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Ein Monat nach dem Anschlag - Terror in Barcelona: "Wir sind wachsamer"

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Vor einem Monat raste ein Dschihadist mit einem Lieferwagen über die Ramblas in Barcelona. Dort und später in Cambrils sterben 16 Menschen. Das Gedenken an die Opfer des Terrors in Spanien bleibt wach - trotz des Rummels, der auf den Ramblas wieder herrscht.

Nach dem Anschlag mit 13 Toten in Barcelona gehen die Ermittlungen auch auf internationaler Ebene weiter. Der mutmaßliche Täter wurde am Montag von der Polizei erschossen. Auch der als Kopf der Zelle vermutete Imam ist tot.

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Auf der berühmten Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona pulsiert das Leben wie eh und je. Doch der unaufhörliche Strom an Touristen und Einheimischen verwischt die Spuren des Anschlags radikalislamischer Terroristen vor genau einem Monat nicht völlig. An der Ecke zwischen Las Ramblas und dem Platz Plaza Catalunya, wo ein 22-jähriger Marokkaner am 17. August kurz vor 17 Uhr seine 500 Meter lange Todesfahrt begann, befindet sich heute ein improvisierter Altar.

Mit Blumen, Plüschtieren, Botschaften und Fotos gedenken Menschen dort der 16 Toten und mehr als 130 Verletzten, die die Attacke in Barcelona und der vereitelte Anschlag Stunden später in dem etwa 120 Kilometer entfernten Badeort Cambrils gefordert hatten. "Legen wir unsere Hände schützend darüber, damit solch eine Grausamkeit nirgendwo auf der Welt erneut passiert", heißt es auf einem Plakat inmitten von Kerzen, Fahnen und anderen Gaben. "Volem la pau" (Wir wollen Frieden), prangt auf einem anderen. Touristen und Einheimische machen Fotos, kommen näher, um das Geschriebene zu lesen oder bleiben einfach schweigend stehen.

Die Angst vor neuen Anschlägen besteht

Urlauber bewegen sich derweil auf den Ramblas nach jenem Motto, das sich am Tag nach den Anschlägen spontan in Barcelona auf Katalanisch verbreitet hatte: "No tinc por" (Ich habe keine Angst). Ohne Vorbehalte nähern sie sich der beliebten, von großen Platanen gesäumten Straße. Doch Angelica aus Argentinien zeigt sich auch nachdenklich: "Es ist erschütternd, sich vorzustellen, was hier passierte. (...) Aber auch die Solidarität der Leute ist beeindruckend."

Die Angst vor neuen Anschlägen besteht, und sie findet ihren Ausdruck einige Meter weiter in Form von Vorsichtsmaßnahmen: ein Kleinbus der Polizei von Barcelona und einer der Mossos d'Esquadra, der Polizei der autonomen Region Katalonien, stehen quer auf den Ramblas und versperren somit die Zufahrt für Autos.

"Wir stehen hier seit dem Tag nach dem Anschlag", sagt einer der Beamten. Dort Poller einzulassen, die Autos an der Einfahrt in den Fußgängerbereich der Ramblas hindern, wird noch diskutiert.

"Beim kleinsten Lärm werden die Leute schon nervös."

Auf dem halben Kilometer, den der Dschihadist in hohem Tempo zurücklegte und dabei Menschen aus 35 Ländern erfasste, herrscht wieder Alltag: Verkäufer preisen ihre T-Shirts an, Gruppen von Jugendlichen sitzen auf dem Boden, um sie herum ein Defilee aus Ethnien und Sprachen, Schwärme von Mietfahrrädern und - vor allem - viele Selfies.

Trotz des geschäftigen Treibens nehmen Einheimische, die die Ramblas gut kennen, Veränderungen wahr: "Wir sind wachsamer, sensibler", sagt die Souvenirverkäuferin Nahi. "Das geht hier allen so". Auch dies sei eine Form von Terror, meint die 23-Jährige. "Beim kleinsten Lärm werden die Leute schon nervös", sagt auch die 19-jährige Laura, die an einem anderen Stand bedient.

Die zahlreichen spontanen Gedenkorte, die kurz nach dem Anschlag die Ramblas säumten, wurden entfernt, um die Straße frei zu halten. Doch der Geist lebt fort in den Botschaften, die auf die Stämme der Platanen geschrieben oder geritzt wurden: "Pray for Barcelona" (Bete für Barcelona), "Nunca tendremos miedo" (Wir werden niemals Angst haben), "Stronger together" (Stärker zusammen) lauten nur einige von ihnen.

Aufklärungsarbeit geht weiter

Ein großes, buntes Mosaik des Malers Joan Miró im Pflaster der Ramblas markiert exakt die Stelle, an der der Dschihadist den Lieferwagen stehenließ und zu Fuß durch den bei Touristen beliebten Markt Mercado de la Boquería entkam. 14 Menschen hatte er bis dahin getötet. Ein weiterer musste sterben, weil der 22-Jährige dessen Auto für seine Flucht brauchte.

Der Marokkaner wurde wenige Tage später aufgespürt und bei einem Polizeieinsatz erschossen. Weitere elf Mitglieder der Dschihadistenzelle, denen die Taten in Barcelona und Cambrils zur Last gelegt werden, starben entweder oder wurden nach den Taten festgenommen. Doch die Ermittlungen sind auch einen Monat danach nicht abgeschlossen: "Es muss noch eine Reihe von Dingen geklärt werden", sagt ein Sprecher der katalanischen Polizei. "Es werden Verbindungen zu anderen Zellen und anderen Mitgliedern geprüft."

Genau gegenüber dem Miró-Mosaik befindet sich ein türkisches Restaurant. Dorthin hatten sich Verletzte und Passanten nach dem Anschlag gerettet. Ein Angestellter steht im Türrahmen des Lokals und beobachtet die vorbeigehenden Leute. Ein Gefühl von Ablehnung des Islams könnte eine weitere Folge der Anschläge sein - doch der Angestellte meint, das sei nicht passiert. "Die eine oder andere Frau hat mich ein bisschen komisch angeschaut", meint er. "Aber nach den Anschlägen haben viele Spanier mich umarmt. Wir verspüren denselben Schmerz".

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