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"Es wurde sehr eng für mich" - Eines seiner letzten Interviews: Khashoggi im ZDF

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Im ZDF gab der saudische Journalist Khashoggi im Mai 2018 ein Interview - eines seiner letzten, bevor sich seine Spur verlor.

Das mysteriöse Verschwinden des saudischen Journalisten Khashoggi sorgt für Aufsehen. Im ZDF gab er im Mai ein Interview - eines seiner letzten, bevor sich seine Spur verliert. Hier sehen Sie Auszüge aus dem Gespräch.

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5 min
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ZDF: Warum leben Sie im Exil?

Jamal Khashoggi: In Saudi-Arabien durfte ich nicht mehr schreiben oder gar twittern. Es wurde sehr eng für Journalisten. Immer gefährlicher. Ich wusste, dass ich besser das Land verlasse, um sicher zu sein.

ZDF: Waren die Festnahmen der letzten Zeit nur ein Schachzug, um dem Kronprinzen die Macht zu sichern?

Khashoggi: Viele Leute sagen, dass es nur ein Mittel zur Machtsicherung war. Das braucht er aber überhaupt nicht. Auch Mitglieder der Herrscherfamilie haben Angst vor ihm - nicht nur die kleinen Leute. Er hat mehr als genug Macht. Warum würde er mehr brauchen?

ZDF: Es gibt also keinen internen Machtkampf?

Khashoggi: Nein, das würde niemand wagen. Die Leute haben Angst. Die Adeligen eingeschlossen - es gibt da keinen Machtkampf. Jeder hat Angst und Bin Salman hat die volle Kontrolle.

ZDF: Wie viel Macht hat der Geheimdienst in Saudi-Arabien?

Khashoggi: Diese Macht wächst von Tag zu Tag. Und das spüren die Menschen auch. Die Leute spüren die Anwesenheit des Geheimdienstes. Sie können beim Abendessen nicht mehr frei sprechen. Sie passen auf, was sie twittern, welche Nachrichten sie über WhatsApp schicken. Und das verschweigt die Regierung auch nicht. Ich habe auch schon einen saudischen Fernsehmoderator gesehen, der die Menschen gewarnt hat, aufzupassen, was sie auf sozialen Medien schreiben. Dass die Regierung die IP-Adressen kennt. Es ist wirklich furchteinflößend im Staatsfernsehen zu hören: Hey, wir beobachten euch!

ZDF: Viele Menschen in Saudi-Arabien sagen aber trotzdem, dass die dunklen Zeiten des Wahabismus vorbei wären. Denken Sie das auch?

Khashoggi: Auf den Straßen ist das momentan auch vorbei. Aber noch nicht in den Lehrbüchern und in den Schulen. Es entwickelt sich eine andere Art des Wahabismus. Eine Doktrin, die die Macht des Staates stärkt. Die Regimegegner als Verräter bezeichnet, die angeblich vom Islam abkommen. Das ist eine ziemlich beängstigende Version des Wahabismus, die dort langsam Form annimmt. Die Saudis werden inzwischen schon dazu aufgerufen, andere anzuzeigen, wenn sie sich regimekritisch äußern. Das ist eine schlechte Entwicklung.

ZDF: Was würde passieren, wenn Sie sich entscheiden würden, nach Saudi-Arabien zurückzukehren?

Khashoggi: Vermutlich würde ich im Gefängnis landen, oder sie würden mir ein Ausreiseverbot erteilen. Ich sehe mich aber eigentlich gar nicht als Oppositioneller. Ich möchte ein unabhängiger Autor sein, der die Regierung auch berät. Davon könnten alle profitieren. Aber natürlich werde ich nicht in mein Land zurückkehren.

ZDF: Glauben Sie, dass es für Sie jemals möglich ist, wieder in Ihre Heimat zurückkehren?

Khashoggi: Nein, ich verliere immer mehr Hoffnung. Vor allem nach den Festnahmen von Regimekritikern in der letzten Zeit. Das hat mir jede Hoffnung geraubt, jemals wieder in mein Land zurückkehren zu können. Das macht mich traurig. Ich vermisse mein Zuhause. Ich wünschte, ich könnte dort sein. Um zu helfen und um wieder als Redakteur bei einer Zeitung zu arbeiten. Aber nicht unter diesen Umständen. Es gibt keinen Platz für Leute wie mich - man muss regierungstreu sein. Ein Anhänger der politischen Linie. Aber das kann ich nicht.

Das Interview führte das ZDF auslandsjournal im Mai 2018.

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