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Sanierungsplan - Opel will nun Tempo machen

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Nachdem Opel eine Einigung mit den Arbeitnehmern auf einen Sanierungsplan bekannt gegeben hat, richtet sich der Blick Richtung Zukunft. Doch sind die Ziele realistisch?

Geschäftsführung und Betriebsrat haben sich auf einen Sanierungsplan geeinigt. Die deutschen Opel-Standorte sollen erhalten bleiben, und die meisten Jobs sind vorerst sicher.

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Es ist wohl nicht übertrieben von einem Durchbruch zu sprechen. Denn in den vergangenen Monaten standen sich Mitarbeiter und das Management von Opel ziemlich spinnefeind gegenüber. Die Manager in Rüsselsheim und Paris, wo die Opel-Konzernmutter PSA sitzt, pochte auf Zugeständnisse bei den Mitarbeitern; die wiederum wollten im Gegenzug Jobgarantien für die deutschen Opel-Standorte haben. "Für die Arbeitnehmer ist das ein guter Kompromiss in einer schlechten Lage des Unternehmens", meint der Autoexperte Jürgen Pieper aus dem Bankhaus Metzler.

"Mich wundert, dass die Peugeot-Führung nachgegeben hat"

Die schlechte Lage lässt sich ablesen an einer Verlustserie von mittlerweile 20 Jahren unter der Mutterschaft der ehemaligen Opel-Besitzerin General Motors in den USA. Vor einem Jahr hat dann die französische PSA Gruppe mit Marken wie Peugeot und Citroën das Steuer übernommen. Was einen Schimmer Hoffnung birgt: Denn die neue Opel-Mutter PSA ging es vor wenigen Jahren ebenfalls noch miserabel. Es war ein Mann namens Carlos Tavares, der kam und sanierte; er ordnete die Dinge erstaunlich konsequent und schnell so, dass PSA wieder den Anschluss an die Konkurrenz gefunden hat. "Mich wundert es ein wenig, dass die Peugeot-Führung den Forderungen der Arbeitnehmer hierzulande nachgegeben haben", sagt Jürgen Pieper.

Dennoch: Ohne Einschnitte bei den Personalkosten, also ohne dass Betriebsrat und Gewerkschaften nachgegeben hätten, wäre der Kompromiss nicht zu Stande gekommen. So soll das im Metall-Flächentarif ausgehandelte Tarifgeld für Opel-Mitarbeiter nicht gelten. Die übrigen Tariferhöhungen sind für die Vertragsdauer verschoben. Und 3.700 Stellen sollen im Opel-Konzern und an seinen Standorten hierzulande abgebaut werden.

"Pace" soll Opel in die Zukunft fahren

"Wir haben alle unsere Werke wettbewerbsfähig gemacht und können nun die Investitionsentscheidungen auslösen. Dabei bin ich dankbar für die Zugeständnisse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", sagte Opel-Chef Michael Lohscheller zu dem Kompromiss am Mittwoch in der Opel-Konzernzentrale in Rüsselsheim. Es wirkte ein wenig seltsam, wie er seine Sätze herunter spulte. So, als habe er sie auswendig gelernt. Ein Schelm wer denkt, sie wären in Paris geschrieben worden. Wie auch immer - jedenfalls hat Lohscheller wohl nicht zufällig die sprachliche Vergangenheit zitiert. Denn der überwiegende Teil der freiwilligen Abgänge ist schon unter Dach und Fach: Über 3.500 Aufhebungsverträge sind bereits unterzeichnet, es fehlt zu den 3.700 anvisierten Unterschriften also nur noch ein Bruchteil.

"Die Differenz, die jetzt noch existiert, die ist so gering, dass wir sagen können: Die Restrukturierung  von Opel ist abgeschlossen", sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Die Hauptaufgabe aber liegt noch vor den Opelanern in Deutschland: Opel nach 20 Jahren wieder in die Gewinnzone zu fahren und den Anschluss an die Konkurrenz zu schaffen. Denn die ist mittlerweile enteilt - seien es die Mittelklassewagenbauer hierzulande oder die Konkurrenz aus Asien. Opel verliert Marktanteile und die Marke hat in den vergangenen Jahren stark gelitten. Abhilfe soll das Zukunftsprogramm "Pace" bringen, was so viel heißt wie Tempo oder Geschwindigkeit. Das hatten PSA und Opel bereits im November vergangenen Jahres vorgestellt.

Ziele unrealistisch?

Im Kern sind darin drei Ziele formuliert: Elektromobilität bei gleichzeitiger CO2-Reduktion der Flotte; das erobern neuer Märkte rund um den Globus - und: Profitabilität. Michael Lohscheller hat am Mittwoch noch einmal wiederholt, dass Opel im Jahr 2020 bereits eine Rendite von zwei Prozent einfahren soll, im nächsten Schritt soll die dann auf sechs Prozent steigen. Beobachter wie Jürgen Pieper allerdings halten das für ziemlich unrealistisch. "Eine schwarze Null vielleicht bis 2020, mehr sehe ich da nicht".

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