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Eine Generation ohne HIV - Der Traum des "Königs der Kondome"

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1,6 Millionen Kenianer sind mit HIV infiziert. Sex gilt als Tabuthema. Der "König der Kondome" will sein Land von dem gefährlichen Virus befreien.

Das schillernde Auftreten des Königs der Kondome nutzt er gezielt, um die Neugierde der Menschen zu wecken, berichtet ZDF-Korrespondent Timm Kröger.

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"King of Condom" steht in goldenen Buchstaben auf der Rückseite der knallroten Jacke, die sich Stanley Ngara jeden Morgen anzieht. Die Jacke im Militärstil ist mit Aufnähern afrikanischer Flaggen bestickt und bunt verziert. Dazu trägt er eine passende Kappe mit dem Wort "King" und einem Anstecker der roten Aids-Schleife.

Seit 2012 ist der 46-Jährige täglich als König der Kondome in den Straßen der ostafrikanischen Millionenmetropole Nairobi unterwegs. Im Gepäck hat er kostenlose Kondome und ein ambitioniertes Ziel: sein Heimatland Kenia von HIV und AIDS zu befreien.

Mit Humor Tabus brechen

In Kenia gilt Sex als Tabuthema. HIV ist mit Stigma behaftet. Kondome auf der Straße zu verteilen, mit Menschen über HIV- Prävention zu sprechen, ist nicht einfach. "Viele Menschen haben kein Verständnis für meine Arbeit. Sie unterstellen mir, dass ich unmoralisches Verhalten fördere", berichtet Stanley Ngara.

Aber er lässt sich nicht abschrecken. Das schillernde Auftreten des Königs der Kondome nutzt er gezielt, um die Neugierde der Menschen zu wecken. So kommt er mit ihnen ins Gespräch. Seine humorvolle Art bietet einen Zugang, um gesellschaftlich, religiös und kulturell bedingte Scham zu überwinden.

Junge Kenianerinnen besonders betroffen

Besonderes groß ist das Risiko für junge Kenianerinnen: Sie infizieren sich fast doppelt so häufig mit HIV wie junge Männer. 40 Prozent von ihnen wissen nicht, wie man sich richtig vor HIV schützt. Sie zählen zu Stanleys wichtigster Zielgruppe. "Die Informationen, die ich vermittele, sind detaillierter und konkreter als die Sexualaufklärung, die sie sonst erfahren", erklärt er bei dem Besuch einer Kosmetikschule. Kaum betritt er den Raum, sorgt er für Gelächter. Zunächst kling es beschämt, später schallend befreit.

Er verteilt seine Kondome nicht nur an die Schülerinnen, sondern packt sie auch aus. Demonstriert an Modellen von Geschlechtsorganen, wie sie korrekt verwendet werden. Er hört zu und berät. "Die Informationen, die ihre Eltern, Lehrer oder Ärzte nicht vermitteln können oder wollen, die bekommen sie vom König der Kondome", berichtet er.

Kondome als Schlüssel

Stanley Ngara ist viel unterwegs: Schulen, Universitäten, Armenviertel, öffentliche Plätze und bei den Sexarbeiterinnen, die nachts an den Straßen Nairobis stehen. In 27 der 47 kenianischen Verwaltungsbezirke ist er bereits gewesen, um Wissen, Hoffnung und natürlich Kondome zu verbreiten. Er arbeitet im Auftrag der Nichtregierungsorganisation LVCT Health, die seit 2001 HIV-Tests und kostenlose Beratung in Kenia anbietet. Die Kondome, werden von der kenianischen Regierung gestiftet.

In Kenia herrscht die drittgrößte HIV-Epidemie der Welt. 1,6 Millionen Kenianerinnen und Kenianer sind HIV-positiv. Das Virus ist über 30 Jahre nach seinem ersten Auftreten in Kenia noch immer eine Bedrohung. Doch es gibt Fortschritte: 2018 haben sich 46.000 Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert, das sind knapp 50 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren. Moderne Behandlungsmöglichkeiten ermöglichen Betroffenen mittlerweile lange mit HIV zu leben. Es sind aber vor allem Kondome, die vor Neuansteckungen schützen. Das hat der König der Kondome erkannt. Sie sind neben Aufklärungsarbeit der Schlüssel für sein Ziel, eine Generation frei von HIV zu erleben.

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