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Präsident "schafft Unsicherheit" - Der Trump-Faktor im Welthandel

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Vor einem Jahr haben die USA und China begonnen, sich mit Strafzöllen zu überziehen. Seither hat die Unsicherheit zugenommen - manche Ökonomen befürchten eine Rezession.

Archiv: Containerschiff wird entladen in Norfolk, USA, aufgenommen am 09.05.2019
"Das Hauptproblem ist die Unsicherheit, die Trump schafft", sagt der Ökonom Gabriel Felbermayr.
Quelle: AP

Das zweite Halbjahr 2018 hat einen Vorgeschmack auf das gegeben, was zumindest droht: Eine Rezession, möglicherweise weltweit. "Das Hauptproblem ist die Unsicherheit, die Trump schafft. Man weiß nicht, welches Land demnächst in sein Visier gerät", sagt der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr.

Mexiko und Europa im Visier

Im Fokus der Sanktionen von US-Präsident Donald Trump steht seit einem Jahr insbesondere China. Am 15. Juni 2018 hatte Trump deswegen die ersten Zölle auf Waren aus China angekündigt. Seither ist der Handelsstreit immer weiter eskaliert. Mittlerweile gelten Strafzölle für Waren aus China im Volumen von rund 200 Milliarden US-Dollar. Und die Regierung in Peking blieb nicht tatenlos. Sie reagierte ebenfalls mit Strafzöllen auf Produkte und Rohstoffe, die aus den USA die Grenze nach China passieren.

Vor kurzem drohte Trump auch Mexiko damit, auf alle Ausfuhren in die USA Strafzölle zu erheben. Mexiko erzielte jedoch vorerst eine Einigung mit den USA. Das Land kündigte gemäß der Forderung Trumps Maßnahmen an, um die illegale Migration von Menschen aus Mittelamerika in die USA zu unterbinden. Trump hat allerdings angekündigt, die Zölle einzuführen, sollten ihm die Maßnahmen nicht ausreichen.

Handelskonflikte kosten Wachstum

Noch kann kaum ein Ökonom realistisch beziffern, wie stark oder ob sich das Wachstum der Weltwirtschaft aufgrund der Strafzölle und Handelskonflikte verlangsamt hat; denn seit dem Tiefpunkt der weltweiten Wirtschaftskrise infolge der Pleite von Lehman Brothers und dem Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes vor gut zehn Jahren befindet sich die Weltwirtschaft im Aufschwung. Das Ende eines solchen Aufwärtszyklus wäre aus Sicht von Volkswirten nichts Außergewöhnliches. Dennoch ist Carsten Brzeski, ING-Chefvolkswirt, überzeugt: "Die Spannungen zwischen den USA und China haben deutlich den Abschwung der Weltwirtschaft beschleunigt".

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die neuen Handelskonflikte die Weltwirtschaft rund ein halbes Prozent Wachstum kosten. So rief IWF-Chefin Christine Lagarde vor wenigen Tagen auf einer Wirtschaftskonferenz in Frankfurt dazu auf, dass alle politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen auf der Welt Gespräche suchen sollten, um den weltweiten Handel - und damit das Wachstum - nicht weiter zu gefährden.

Bremsspuren schon deutlich zu erkennen

Bremsspuren jedenfalls zeigen sich mittlerweile deutlich - beispielsweise am Rückgang des Wachstums in China. Das ist gerade für exportorientierte Volkswirtschaften wie die deutsche ein Problem. Denn damit sinkt in China auch die Nachfrage nach Gütern aus anderen Ländern wie Deutschland. "Verunsicherte Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher verschieben möglicherweise Anschaffungen", analysiert Felbermayr. Dieser Schaden sei wahrscheinlich deutlich größer als der, der tatsächlich durch die Zölle verursacht wird.

Kaufzurückhaltung zeigt sich in unsicheren Zeiten gerade bei teuren Anschaffungen wie neuen Autos. Und die Autoindustrie ist nicht nur hierzulande eine der Kernindustrien. So prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, dass die Zoll- und Handelskonflikte den Automarkt weltweit in eine tiefe Krise ziehen. In diesem Jahr, so schätzt der Autoexperte, werden die weltweiten Autoverkäufe um rund fünf Prozent oder vier Millionen Fahrzeuge schrumpfen. "So erheblich war der Rückgang selbst in der Weltfinanzkrise 2008 und 2009 nicht. Derzeit erleben wir den größten Einbruch des Weltautomarkts seit mehr als 20 Jahren".

Autoexperte: "Krisenszenario könnte kaum größer sein"

Sollte Donald Trump seine jüngste Drohung in Richtung China wahrmachen, also auch die übrigen Exporte aus China im Volumen von rund 300 Milliarden US-Dollar mit Zöllen überziehen, so bestehe die Gefahr einer schweren weltweiten Autokrise, meint Dudenhöffer. Möglicherweise ist die aber schon da. Denn auf dem weltweit wichtigsten Automarkt in China sind die Absätze im Mai um 16 Prozent regelrecht eingebrochen, wie der chinesische Autoverband CAAM am Freitag mitgeteilt hat.

Dieses Szenario einer weltweiten "Autokrise" erscheint umso realistischer, als der US-Präsident auch den Europäern mit Zöllen in Höhe von 25 Prozent gedroht hat - und zwar auf Autos und Autoteile. Dieses Szenario hat Dudenhöffer in seine Prognose der Absatzrückgänge nicht einmal einfließen lassen. Sein Fazit deshalb: "Das Krisenszenario könnte kaum größer sein."

Neuer Ost-West-Konflikt?

Dessen ungeachtet aber steht die Frage im Raum: Warum geht Trump mit seiner Konfliktpolitik derartige Risiken ein, unter denen mutmaßlich die US-Wirtschaft ebenso leiden wird wie die Wirtschaft in anderen Regionen der Welt? Sein Argument sind die Handelsüberschüsse, also die Tatsache, dass ein Ungleichgewicht besteht zwischen starken Exporten etwa seitens China und Deutschland in die USA gegenüber vergleichsweise weniger Exporten der USA in diese Länder. Der Ökonom Heiner Flassbeck sagt im Interview mit heute.de, dass Trump hier berechtigterweise den Finger in eine Wunde lege: "Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn".

Allerdings fehlt einem blinden Huhn definitionsgemäß die Weitsicht. Deswegen ist Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer überzeugt: "Finden die USA und China keinen Modus Vivendi, droht die Weltwirtschaft über die Jahre in eine westliche und östliche Sphäre zu zerfallen. All diese Risiken haben sich wie Mehltau auf die Weltwirtschaft gelegt".

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