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Ein Jahr vor der US-Wahl - Wahlkampf wird zunehmend hitzig

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Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl diskreditieren sich die Demokraten gegenseitig. Das hilft vor allem Donald Trump.

Trump machte auf Twitter Werbung für seinen Sohn.
Donald Trump wird 2020 zur Wiederwahl antreten.
Quelle: Susan Walsh/AP/dpa

Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in den USA mussten die Republikaner um Präsident Donald Trump bei der Gouverneurswahl im Bundesstaat Kentucky eine Niederlage hinnehmen. Doch auch bei den Demokraten ist die Anspannung hoch. Prof. Dr. Christian Lammert, Experte für US-amerikanische Politik und Wahlkampf an der Freien Universität Berlin, warnt vor zunehmend hitzigen Auseinandersetzungen unter den demokratischen Präsidentschaftskandidaten.

Trumps Unterstützung hilft in Kentucky nicht

Noch am Abend vor der Gouverneurswahl in Kentucky hatte Trump sich für den amtierenden Gouverneur Matt Bevin eingesetzt. Auf einer Wahlkampfveranstaltung warb der Präsident um die Gunst der Wähler für Bevin. Geholfen schien der Zuspruch des Präsidenten nicht zu haben. Bevin war bei der Gouverneurswahl am Dienstag in Kentucky seinem demokratischen Herausforderer Andy Beshear unterlegen.

Professor Lammert erklärt, das Wahlergebnis habe Trumps Position innerhalb seiner Partei wohl nicht geschadet. Und auch die Demokraten könnten "aufatmen", denn das Impeachment-Verfahren scheine ihnen bisher nicht zu schaden.

Vorwahlkampf der Demokraten geht in die heiße Phase

Archiv: Bernie Sanders, Joe Biden, Elizabeth Warren und Pete Buttigieg am 15.10.2019 in Westerville
Die führende Vierergruppe unter den Demokraten: Bernie Sanders, Joe Biden, Elizabeth Warren und Pete Buttigieg.
Quelle: Reuters

Welcher Demokrat Trump bei der Präsidentschaftswahl am 3. November 2020 herausfordern wird, steht bisher noch nicht fest. Seit Monaten läuft der Wahlkampf zur Nominierung eines Kandidaten für die Demokraten. Jetzt läuft die heiße Phase des Wahlkampfes an. Beworben hatten sich 26 Kandidaten, nach aktuellem Stand sind nun noch 17 im Rennen. Für einige der Verbliebenen scheint es langsam eng zu werden.

Kamala Harris und Julian Castro gaben in den letzten Tagen bekannt, dass sie ihre Kampagnen-Büros in vielen Bundesstaaten schließen werden und sich stattdessen ausschließlich auf Iowa zu konzentrieren. Für Lammert eine "riskante Entscheidung". Die Wahlkampfkassen seien bei den beiden Kandidaten nicht mehr gefüllt. "Das sagt auch etwas über die Popularität der beiden Kampagnen aus", so Lammert weiter. Es deute alles auf einen "baldigen Ausstieg" hin.

Der Ton wird schärfer

"Eine intensive politische Auseinandersetzung kann den Demokraten schaden."
Professor Christian Lammert

In der führenden Vierergruppe um Elizabeth Warren, Joe Biden, Bernie Sanders und Pete Buttigieg wird der Wahlkampf unterdessen immer härter und es werden zunehmend scharfe Töne angeschlagen. Buttigieg distanzierte sich zuletzt deutlich von Warren. Auch Biden und Sanders griffen die Senatorin aus Massachusetts, die in vielen Umfragen in Iowa auf dem ersten Platz steht, teils heftig an. "Eine intensive politische Auseinandersetzung kann den Demokraten schaden", warnt Lammert.

Zum einen könne es zu einer tieferen Spaltung der Partei führen, und zum anderen könnten so Angriffspunkte entstehen, welche die Republikaner beim Wahlkampf im Herbst nutzen könnten. "Die Demokraten müssen nach den Vorwahlen und insbesondere auf der Party Convention im Sommer 2020 die Partei wieder zusammenbringen und die zentralen Botschaften für den Hauptwahlkampf artikulieren", so Lammert.

Einzelne Bundesstaaten könnten die Wahl erneut entscheiden

In landesweiten Umfragen liegt Trump derzeit deutlich hinter den vier Spitzenkandidaten der Demokraten. Doch in den USA ist das nicht immer entscheidend. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 konnte Hillary Clinton fast 3 Millionen Stimmen mehr als Trump in der gesamten Bevölkerung erreichen. Trotzdem wurde sie nicht Präsidentin. Grund dafür war Trumps Erfolg in den sogenannten "Swing States". Auch im kommenden Jahr könnte sich dort wieder die Wahl entscheiden.

Wahlmänner? Swing-States? The winner takes it all? Das US-Wahlsystem ist kompliziert. Claus Kleber bringt Licht ins Dunkel. #Kleberklärt

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3 min
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In den USA herrscht ein sogenanntes "winner-takes-all"-System. Das heißt, der Kandidat mit den meisten Stimmen im jeweiligen Bundesstaat erhält dort alle Wahlmännerstimmen für das Electoral College. So können wenige Stimmen entscheidend sein. "Die Demokraten müssen dieses Mal eine bessere Wahlkampfstrategie entwickeln, die die Mechanismen des Electoral College stärker berücksichtigen", so Lammert.

Umfragen zeigen starke Werte für den Präsidenten in Arizona, Florida, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin. Seine möglichen demokratischen Gegner können ihn nur in ein paar dieser Staaten um wenige Prozentpunkte überbieten. Für Lammert ist ganz klar, dass Trump auch im kommenden Jahr trotz Niederlage auf der nationalen Ebene wieder einen Wahlsieg durch das Electoral College erreichen könnte.

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