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Ein Jahr Reformationsjubiläum - Viele Impulse, wenig Veränderungen

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Das 500. Reformationsjubiläum hat im Jahr eins danach weder Deutschland noch die Evangelische Kirche tiefgreifend verändert. Gibt es trotzdem Impulse, die uns heute erreichen?

Ab diesem Jahr ist der Reformationstag in vier weiteren Bundesländern ein Feiertag. Unter anderem wegen judenfeindlicher Schriften des Reformators Luther stößt der Beschluss auf Kritik.

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Rückblickend fällt auf: Ein großer Teil der Gesellschaft war offen und interessiert daran, die Reformation als einen wichtigen Teil der deutschen Geschichte und Kultur zu feiern. Kirche, Staat, Länder und Kommunen waren die Akteure des Erinnerns. Am Tag selbst wurde mit einer Fülle von Veranstaltungen und einem Staatsakt an diesen besonderen Tag gedacht.

Luther - Kein konfessioneller Rambock

Was vor 500 Jahren  bekenntnisbildend war, ist identitätsstiftend geworden. Aber - und das ist das Erstaunliche in Zeiten von Fake News, Hasskommentaren und Filterblasen - nicht im identitären, abgrenzenden und ausschließenden Sinn. Luther wurde nicht als konfessioneller Rammbock und nicht als deutscher Held missbraucht. Es wurde ein Luther vorgestellt, der für enorme Leistungen, aber auch für Brüche, Fehler und Zumutungen steht. Luther taugte weder als nationaler noch als konfessioneller Heiliger.

Trotzdem oder gerade deshalb konnte sich eine Nation auf ihn als eine identitätsstiftende Persönlichkeit einigen. Bei den Kirchen gaben der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx frühzeitig die Richtung vor: Das Reformationsjubiläum sollte ökumenisch gefeiert werden. Entscheidend war dabei, Luther zu würdigen, ohne die Unterschiede zwischen den Konfessionen einzuebnen. In Zeiten zunehmender Polarisierungen ist es ein nicht selbstverständlicher Lernwert, in dieser Weise mit Unterschieden umzugehen.

Gemeinsame Geschichte, neu entdeckt

Für alle, die sich für die Reformation interessierten, bot das Jubiläumsjahr auch die Gelegenheit, neue Erfahrungen zu machen. Orte wie Mansfeld,  Eisleben oder Torgau waren gerade für viele Westdeutsche weiße Flecken auf der Landkarte. Besonders Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit ihren authentischen Lutherorten lockten viele Besucher an.

Ein Kulturraum wurde neu entdeckt: gemeinsame Geschichte, Orte und Ereignisse, die für die ganz Deutschland von entscheidender Bedeutung sind. Wenn jetzt Ereignisse in Städten wie Chemnitz das Bild von Ostdeutschland bestimmen, ist es gut, an diese gemeinsamen Erfahrungen zu erinnern und daran anzuknüpfen. 

"ChurchNight" erwartet zehntausende junge Menschen

Die Bedeutung des Reformationstages hat zugenommen. Ein Zeichen dafür ist, dass er als neuer Feiertag in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen eingeführt wurde. Da mag es auch eine Rolle gespielt haben, dass man mit Blick auf einige südliche Bundesländer einen zusätzlichen Feiertag haben wollte.
An diesem Reformationstag werden zur "ChurchNight" bundesweit zehntausende junge Menschen erwartet. An vielen Orten wird an reformatorische Themen wie Gnade, Freiheit und Bibel erinnert. Auf alle Fälle ist dies eine deutliche Alternative zu Halloween.

Reinold Hartmann ist Leiter der Redaktion Kirche und Leben evangelisch.

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