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Ein Jahr in der Java-Straße - Freiwillig im Mikrokosmos gefangen

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600 Meter lang ist die Java-Straße in Amsterdam. 600 Meter, die an einem Park beginnen und an einer Eisenbahnbrücke enden. In diesem Mikrokosmos hat sich ein 29-jähriger Niederländer freiwillig für ein Jahr eingeschlossen.

Marnix Welt ist 600 Meter lang, mitten in Amsterdam. Der Niederländer kam auf die Idee, seine Straße ein Jahr lang nicht zu verlassen. Ein Mikrokosmos könnte man jetzt denken, doch sein Weltbild hat sich vergrößert.

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Vor zweieinhalb Jahren schon zog Marnix Haag in die Amsterdamer Java-Straße. Morgens eilte er zur Arbeit und kam spät abends wieder heim. Seine Nachbarn kannte er kaum. "Eine Sünde" nennt er das heute, wenn man ihn fragt, warum er denn auf die unglaubliche Idee kam, seine Straße ein ganzes Jahr lang nicht zu verlassen. Am 1. September 2016 begann er sein Projekt. "Viele meiner Altersgefährten reisen um die Welt, um mehr über sich zu lernen. Ich habe mir gedacht, wenn ich mich meinen Nachbarn öffne, dann lerne ich das Dreifache und kann die Freunde, die ich gewinne, auch behalten, weil sie meine Nachbarn sind."

Kellnern mit Kopfkamera

Als Techniker, VJ und Filmemacher hat er fürs Fernsehen gearbeitet. Darum lag es nah, dass er seinen Selbstversuch auch filmisch festhält. Auf seiner Internetseite lässt er andere an seinen Erlebnissen teilhaben. Er erklärt, dass der Imbissladen "Jaffa" ihm zum Namen seiner Website inspiriert hat und jeder kann ihm zuschauen, wie er lernt, Döner-Fleisch zu schneiden.

Er hilft den Straßenfegern, die dreimal pro Tag für Ordnung sorgen. Früher ist er achtlos an ihnen vorübergegangen, jetzt lernt er sie zu respektieren und erzählt ihre Geschichten. Oder er arbeitet als Kellner in einer Kneipe, mit einer kleinen Kamera auf dem Kopf, damit er beide Hände frei hat und trotzdem jeder sieht, was er so sieht. "Jaffa Jaffa" rufen sie ständig in seinen Videos und "Jaffa Jaffa" rufen sie ihm entgegen, wenn sie ihn auf der Straße treffen.

Mit kleinen Dingen Großes erreichen

Ein Spinner, ein Weltverbesserer mag man meinen, doch einer der getrieben ist von der Idee, dass man im Kleinen Dinge erreichen kann, die Großes bewirken. Darum macht Marnix nicht nur irgendwo mit, sondern organisiert auch selbst Events. Ein Hoverboard-Wettbewerb für Kinder der Straße zum Beispiel und anderes, was die Nachbarn einander näherbringt.

Beim Bingo-Abend müssen die Leute selbst Preise stiften: Dinge, die sie schon immer mal loswerden wollten. Auch der einmalig geplante Suppenabend findet nun regelmäßig statt. Voll ist seine Agenda, da bleibt nicht mehr viel Zeit für Freunde und Familie. Marnix beschreibt das so: "Meine Freundin findet es super, und sie ist sehr stolz, aber ich kann nicht abstreiten, dass es Spannungen gab. Sie wohnt zwei Straßen weiter und muss immer hierher kommen, wenn wir uns treffen wollen".

Java-Straße mittlerweile in der ganzen Welt bekannt

Unzweifelhaft ist er auch ein Selbstinszenierer. Mit Sakko und Fliege steht er an seinem Fenster und dirigiert, wie ein richtiger Dirigent, das Orchester aus Fahrrädern, Autos, schwatzenden Fußgängern, das mal laut, mal leise den ganzen Tag über hier zu hören ist. Oder er klettert auf einen Schornstein, um allen zu erklären, dies sei der höchste Punkt der Java-Straße. Blue Monday ist eine weitere Aktion: Früh morgens sitzt er auf einem Höckerchen an der Eisenbahnbrücke, die seinen Mikrokosmos begrenzt und ruft in ein Mikrofon jenen, die zur Arbeit fahren, einen "schönen guten Morgen" zu.

Alles was er braucht, gibt es in der Java-Straße: Supermarkt, Bäcker, Hausarzt, Apotheke.
Über Crowdfunding finanziert Marnix in diesem einen Jahr sein Leben. Auch die Gemeinde von Amsterdam Ost hat ein wenig dazu gegeben. Es ist ihm gelungen, die Java-Straße in der Welt bekannt zu machen. Längst berichten nicht nur die nationalen, sondern auch die internationalen Medien über ihn.

Wenn alles vorbei ist, springt er ins Meer

Auf einem riesigen Kalender in seinem Büro streicht er jeden einzelnen Tag ab und weiß schon genau, was er am 1. September macht: "Der 1. September ist ein Freitag. Punkt 16.30 Uhr läuft die Uhr ab", sagt er und fügt hinzu: "Dann stehe ich hier in meinen Fahrradoutfit, renne nach unten, fahre zum Meer und springe hinein."

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