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Amnesty-Menschenrechtspreis 2018 - "Einsatz unter Lebensgefahr" gewürdigt

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Das Nadeem-Zentrum in Ägypten dokumentiert staatlichen Missbrauch und therapiert Folteropfer - es erhält dafür den Menschenrechtspreis von Amnesty International.

Najia Bounaim, Taher Mokhtar und Markus N. Beeko
Quelle: imago

Obwohl selbst in schwere Bedrängnis geraten und Schikanen der Behörden ausgesetzt, trotzt eine kleine Gruppe von Menschenrechtsaktivisten in Ägypten der Staatsgewalt. Das Team des 1993 gegründeten "Nadeem-Zentrums" therapiert schwer misshandelte und gefolterte Menschen, die laut Amnesty International häufig Opfer von Polizei und Armee geworden sind. Für ihren Einsatz sind die Mitarbeiter des Zentrums heute in Berlin mit dem Amnesty-Menschenrechtspreis 2018 geehrt worden.

Unterstützung "für all die mutigen Frauen und Männer"

Mit der Auszeichnung will die Menschenrechtsorganisation "all die mutigen Frauen und Männer unterstützen, die sich in Ägypten unter Lebensgefahr gegen Folter, Gewalt und Willkür einsetzen", sagt Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty in Deutschland. Hilfe in der Not brauchen die Betreiber der einzigen Spezialklinik Ägyptens für Folterüberlebende auch selbst, denn im Februar 2017 schlossen Behörden die Klinik in Kairo offiziell. "Das Team des Nadeem-Zentrums behandelt dennoch weiter Überlebende von Folter und Gewalt, nun in privaten Räumen und anderen Kliniken und Arztpraxen", sagt Beeko auf heute.de-Anfrage.

Wichtigstes Ziel der Organisation in der Sache sei es, dass die Helfer des Nadeem-Zentrums ihre Arbeit in der Klinik offiziell wieder aufnehmen könnten, so Beeko. Er wünscht sich dafür mehr Druck etwa durch die Bundesregierung und die Europäische Union. Außerdem müsste die Regierung um General Abdel Fatah Al-Sisi Beeko zufolge dazu bewegt werden, weitreichende Repressionen der Behörden gegenüber zivilgesellschaftlichen Initiativen in Ägypten einzustellen.

Nadeem-Zentrum dokumentiert schwerste Verbrechen

Civicus, die Weltallianz für Bürgerbeteiligung, bezeichnet die Grundrechte der etwa 92 Millionen ägyptischen Bürger als "eingeengt". Wer die Kairoer Machthaber kritisiert, muss aktuellen Civicus-Daten zufolge fürchten, überwacht, drangsaliert, eingeschüchtert, inhaftiert, verletzt oder sogar getötet zu werden.

Während die ägyptische Regierung den Einsatz von systematischer Folter durch Sicherheitskräfte leugnet, dokumentieren Menschenrechtsgruppen wie das Nadeem-Zentrum Verletzungen und Aussagen von Überlebenden. In einem Bericht ist eine Foltermethode so beschrieben: "Sie schließen Stromkabel an das rechte und an das linke Bein an. Sie nennen es Lügendetektor, und wenn eine Antwort dem Offizier nicht gefällt, drückt er einen Knopf, sodass der Strom einen solchen Schmerz an der Wirbelsäule auslöst, dass man denkt, sie zerbreche."

Amnesty: "Menschenrechtslage in Ägypten auf einem Tiefpunkt"

Solche Dokumente über mutmaßliche Verbrechen von Polizisten oder Angehörigen von Militär und Staatssicherheit publiziert das Nadeem-Zentrum jedes Jahr. Die Berichte dokumentieren Amnesty zufolge, wo und wie in ägyptischen Polizeistationen und Gefängnissen gefoltert wurde, und wie viele Menschen dabei zu Tode kommen. Der ägyptische Staatsapparat hat darauf mit massiven Repressionen reagiert und versucht seit 2016 die Arbeit des Nadeem-Zentrums zu stoppen.

Insgesamt sei die Situation der Zivilgesellschaft in Ägypten verheerend, beklagen zahlreiche Menschenrechtsaktivisten. "Sieben Jahre nach Beginn der ägyptischen Revolution befindet sich die Menschenrechtslage auf einem Tiefpunkt", kritisiert auch der Amnesty-Vertreter Beeko. Die Regierung in Kairo gehe systematisch gegen politische Gegner vor. Zehntausende politische Strafgefangene seien in überfüllten Zellen inhaftiert. Polizei und Geheimdienste seien für schwere Verbrechen verantwortlich. "Entführungen, Misshandlung und Folter durch Sicherheitskräfte gehören zur Tagesordnung", zieht Beeko ein erschreckendes Resümee.

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