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Ein Jahr Air-Berlin-Pleite - Neuverteilung nach GAU am Flugmarkt

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Ein Jahr nach der Insolvenz von Air Berlin hat sich das Airline-Thema in Deutschland weitgehend beruhigt. In mancherlei Hinsicht ein turbulentes Jahr, wie Branchenkenner berichten.

Air Berlin fliegt nicht mehr. Symbol
Seit einem Jahr fliegt Air Berlin nicht mehr.
Quelle: Roland Weihrauch/dpa

Genau ein Jahr ist es nun her, dass Air Berlin Insolvenz angemeldet – und wiederum zwei Monate später den letzten Flug abgewickelt hat. Das Ende der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands. Da war, salopp gesagt, nicht mal eben ein Linienbus ausgefallen. "Air Berlin hat im Jahr rund 30 Millionen Passagiere befördert. So eine Lücke muss natürlich erst einmal geschlossen werden, aber das geht bei Airlines nun mal nicht in einigen Tagen", sagt Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft BDL. Ein GAU für einen Wachstumsmarkt.

Integration neuer Maschinen braucht Zeit

So ein Aufbau alternativer Kapazitäten ziehe sich oft über viele Monate, sagt von Randow. "Jedes einzelne Flugzeug mit seiner Crew und seinen Wartungsroutinen, das neu zu einer Fluglinie hinzukommt, ist wie ein eigenständiges mittelständisches Unternehmen. Wenn man nun 70 bis 80 solcher Maschinen in einen laufenden Betrieb integrieren möchte, dauert das einfach seine Zeit."

Fluggäste in Deutschland haben dies in den ersten Monaten nach der Insolvenz vor allem durch steigende Ticketpreise zu spüren bekommen. "Mit dem Wegfall von Air Berlin fehlten viele preiswerte Tickets am Markt, so wie häufig auch bei Insolvenzen in anderen Branchen vorübergehend Engpässe am Markt entstehen", erklärt der BDL-Hauptgeschäftsführer. Dies sei jedoch sehr schnell kompensiert worden. In seinen aktuellen Halbjahreszahlen berichtet der BDL inzwischen sogar von Ticketpreisen auf einem historischen Tiefstand.

Ausländische Airlines haben Lücken geschlossen

"Direkt nach der Insolvenz von Air Berlin hat natürlich der Kampf um die Neuverteilung am Markt begonnen", sagt David Haße, Herausgeber des Flugportals Airliners.de. Ein Ringen, bei dem vor allem ausländische Fluggesellschaften schnell in die Bresche gesprungen sind. Dies sehe man beispielsweise gut am Standort Berlin-Tegel, wo sich neben TUI fly und Germania auch Easyjet (Großbritannien), LOT (Polen) oder auch Scoot (Singapur) sowie US-amerikanische Linien platziert haben.

Am einst zweiten großen Standort der Air Berlin, in Düsseldorf, hat laut David Haße Eurowings stark Fuß fassen können, was transatlantische Langstreckenflüge angeht. "Sehr stark vertreten ist dort jetzt auch Laudamotion, die bereits in Teilen Ryanair gehört", so Haße. Und nicht zu vergessen Palma de Mallorca: Dort sei Laudamotion zusammen mit Ryanair nun Platzhirsch.

Mehr Verspätungen – aber nicht nur wegen Air Berlin

Dass Flugpassagiere gegenwärtig mehr Verspätungen hinnehmen müssen als vor der Insolvenz von Air Berlin, hat nur noch zu einem Teil mit dem Wegfall von Air Berlin zu tun, so Matthias von Randow vom BDL: "Wir haben in diesem Jahr in ganz Europa mehr Flugbewegungen als vorausgesagt und damit werden auch Kapazitätsengpässe spürbar." Im Durchschnitt hatte ein Flug in diesem Juni 17,5 Minuten Verspätung, vor einem Jahr waren es noch 13,1 Minuten. Es gebe saisonale Gründe, wie die Streiks und die ungewöhnliche Zunahme von Schlechtwetterereignissen im ersten Halbjahr. Aber strukturelle Gründe seien eben neben der noch nicht vollendeten Air-Berlin-Integration der immer noch zersplitterte europäische Flugsicherungsraum, unflexible Betriebszeiten an deutschen Flughäfen sowie lange Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen, so von Randow.

Nach Flugplananmeldungen werden laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft im Spätsommer die Kapazitäten sogar höher sein als vor der Air-Berlin-Pleite. Alles also so wie vorher? Fast – außer dass der Markt sein Gesicht verändert hat. "Der Anteil deutscher Gesellschaften, die von deutschen Flughäfen abfliegen, ist seit Jahren rückläufig. 2012 waren es noch 66,1 Prozent, in diesem Jahr 56,7 Prozent", sagt BDL-Hauptgeschäftsführer von Randow.

Konsolidierung am Flugmarkt noch nicht beendet

"Luftverkehr findet im intensiven Wettbewerb statt – um Qualität, Angebote und Preise", so von Randow. In welche Richtung eine kommende Konsolidierung gehen könnte, zeigt ein Blick in die USA. "Die fünf größten Airlines bilden dort bereits 85 Prozent des Marktes ab. In Europa liegt der Anteil der fünf größten Airlines bei gerade einmal 66 Prozent", fasst von Randow zusammen. Es bleibt also auch zukünftig Bewegung im Flugmarkt. Was der Endverbraucher zuerst bei Werbemaßnahmen wahrnehmen dürfte. "Mittlerweile erinnern einen die Plakate in Berlin wieder an die erste Zeit der Billigflieger", sagt David Haße von Airliners.de, "da wird wie damals mit 7,99 Euro für einen Flug geworben."

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