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Affäre um toten Georgier - Tiergarten-Mord: Verdacht und Vertuschung

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Warum die Affäre um den Berliner Tiergartenmord erst beginnt - und warum die Bundesregierung überzeugt ist, dass Putin lügt. Eine Einschätzung.

Der Kreml in Moskau
Die Affäre um den Berliner Mord im Kleinen Tiergarten ist noch lange nicht zu Ende.
Quelle: ap

Mit der gegenseitigen Diplomaten-Ausweisung ist die Affäre um den Berliner Mord im Kleinen Tiergarten nicht zu Ende - im Gegenteil. Bisher hat jeder Schritt, den die russische Regierung ging und jede Antwort, die sie gab, zu neuen Fragen aus Berlin geführt. Vor allem die scharfen Anschuldigungen, die Präsident Putin gegenüber der Bundesregierung erhebt, sind von derart beispielloser Sprengkraft, dass sie ihre Wirkung erst nach und nach entfalten. 

Nachdem sich die deutschen Ermittler fast vier Monate lang beklagt hatten, dass sie nur ausweichende oder widersprüchliche Angaben aus Russland erhielten, hatte Putin am Montag eine ganze Salve von Gegenvorwürfen abgefeuert. Ein, zwei Tage brauchten die überrumpelten Berliner Außenpolitiker, um eine Antwort zu finden. Sie besteht, wenn man das diplomatische  Lametta einmal abzieht, aus zwei Worten: Putin lügt. 

Russland behindert eher die Ermittlungen

Vor laufenden Kameras und hochoffiziell widersprechen sowohl das Bundespresseamt als auch das Justizministerium Putins Behauptung, Moskau habe mehrfach um Auslieferung des späteren Mordopfers gebeten: Nicht ein einziger Auslieferungsantrag sei der Bundesregierung bekannt. Als die Sprecherin des russischen Außenministeriums heute um Aufklärung gebeten wird, weicht sie aus. "Der Mann wurde gesucht", sagt Marija Sacharowa. Aber Einzelheiten sollten die Journalisten bitte bei den Strafverfolgungsbehörden fragen.

Aber genau da liegt das Problem. Die russischen Strafverfolgungsbehörden haben die Aufklärung des Mordes schon bisher nicht unterstützt, im Gegenteil. Als die deutschen Ermittler in Moskau nach der Identität des mutmaßlichen Täters fragten, versuchten die Russen zunächst, dessen falsche Identität als echt zu verkaufen. Später folgten andere Versionen. "Aktive Vertuschung" nennt das die Süddeutsche Zeitung.

Die Zweifel an der Top-Terroristen-Behauptung

Ebenso große Überraschung und Skepsis lösen die Äußerungen Putins über das Mordopfer aus. Nachdem Deutschland über Monate kaum Informationen aus Russland bekommen hat, wartete Putin am Montag mit einer Sensation auf: Der in Berlin getötete Mann sei ein Top-Terrorist und angeblich sogar mitverantwortlich für den verheerenden Anschlag auf die Moskauer Metro.

In Berlin-Moabit wurde ein Georgier auf offener Straße erschossen.
Ende August wurde im Berliner Tiergarten ein Georgier erschossen - der Mord wird zur Staatsaffäre.

Warum, fragen deutsche Außenpolitiker, teilt der Kreml eine derart entscheidende Information so spät mit? Warum haben Putins Sprecher Peskow, Außenminister Lawrow oder Russlands Berliner Botschafter Netschajew die angebliche Erkenntnis über die so "blutrünstige" Vergangenheit des Toten in ihren bisherigen Stellungnahmen verschwiegen?

Wie es weitergehen könnte

Dass die verblüffenden Äußerungen Putins "fast einem Schuldeingeständnis gleichkommen", wie es der Osteuropa-Experte der Grünen, Manuel Sarrazin, formuliert, liegt an der besonderen Härte, mit der Moskau speziell die Metro-Attentäter jagen wollte. "Notfalls bis aufs Klo", so hatte es Putin nach dem für Russland traumatischen Ereignis versprochen. Ein Gesetz, das die Duma verabschiedet und Putin unterzeichnet hat, erlaubt sogar ausdrücklich die Tötung von flüchtigen Terroristen im Ausland.

Falls also der in Untersuchungshaft sitzende, mutmaßliche Mörder auspacken sollte und Russland tatsächlich als Auftraggeber beschuldigt: Putin hätte vorgebeugt. Dann wäre der Berliner Mord zwar immer noch Staatsterrorismus mit unvorhersehbaren diplomatischen Folgen. Dann dürften zwar Deutschland und zahlreiche befreundete Staaten weitere russische Diplomaten ausweisen. Aber zumindest innenpolitisch hätte Putin aus der Krise einen Erfolg gemacht.

Außenministerium der Russischen Föderation in Moskau

Nach Mord an Georgier in Berlin -
Russland weist zwei deutsche Diplomaten aus
 

Der mutmaßliche Auftragsmord an einem Georgier in Berlin belastet das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau schwer. Russland hat jetzt zwei deutsche Diplomaten ausgewiesen.

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