesanierung des Museumsbaus aus dem Jahre 1962 ist dringend nötig. Geschätzte Kosten: 40 bis 50 Millionen Euro. Die kann das hoch verschuldete Mainz nicht aufbringen, gerade mal fünf Millionen hat man zur Verfügung. Gelder, die eigentlich für den Brandschutz des Museums vorgesehen sind. Mit dieser Summe soll jetzt ein architektonisches Ausrufezeichen für die Aufbewahrung der wertvollen Gutenbergbibeln ganz in der Nähe des Doms entstehen, etwa so hoch wie der benachbarte Renaissancebau des Römischen Kaisers. Auch einen Namen hat das Projekt bereits: Bibelturm.

Turm mit Bibeln als Spendenbox und Werbeträger

Dieser Bibelturm nun, so das Kalkül der Mehrheit im Mainzer Stadtrat und der Museumsleitung, könnte staatliche und private Unterstützer überzeugen und das Geld für eine Museumsrenovierung einbringen. Ein Turm mit Bibeln als Spendenbox und Werbeträger sozusagen.

Doch funktioniert das? Die Meinungen gehen auseinander, selbst für prominente Mainzer Spaßmacher ist Schluss mit lustig. Der Kabarettist Lars Reichow, bekannt für sein "Fastnachtsjournal" kämpft schon seit Jahren für eine Erweiterung des Gutenberg-Museums. Der Bibelturm ist für ihn eine sehr gute Lösung, die symbolhaft für Aufbruch und Neuanfang stehen könnte.

"Er ist günstig und bezahlbar. Er hat eine interessante Oberflächenstruktur. Und er ist der geeignete Ort, um die Gutenbergbibeln aufzubewahren", meint er. Dem widerspricht Andreas Schmitt, sogenannter Obermessdiener und Sitzungspräsident der Fastnachts-Veranstaltung "Mainz bleibt Mainz". "Die Finanzierung ist nicht sicher gestellt, es sind lediglich Anfangsbeträge vorhanden, die nicht das gesamte Konzept abdecken. Und in eine historisch gewachsene Altstadt, in einen 2.000-jährigen Stadtkern einen Betonklotz zu setzen, das ist aus den 70er Jahren und heute nicht mehr vertretbar."

Leuchtturmprojekt, ein Hingucker, der Mainz ins Rampenlicht rücken wird?

Für die einen ist der geplante Bau ein Leuchtturmprojekt, ein Hingucker, der Mainz ins Rampenlicht rücken wird. Für die anderen ist er ein Millionengrab auf Steuerkosten. Nun sollen über 160.000 wahlberechtigte Mainzer im ersten Bürgerentscheid in der Geschichte ihrer Stadt mit Ja oder Nein auf die Frage antworten: "Soll das Gutenbergmuseum durch den Bau des "Bibelturms" am Liebfrauenplatz gemäß Beschluss des Stadtrats vom 8. Februar erweitert werden?"

Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg ermöglicht die Produktion von Büchern in großem Maßstab.

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Die Mainzer sind stolz auf Ihren Gutenberg, den Mann des Jahrtausends, wie sie ihn nennen. In diesem Jahr wird an seinen 550. Todestag erinnert. Seine Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metall-Lettern um 1450 war eine Jahrtausendentdeckung. Seine gedruckte Bibel gilt als der erste Bestseller der Menschheitsgeschichte. Um seiner Bedeutung gerecht zu werden, reicht ein Stadtmuseum nicht aus, meint der Berliner Kunsthistoriker Peter-Klaus Schuster.

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Das Land Rheinland-Pfalz und vor allem der Bund müssten ins Boot geholt werden. "Die Mainzer stehen ja Kopf vor diesem Problem, deshalb wird da vor allem politisiert. Aber das Problem ist, dass in unserem föderalen Deutschland, auf das wir auch so stolz sind, der Bund in solchen Fällen von der Stadt dazu gebeten werden muss. Und von daher müssen die Mainzer sagen: Wir wollen um Hilfe bitten, wir wollen um Unterstützung bitten. Und wir wollen uns selbst darstellen als eine wichtige Aufgabe, die sich gesamtdeutsch stellt", meint Schuster.

Die neue Mainzer Stadtschreiberin Anna Katharina Hahn blickt aus Ihrem Domizil im Gutenberg-Museum direkt auf die Stelle, wo heute Platanen stehen und der umstrittene Bibelturm gebaut werden soll. "Gutenberg ist mein Vermieter", sagt sie. Die Diskussion, wie mit dem Erbe des weltberühmten Erfinders umgegangen werden solle, hat sie gleich bei ihrem ersten Mainz-Besuch fasziniert. "Wir müssten uns alle, die wir ja so selbstverständlich mit der Buchdruckerkunst umgehen, nochmal überlegen, was für eine ungeheure Umwälzung, was für eine Medienrevolution Gutenbergs Erfindung tatsächlich verursacht hat. Er hat eine weltumspannende revolutionäre Erfindung gemacht und verdient in meinen Augen für diese Erfindung ein Monument, dessen Ausmaß eher in Richtung Freiheitsstatue gehen müsste."

Mehr Mut im Umgang mit dem berühmtesten Sohn der Stadt wünscht sich die Mainzer Stadtschreiberin. Eine Lösung vielleicht noch umfassender als der Bibelturm, finanziert von allen zusammen: von Stadt, Land, Bund und privaten Sponsoren. Und so könnte der erste Bürgerentscheid der Stadt ein wichtiger Schritt hin zu einer Bürgerbewegung für Gutenberg werden, über Mainz hinaus. Ganz gleich, wie die Entscheidung ausfällt.

Im Jahr 1450 wird von Mainz aus eine Erfindung die Welt verändern. Johannes von Gutenberg entwickelt den Buchdruck. Es ist die erste Medienrevolution der Geschichte.

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