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Ein Jahr Schulstreik fürs Klima - Gretas Reise: "Wie Camping auf der Achterbahn"

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Für Millionen Anhänger weltweit ist Greta Thunberg ein Idol, Kritiker sehen in der 16-jährigen Klimaaktivistin und "Fridays for Future"-Initiatorin hingegen eine Marionette.

Greta Thunberg am 14.08.2019 auf dem Schiff Malizia in Plymouth, Großbritannien
Vom Einzelkämpfer zur Ikone - seit einem Jahr kämpft Greta Thunberg dafür, Klimaschutz in den Fokus der Mächtigen zu rücken. Jetzt durch eine Schiffsreise. Eine anstrengende Aufgabe für eine 16-Jährige.
Quelle: picture alliance / empics

Es gibt unzählige Teenager, die auf Instagram täglich aufs Neue wie Models posieren. Und dann ist da Greta Thunberg, ein 16-jähriges Mädchen aus Schweden, das derzeit ebenfalls täglich neue Bilder von sich auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht.

Die Fotos zeigen die junge Klimaaktivistin während ihrer Atlantik-Überfahrt auf einer Renn-Yacht. "Das Leben auf der Malizia II ist wie Camping auf einer Achterbahn", schrieb Thunberg unter eines der Bilder. Das Boot schnellt mit hoher Geschwindigkeit über den Ozean, es ist laut und schwankt pausenlos.

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Gretas Segeltörn zur Klimakonferenz: Aus PR-Coup wird PR-Gau

Greta Thunberg sieht blass aus auf diesen Bildern. Sie hat einerseits noch etwas Kindliches an sich und wirkt doch entschlossen und ernst wie jemand, auf dessen Schultern die große Last der Verantwortung liegt. Die 16-Jährige tut sich die Strapazen einer nicht ungefährlichen etwa zweiwöchigen Überfahrt an, um somit zum UN-Klimagipfel in New York konsequent klimaneutral zu reisen. Das war das hochgesteckte Ziel. Inzwischen aber regt sich Kritik an der Überfahrt. "Gretas Törn schädlicher als Flug", titelte die "taz" vor wenigen Tagen als erste.

Der Grund: Im Zusammenhang mit der Überfahrt entstehen vier Atlantik-Flüge für die Crew, die das Boot später aus den USA nach Europa zurückführen muss. Hin- und Rückflüge für Greta Thunberg und ihren Vater als Begleiter hätten die gleiche Bilanz verursacht. Hinzu kommt allerdings, dass bislang noch ungeklärt ist, wie die Thunbergs später aus Amerika zurück nach Schweden reisen werden. Der PR-Coup entwickelt sich so eher zum PR-Gau.

Thunbergs Plan: Politiker auf großer Bühne unter Druck setzen

Kritiker sparen nicht mit Häme. Thunbergs Anhänger fürchten hingegen, dass ihr Idol Schaden nimmt. Schließlich erhoffen sich Millionen Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt nicht weniger, als dass Greta während des UN-Gipfels am 23. September die internationale Politik auf großer Bühne weiter unter Druck setzt, mehr gegen den gefürchteten Klimawandel zu tun und den Ausstoß von Treibhausgasen so zu senken, dass der Anstieg der globalen Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann.

Thunberg, die genau vor einem Jahr mit ihrem ersten Schulstreik die inzwischen international aktive "Fridays For Future"-Bewegung" initiiert hat, ist längst Stimme einer Generation, die deutlich stärker als bisherige Generationen unter den Folgen des Klimawandels leben muss. Ihre Auftritte bei der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz und auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Ort Davos sorgten international für Schlagzeilen. Auf Instagram und anderen Social-Media-Plattformen verfolgen Millionen Menschen gespannt ihre Botschaften. Die Begeisterung, die sie bei "Fridays for Future"-Demonstrationen auslöst, erinnert bisweilen an Popkonzerte.

Greta Thunberg: Asperger-Syndrom ist starker Antrieb

In Schweden ist die 16-Jährige zur "Frau des Jahres" gewählt worden, sie ist für den Friedensnobelpreis nominiert. Medien beschreiben Thunberg als "Ikone des Klimaschutzes", "Idol der Jugend" und "Hoffnungsgestalt". Doch mit Thunbergs Erfolg mehrt sich auch die Kritik an ihr – und vor allem an ihren Eltern, einer Opernsängerin und einem Schauspieler und Produzenten. Diese, so der Vorwurf, missbrauchten ihr Kind wie eine Marionette für wirtschaftliche Eigeninteressen und gefährdeten ihre Tochter, die am Asperger-Syndrom leidet.

Greta Thunberg
Lange kämpfte Greta ganz allein.
Quelle: ZDF

Zum Verständnis: Als Betroffene fällt es Greta Thunberg schwer, emotionale Signale anderer richtig zu deuten, "zwischen den Zeilen zu lesen" und entsprechend zu reagieren. Das kann zu Stress und sozialen Problemen führen. Die 16-Jährige geht offen mit ihrer Krankheit um und erklärt damit auch ihr sehr starkes Interesse für Umwelt- und Klimathemen und ihre Entschlossenheit, sich für eine klimafreundliche Politik einzusetzen. "Ich denke, wenn ich kein Asperger hätte, wäre das hier nicht möglich gewesen", sagt sie.

Psychologe: Thunberg mit unerschütterlichem Glauben

Auch der Jenaer Kommunikations- und Medienpsychologe Tobias Rothmund hält Thunbergs Persönlichkeitsprofil für einen gewichtigen Grund ihrer Wirksamkeit. Sie habe durch ihr mutiges Handeln und auch durch Gespräche mit Spitzenpolitikern gezeigt, "dass auch Kinder und Jugendliche etwas bewegen können". Rothmund spricht von "politischer Selbstwirksamkeitsüberzeugung". Thunberg bringe diesen unerschütterlichen Glauben mit, durch ihr Handeln etwas erreichen zu können und sie inspiriere andere dazu, "es ihr gleichzutun".   

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