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Katholische Kirche - Ein schwieriges Jahr für den Papst

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2018 war für den Papst kein leichtes Jahr - so wird es 2019 bleiben: Zentrales Thema ist der Missbrauchskandal. Franziskus will aufklären, stößt aber auf großen Widerstand.

Papst Franziskus während der Heiligabend-Messe im Petersdom
Papst Franziskus während der Heiligabend-Messe im Petersdom
Quelle: dpa

In seinen Worten ist Franziskus beim Thema Missbrauch stets sehr klar. Zuletzt hat er das bei der Weihnachtsansprache vor den Chefs der Römischen Kurie, also der Zentralverwaltung der katholischen Kirche, deutlich gemacht. Jedes Missbrauchsvergehen soll vor Gericht gebracht werden, kündigte er an, Vertuschung und Verschleppung von Verfahren dürften nie mehr vorkommen. "Das ist der Wille und die Entscheidung der Kirche", erklärte Franziskus. Doch das sehen nicht alle Bischöfe und Kardinäle in der katholischen Weltkirche so.

Bischöfe in vielen Ländern ignorieren Missbrauchsverbrechen

Während in den USA, Deutschland, Irland, Australien oder Chile das Thema bereits intensiv diskutiert wird, gibt es viele Länder, in denen die Bischöfe noch immer kein Bewusstsein für Aufarbeitung und Prävention entwickelt haben. Deshalb hat Franziskus für den 21. bis 24. Februar alle Vorsitzenden der Bischofskonferenzen nach Rom zu einem Krisengipfel geladen. Ziel soll sein, dass am Ende wirklich alle die Dringlichkeit des Themas erkannt haben und den Null-Toleranz-Kurs gegenüber den Tätern, den schon Papst Benedikt XVI. eingeführt hatte, auch wirklich umsetzen.

Für den Vatikan wäre das bereits ein Erfolg. Für die Länder, in denen das Thema schon lange oben auf der Agenda steht, wie Deutschland, die USA oder Chile, wird das zu wenig sein. Hier wird längst erwartet, dass transparente Verfahren eingeführt werden, nach denen sich auch Bischöfe, Kardinäle und Ordensobere ihrer Verantwortung bei Vertuschung und Verschleppung stellen müssen. Doch an dieser Stelle zögert selbst der Papst. 2015 hatte er zunächst angekündigt, dass es dafür ein zentrales Gericht geben soll. Doch bis heute wurde es nicht eingerichtet. Franziskus ruderte vielmehr zurück und verweist seitdem darauf, dass die bestehenden Regeln ausreichten, um Hierarchen zur Verantwortung zu ziehen. Die Opfer sehen das anders. Ihnen sind die bestehenden Regeln zu wenig transparent und zu willkürlich.

Priestermangel im Amazonasgebiet groß

Zündstoff birgt auch die Amazonassynode im Oktober 2019. Konservative Kirchenvertreter haben Sorge, Franziskus könnte die Weihe von "bewährten verheirateten Männern", sogenannten "viri probati", nach der Synode zulassen. Der Priestermangel im Amazonasgebiet ist groß. Eine Gruppe von Theologen arbeitet bereits daran, um diese Ausnahmen von der Zölibatspflicht in der Region zu testen. Kritiker sehen darin einen Dammbruch und befürchten, dass damit das Ende des Pflichtzölibats in der katholischen Kirche eingeleitet wird.

Diplomatisches Geschick ist bei vielen Auslandsreisen gefordert, die das katholische Kirchenoberhaupt für 2019 plant. Das gilt weniger für den katholischen Weltjugendtag Ende Januar in Panama. Doch schon Anfang Februar wird Franziskus als erster Papst auf die arabische Halbinsel reisen und an einer interreligiösen Friedenskonferenz in Abu Dhabi teilnehmen.

Der Pontifex spricht immer wieder von der "Kultur des Dialogs", die er bei solchen Reisen vorzuleben versucht. Der katholische Gottesdienst in einem Sportstadion zum Schluss seines Besuchs birgt einen Hauch von Geschichte, denn noch nie gab es eine so große öffentliche christliche Glaubensveranstaltung auf der arabischen Halbinsel.

Papst will friedliches Nebeneinander der Religionen fördern

Ende März reist Franziskus dann nach Marokko, wieder steht der Dialog mit dem Islam im Zentrum. Franziskus will all jenen den Wind aus den Segeln nehmen, die die Religionen gegeneinander in Front bringen wollen. Er ist für ein klares Bekenntnis der je eigenen Religion, will aber demonstrieren, dass ein friedliches Miteinander im Dialog möglich ist.

Bei den Reisen nach Bulgarien und Mazedonien im Frühsommer steht der Dialog mit den orthodoxen Kirchen im Mittelpunkt. Außerdem setzt Franziskus damit seine Reisen an die Ränder Europas fort.

Vieles läuft nicht rund im Vatikan

Voraussichtlich im November wird er sich einen Herzenswunsch erfüllen und nach Japan reisen. Einst war er in den Jesuitenorden eingetreten, um als Missionar nach Japan zu gehen. Unter anderem aus gesundheitlichen Gründen hat es nicht geklappt. Alles deutet darauf hin, dass er nun im November dorthin reisen wird. Ob Franziskus bei diesem Anlass auch einen Abstecher nach Nordkorea machen wird, ist offen. Spekuliert wird allerdings schon lange über einen Besuch in Pjöngjang.

Neben diesen großen Ereignissen gibt es für Franziskus auch 2019 die Dauerbaustelle "Vatikan". Die Reform der zentralen Verwaltung soll nach sechs Jahren endlich zum Abschluss kommen. Zudem wird er sich weiter mit Skandalen und internen Machtkämpfen auseinandersetzen müssen. Denn seine Gegner versuchen immer wieder, ihn mit Gerüchten über Skandale in finanziellen oder moralischen Bereichen seiner engsten Mitarbeiter aus dem Tritt zu bringen. Bisher zeigt sich Franziskus davon meist unbeirrt. Der überraschende Rücktritt seiner beiden Pressesprecher zum Jahreswechsel zeigt aber, dass Vieles nicht rund läuft bei der Reform in der römischen Zentrale und ihm ein schwieriges Jahr bevorsteht.

Wachsoldat der Schweizer Garde am Petersdom im Vatikan

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