ZDFheute

Woidke im Gegenwind - aus vier Richtungen

Sie sind hier:

Wahlkampf in Brandenburg - Woidke im Gegenwind - aus vier Richtungen

Datum:

Seit der Wende hat es immer einen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten in Brandenburg gegeben. Unbestritten war die SPD die Brandenburg-Partei. Doch das kann sich jetzt ändern.

Bei der letzten Wahl kam die SPD in Brandenburg noch auf stolze 31,9 Prozent. Nach Manfred Stolpe und Matthias Platzeck übernahm Dietmar Woidke das Amt des Ministerpräsidenten.

Dietmar Woidke
Dietmar Woidke
Quelle: reuters

Doch so charismatisch und beliebt wie seine Vorgänger ist er nicht. Er tut sich schwerer damit, auf die Menschen zu zugehen. Ein wichtiges Projekt der Regierung - die Kreisgebietsreform - wurde in letzter Minute abgeblasen, zu viel Widerstand gab es im Land, auch aus den eigenen Reihen.

Trotzdem setzt Woidke im Wahlkampf auf sich selbst. Immerhin liegen seine Popularitätswerte noch vor den anderen Spitzenkandidaten. Immer wieder beschwört er den Zusammenhalt im Land, er wünscht sich, "dass die Menschen zusammenstehen und sich von rechten Hetzern nicht auseinandertreiben lassen."

Linke setzen auf Ost-Kompetenz

Sebastian Walter und Kathrin Dannenberg
Sebastian Walter und Kathrin Dannenberg.
Quelle: dpa

Die Linke regiert seit zehn Jahren mit im Land. Ihren Nimbus als Protest-Partei hat sie verloren. In diesem Wahlkampf besinnen die Linken sich auf ihre Ost- Kompetenz, wollen mit alten Themen punkten. Ihre neueste Forderung: ein Untersuchungsausschuss, der die möglichen Fehler der Treuhand aufarbeiten soll. Das Spitzenduo Kathrin Dannenberg und Sebastian Walter ist im Land kaum bekannt. Dabei sind die Linken selbstkritisch, Kathrin Dannenberg formuliert es so: "Wir müssen zuhören und wir müssen die richtigen Fragen stellen. Das ist wichtig, das haben wir in den letzten Jahren anscheinend verpasst."

Was den Brandenburgern untern den Nägeln brennt

Egal ob auf dem Land oder im Speckgürtel: Die Klagen sind die gleichen. Die Brandenburger wünschen sich eine bessere Infrastruktur. Jahrelang ging man in der Politik davon aus, dass Brandenburg schrumpft und älter wird. Doch das Land wächst, gerade junge Familie und Studierende kommen hier her. Doch die Infrastruktur wächst nicht mit. Zu wenig Lehrer und volle Pendlerzüge frustrieren die Menschen.

Wer aus Berlin nach Brandenburg zieht, kann sich zwar über niedrigere Mieten freuen, ärgert sich aber über ein langsames Netz. Auf dem Land ist das für viele zum Problem geworden. Hier wurde der öffentliche Nahverkehr ausgedünnt und Funklöcher machen gerade kleinen Gewerbetrieben das Leben schwer. Wer in der Uckermark oder der Prignitz wohnt, fühlt sich abgeschnitten und allein gelassen.

Strukturwandel - aber wie?

Die Lausitz lebt von der Braunkohle. Der Energiekonzern LEAG ist der größte Arbeitgeber in der Region, rund 8.000 Menschen arbeiten direkt im Tagebau und in den Kraftwerken. Mehr als 20.000 Arbeitsplätze hängen insgesamt an der Kohle. Anfang des Jahres hat die sogenannte Kohlekommission ihren Bericht vorgelegt. Das Ende der Braunkohle in Brandenburg wird kommen, nur der Zeitpunkt ist umstritten. Doch spätestens 2038 soll es mit dem Tagebau vorbei sein.

Wahl-o-mat Brandenburg 2019

Wahl-O-Mat -
Wer vertritt Ihre Interessen in Brandenburg?
 

Ob sich Rot-Rot mit Ministerpräsident Woidke in Brandenburg hält, ist ungewiss. Hoffnungen macht sich die AfD. Wer vertritt Ihre Interessen? Orientierung bietet der Wahl-O-Mat.

Viel Geld wollen die Bundes- und die Landesregierung in die Hand nehmen, um die Folgen des Umbruchs abzumildern. Doch die Menschen bleiben skeptisch. Bei den Kommunalwahlen haben hier viele ihr Kreuz bei der AfD gemacht. Als einzige Partei kann sie mit ihrem "Ja zur Kohle" punkten. Klimawandel ist für die Partei kein Thema. Auch bei der Landtagswahl stehen die Chancen gut, dass die AfD hier viele Direktmandate holen kann.

Glück für Ingo Senftleben und die CDU

Auch Ingo Senftleben, der Spitzenkandidat der CDU, hätte in seinem Wahlkreis Oberspreewald-Lausitz gegen einen AfD-Mann antreten müssen. Doch der wurde wegen eines Formfehlers nicht zugelassen. Ingo Senftleben sagt von sich, er sei ein fröhlicher Mensch. Zumindest mit seinem Wahlkampf-Song hat er Humor bewiesen. "Wer haut Verbrechern auf den Po? Ingo, Ingo! Wer schickt Wölfe in den Zoo? Ingo, Ingo!" - so singt das "Team Ingo".

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Auf riesigen Plakaten wirbt Senftleben damit, ein Landei zu sein und im Wahlkampf verteilt der gelernte Mauerer gleich ganze Kartons mit frischen Eiern. Er sagt, er habe "Bock auf Brandenburg". Auf dem Land kommt er gut an, in seiner eigenen Partei weniger. Nur knapp 67 Prozent stimmten seiner Spitzenkandidatur beim Parteitag zu. Rückenwind sieht anders aus, aber Senftleben wandert - wie einst Fontane - tapfer durch Brandenburg und hofft darauf, die Wähler zu überzeugen.

Die Grünen- auch in Brandenburg im Aufwind

Ursula Nonnenmacher
Ursula Nonnenmacher
Quelle: pr

Die Grünen haben sich noch nicht so richtig an ihre Erfolge gewöhnt. Bei der letzten Wahl mussten sie noch um den Einzug in den Landtag zittern. Jetzt liegen auch sie in den Umfragen fast gleichauf mit CDU, SPD und Linken. Die Grünen wollen das Land weltoffener und ökologischer machen.

Spitzenkandidatin Ursula Nonnenmacher ist überzeugt: "Das Thema Klimawandel ist am Abendbrottisch angekommen." Tatsächlich haben die Grünen in den vergangenen Monaten viele neue Mitglieder dazugewonnen. Für die meisten ist die Sorge um das Klima der Grund, aber auch der Wunsch, ein klares Zeichen gegen die AfD zu setzten.

Nach der Europawahl hat die AfD Rückenwind

Andreas Kalbitz
Andreas Kalbitz
Quelle: dpa

Die wurde bei der Europawahl stärkste Kraft im Land. AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz gehört zum rechten Flügel seiner Partei. Selbst aus München kommend, knüpft er an die Ost-Vergangenheit an, die nicht seine ist. Beim Wahlkampfauftakt im Cottbus will er "die Wende vollenden". Der Wahl-Slogan: Wende 2.0.

Die AfD kann vor allem auf dem Land punkten, dort wo die Versäumnisse in der Infrastruktur den Menschen besonders zu schaffen machen. Sie liegt in den Umfragen vorne, doch bisher haben alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der Partei ausgeschlossen. Selbst wenn die AfD als Wahlsieger vom Platz ginge: Regieren würde sie nicht.

FDP und Freie Wähler könnten wieder in den Landtag einziehen

Hans-Peter Goetz
Hans-Peter Goetz
Quelle: dpa

In den aktuellen Umfragen liegt die FDP bei fünf Prozent und könnte den Sprung in den Landtag wieder schaffen. Ihr Motto im Wahlkampf: Brandenburg wächst mit seinen Menschen. Der liberale Spitzenkandidat Hans-Peter Goetz setzt auf die Geschlossenheit seiner Partei. Das war in den letzten Jahren nicht immer so.

Peter Vida
Péter Vida
Quelle: imago

Péter Vida von den Freien Wählern sitzt schon im Landtag. Bei der letzten Landtagswahl konnte die Partei ein Direktmandat erringen und drei Abgeordnete zogen in den Landtag ein. Sie schafften es mit Hilfe einer Volksinitiative,  die umstrittenen Straßenausbaugebühren zu kippen, das zog auch bei der Kommunalwahl.

Selbst für ein Dreier-Bündnis könnte es eng werden

In Brandenburg liegen gleich fünf Parteien fast gleichauf. Eine Allianz aus SPD, Linken und Grünen wäre im Land denkbar. Wer aber diese Koalition anführen würde, ist unklar: Zu eng liegen die Parteien beieinander.

Die Autorin ist Leiterin des ZDF-Landesstudios Brandenburg.

Aktuelle Beiträge zur Brandenburgwahl

Malu Dreyer zur Wahl in Thürngen.l

Kommissarische SPD-Vorsitzende -
"Enttäuscht über das Ergebnis"
 

Die SPD muss Stimmenverluste hinnehmen, dementsprechend enttäuscht reagiert die kommissarische …

Videolänge:
2 min
Dietmar Bartsch Thüringen

Bartsch zur Thüringen-Wahl -
"Ein sensationelles Ergebnis"
 

Sieger des Wahlabends in Thüringen ist die Linke um Bodo Ramelow. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch …

Videolänge:
2 min
Wahl Thüringen - Wahlkabine

Wie weit kommt der "rote Bodo"? -
Thüringer Verhältnisse
 

Der Wahlkampf im Freistaat verlief nicht gerade friedlich. Wer künftig regieren könnte, ist noch offen. …

von Andreas Postel
Das Kandidatenduo Olaf Scholz und Klara Geywitz bei der Bekanntgabe des Ergebnisses des SPD-Mitgliederentscheids

Scholz und Geywitz im Porträt -
Die Verteidiger der GroKo
 

Olaf Scholz und Klara Geywitz standen bei den Regionalkonferenzen wie kein anderes Duo für die Fortsetzung …

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.